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Ein Despot kehrt zurück

Vor 25 Jahren hat ihn das Volk aus dem Land gejagt. Bei der Rückkehr des früheren Diktators Jean-Claude Duvalier müssen Soldaten eine feiernde Menge im Zaum halten. Haiti hat einen neuen Hoffnungsträger.

Triumphale Rückkehr nach 25 Jahren im Exil: Der frühere haitianische Diktator Jean-Claude Duvalier auf dem Flughafen von Port au Prince.
Triumphale Rückkehr nach 25 Jahren im Exil: Der frühere haitianische Diktator Jean-Claude Duvalier auf dem Flughafen von Port au Prince.
Keystone

«Ich bin gekommen, um zu helfen», lautet die simple Antwort des 59-Jährigen auf die Frage nach dem Grund für seine überraschende Rückkehr. Als wären der Kampf gegen die Cholera-Epidemie, die ungeklärte politische Zukunft des Landes und der Wiederaufbau nach dem folgenschweren Erdbeben vor einem Jahr noch nicht genug, muss sich das Land nun auch mit seiner Vergangenheit beschäftigen.

Auch nach einem Viertel Jahrhundert Abwesenheit bleibt Duvalier eine der umstrittensten Persönlichkeiten des verarmten Karibikstaates. Völlig unvorbereitet trat er 1971 im Alter von 19 Jahren die Nachfolge seines Vaters an und setzte die langjährige Diktatur in Haiti fort. Nur einen Tag nach dem Tod von François Duvalier am 21. April 1971, der aufgrund seines ehemaligen Berufes als Landarzt Papa Doc genannt worden war, legte Baby Doc Jean-Claude Duvalier seinen Amtseid ab. Er wurde damit der jüngste Staatschef weltweit.

Klima der Angst und Unterdrückung

Seine Jugendlichkeit, das mondrunde Gesicht, seine Schüchternheit und seine sprachlichen Defizite gaben Duvalier nie das Antlitz eines unbarmherzigen Despoten. Doch auch er wollte wie sein Vater das Land kontrollieren, griff gegen Oppositionelle durch und peitschte eigene Gesetze durch. Schon als Kind - sein Vater übernahm die Herrschaft, als er gerade einmal sieben Jahre alt war - wurde Duvalier Zeuge von Intrigen, Verhaftungen, Hinrichtungen und diversen Putschversuchen gegen Papa Doc. Im Alter von elf Jahren entkam er selbst einem Attentat, bei dem drei seiner Leibwächter getötet wurden.

Obwohl selbst seine schärfsten Gegner ihm die Abschaffung der standrechtlichen Hinrichtungen anrechneten, durch die unter seinem Vater 30'000 Menschen getötet wurden, herrschte unter Duvalier junior weiter das Klima der Unterdrückung. Die Miliz Tonton Macoutes terrorisierte die Haitianer, verhaftete und folterte unzählige politische Gegner oder liess sie spurlos verschwinden. Eineinhalb Jahrzehnte lang war Duvalier der selbsternannte «Präsident auf Lebenszeit», bis nach internationaler Kritik an der Menschenrechtslage pro-demokratische Kräfte auf die Strassen Haitis stürmten und letztlich seine Flucht ins Exil erzwangen.

7 Millionen Dollar auf Schweizer Konten blockiert

Die meisten Jahre seit seinem Sturz verbrachte Duvalier in Frankreich. Aus dem verarmten Karibikstaat flüchtete er sich in ein Luxusleben an der Côte d'Azur. Dazu verhalf ihm offenbar Geld, das sein Clan zuvor aus der Staatskasse auf Konten in der Schweiz geschleust hatte.

Nach Behördenschätzungen sollen seine Familie und seine Anhänger hunderte Millionen Dollar beiseite geschafft haben. Auf Schweizer Konten liegen immer noch rund 7 Millionen Dollar. Vor knapp einem Jahr stoppte das Schweizer Bundesgericht die von Haiti geforderte Rückgabe des Geldes, weil die von Baby Doc im Ausland begangenen Straftaten nach schweizerischem Recht bereits verjährt sind. Keine Verjährungsfrist gibt es nach Ansicht von haitianischen Menschenrechtsaktivisten für die unter seiner Herrschaft begangenen Verbrechen. Ende der 1990er Jahre scheiterte in Paris ein Prozess, den politische Gefangene wegen des Vorwurfs der Folter gegen ihn erwirken wollten.

Die Entschuldigung am Radio

Duvalier selbst bat zwar 2007 das haitianische Volk im Rundfunk um Entschuldigung für die «während seiner Amtszeit begangenen Fehler». Nun müsse er sich in seiner Heimat einem Prozess stellen, forderte Pierre Espérance, Vertreter des Nationalen Netzwerks zur Verteidigung der Menschenrechte (RNDDH). Sollte Duvalier sich nicht wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor einem Gericht verantworten müssen, wäre dies für Haiti im Kampf gegen die Straflosigkeit «ein Schritt zurück».

SDA/pbe

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