Ein ganzer Stapel Noten für eine Rolle Toilettenpapier

Fotos eines letzten Einkaufs mit Venezuelas alter Währung.

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Im Kampf gegen die Inflation sind in Venezuela am Montag neue Geldscheine in Umlauf gebracht worden. Die Landeswährung Bolívar Fuerte (BsF) wurde bei einem Wechselkurs 1:100'000 durch den Bolívar Soberano (BsS) ersetzt – faktisch werden also fünf Nullen gestrichen. Die Massnahme ist Teil einer Reihe umstrittener Reformen von Staatschef Nicolás Maduro angesichts der schweren Wirtschaftskrise.

Der Fotograf Carlos Garcia Rawlins von der Nachrichtenagentur Reuters hat am Donnerstag eine eindrückliche Serie von Bildern veröffentlicht, die zeigt, wie viel Alltagsgegenstände zuletzt kosteten – wenn denn jemand tatsächlich bar bezahlt hätte. In der Hyperinflation werden fast alle Transaktionen elektronisch durchgeführt. Und auch mit elektronischen Zahlmitteln mussten Venezolaner in den letzten Wochen bei grösseren Einkäufen jeweils in mehreren Tranchen bezahlen, weil das elektronische Zahlsystem die riesigen Beträge nicht mehr akzeptierte.

Bargeld war so schwierig erhältlich, dass es selbst zu einer Ware verkommen war. Auf Märkten wurden Bündel von Banknoten zu einem Vielfachen ihres Preises verkauft. Und umgekehrt galt dasselbe: Wenn man etwas bar bezahlte, kostete es oft weniger als die Hälfte.

Aus Protest gegen Maduros Wirtschaftsreformen haben drei wichtige Oppositionsparteien ab Dienstag zum Streik aufgerufen. Initiatoren sind die Parteien Primero Justicia (PJ) des ehemaligen Präsidentschaftskandidaten Henrique Capriles, Voluntad Popular (Volkswille), deren Vorsitzender Leopoldo López unter Hausarrest steht, und Causa R des früheren Gewerkschaftsführers Andrés Velásquez. Am Dienstag solle ein «erster Tag des Protests und der Arbeitsniederlegung gegen Maduro, die Hyperinflation und den Hunger» stattfinden, hiess es in ihrem Aufruf.

Migrationskrise verschärft sich

Derweilen akzentuiert sich die Migrationskrise aus Venezuela. Nach den gewaltsamen Zusammenstössen zwischen Einheimischen und Venezolanern schickte Brasilien am Montag 120 Soldaten an die Grenze zum Nachbarland. Auch Gesundheitsexperten sollen demnach an die Grenze entsandt werden.

Dutzende aufgebrachte Einwohner hatten am Samstag zwei Lager mit Flüchtlingen aus Venezuela im brasilianischen Grenzort Pacaraima angegriffen und teilweise zerstört. Medienberichten zufolge war zuvor ein brasilianischer Händler beraubt und verprügelt worden. Seine Familie machte dafür venezolanische Flüchtlinge verantwortlich. Der brasilianischen Militärpolizei zufolge wurden drei Brasilianer verletzt. Zu Opfern unter den Venezolanern lagen zunächst keine Angaben vor.

Venezuela steckt infolge von Misswirtschaft, Korruption und dem Ölpreisverfall in einer tiefen Wirtschaftskrise. Die Hyperinflation, Knappheit bei Nahrungsmitteln und Medikamenten sowie Engpässe bei der Strom- und Wasserversorgung machen vielen Venezolanern zu schaffen. Nach brasilianischen Behördenangaben kommen täglich durchschnittlich rund 500 Flüchtlinge aus Venezuela über die Grenze. Nach der Gewalt vom Samstag sei die Zahl am Sonntag aber deutlich niedriger gewesen, hiess es.

mch/afp

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