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«Ein lächerliches Schauspiel»

Barack Obama ärgert sich über die gegenseitigen Schuldvorwürfe der an der Ölkatastrophe beteiligten Konzerne. Unterdessen hat Shell die Bewilligung für Ölbohrungen vor der Küste Alaskas erhalten.

Ist verärgert: Barack Obama an einer Pressekonferenz im Weissen Haus.
Ist verärgert: Barack Obama an einer Pressekonferenz im Weissen Haus.
Keystone

US-Präsident Barack Obama hat die Spitzenmanager der drei Unternehmen, die in den Ölunfall im Golf von Mexiko verstrickt sind, in scharfer Form angegriffen. Er warf ihnen am Freitag sichtlich wütend «ein lächerliches Schauspiel» vor.

Dabei bezog sich Obama auf Schuldzuweisungen der Chefs bei einer Senatsanhörung zur Unglücksursache. Er habe nicht geschätzt, wie die Manager mit dem Finger aufeinander gezeigt hätten, sagte Obama nach einem Treffen mit Vertretern der Behörden, die am Kampf gegen die Ölpest beteiligt sind: «Ich war nicht beeindruckt.»

Im Übrigen, machte Obama klar, gebe es genügend Schuld zu verteilen. Das betreffe auch die Regierung. Viel zu lange habe es ein «behagliches» Verhältnis zwischen den staatlichen Regulatoren und der Ölindustrie gegeben, sagte Obama. Das werde sich ändern.

«Das System hat versagt»

«Es ist ziemlich klar, dass das System versagt hat, und es hat schwer versagt», sagte der Präsident. Bei einer Anhörung im Energieausschuss des Senats am Dienstag hatte der Chef von BP Amerika, Lamar McKay, den Eigner der Ölplattform Transocean attackiert, von dem BP die gesunkene Bohrinsel geleast hatte.

Das in der Schweiz ansässige Unternehmen Transocean sieht die Verantwortung hingegen eindeutig bei BP, immerhin habe der britische Konzern das alleinige Sagen auf der Plattform gehabt, sagte Transocean-Chef Stephen Newman.

Der Ölfeldausrüster Halliburton, der unter anderem mit Zementarbeiten am Bohrloch beschäftigt war, wies ebenfalls jede Verantwortung zurück. Sein Unternehmen habe strikt nach BP- Anweisungen gehandelt, sagte Halliburton-Präsident Tim Probert.

Ein dünnes Rohr

Im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko setzt BP nun seine ganze Hoffnung auf ein dünnes Rohr. Untersee-Roboter sollten das Rohr mit 15 Zentimeter Durchmesser mitsamt Dichtungspfropfen in die sechs Zentimeter dickere, zerstörte Steigleitung setzen, um das hervorsprudelnde Öl in einen Tanker abzupumpen.

Bis Freitagabend (Ortszeit), so hofft der Ölkonzern, sollte feststehen, ob der Versuch mit dem dünnen Rohr von Erfolg gekrönt ist und ein Anfang vom Ende der Ölpest endlich in Sicht ist. Zuvor hatten Experten erfolglos versucht, das Leck mit einer Stahlkuppel abzudichten. Bislang haben bereits über 15 Millionen Liter Öl das Gewässer verpestet. Jeden Tag kommen etwa 800'000 weitere Liter hinzu.

Ausdehnung des Ölteppichs

Der Ölteppich hat sich nach Angaben eines Wissenschaftlers binnen drei Tagen offenbar um 50 Prozent vergrössert. Die Ausdehnung der schmierigen Masse auf dem Meer habe zwischen Montag und Donnerstagabend um die Hälfte zugenommen, sagte Hans Graber von der Universität Miami.

Ein US-Gericht machte unterdessen den Weg frei für Ölbohrungen des Shell-Konzerns vor der Küste Alaskas. Das Berufungsgericht in Anchorage wies am Donnerstag Klagen von Umweltschützern und Ureinwohnern gegen die für den Sommer geplanten Probebohrungen ab. Die Kläger hatten der US-Regierung vorgeworfen, bei der Genehmigung des Projekts das Risiko eines Unfalls wie derzeit im Golf von Mexiko nicht ausreichend berücksichtigt zu haben. Zudem gefährdeten die geplanten Bohrungen bedrohte Tierarten wie den Grönlandwal.

Shell verteidigt sich

Ein Vertreter von Shell erklärte, die Zurückweisung der Klage belege, dass das Unternehmen belastbare Pläne für die Bohrungen vorgelegt habe. Die Ölpest im Golf von Mexiko wurde durch eine Explosion auf einer vom britischen Konzern BP genutzten Bohrinsel verursacht.

ddp/jak

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