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Gier und Neid bei «Los 33»

Unter Tage schlossen die chilenischen Kumpel einen Pakt. Kaum an der Oberfläche, ist dieser nichts mehr wert. Aber nicht alle Bergleute jagen dem Geld hinterher.

Der Showman unter den Bergleuten will an das grosse Geld: Mario Sepúlveda nach seiner Rettung.
Der Showman unter den Bergleuten will an das grosse Geld: Mario Sepúlveda nach seiner Rettung.
Keystone
Posieren in Bademänteln und Anzug: die geretteten Kumpel mitdem chilenischen Präsidenten Sebastián Piñera (mit Krawatte).
Posieren in Bademänteln und Anzug: die geretteten Kumpel mitdem chilenischen Präsidenten Sebastián Piñera (mit Krawatte).
Reuters
Mit Sonnenbrille gegen das grelle Licht: Juan Illanes.
Mit Sonnenbrille gegen das grelle Licht: Juan Illanes.
Keystone
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69 Tage lang waren sie eine Einheit. Die 33 Kumpel aus Chile, die letzte Woche aus ihrem Bergkäfig befreit wurden. Die Medienaufmerksamkeit zu diesem Ereignis war gross und sie wird auch in den kommenden Wochen und Monaten nicht abreissen. Ein Buch über das Minendrama oder eine Reality-Soap sind bereits in Planung.

Wie stark das Unglück künftig in den Medien präsent sein wird, hängt zu einem grossen Teil von der Auskunftsfreude der Mineure ab. Nur sie wissen im Detail, was in den 69 Tagen unter der Erde geschah. Juan Illanes, einer der verschüteten Bergleute bestätigte gegenüber den Medien Gerüchte, dass die Kumpel in der Tiefe «einen Schweigepakt» geschlossen haben.

25'ooo Dollar für ein Interview

17 Tage nach der Rettung scheint dieser bereits durchbrochen. Weltweit veröffentlichten Medien schon Interviews mit Bergleuten. Für die plötzliche Auskunftsfreude der Bergleute gibt es vor allem einen Grund: Geld. Die US-amerikanische Zeitung «The Independent» berichtet, dass der Marktwert eines Interviews bis 25'000 Dollar beträgt.

Die Verhandlungsbereitschaft bei vielen Geretteten ist gross. Als besonders mitteilsam erwies sich in den letzten Tagen Mario Sepulveda. Der 40-Jährige fiel nach seiner Rettung durch extrovertiertes Verhalten auf. Gemäss der österreichischen Zeitung «Der Standard» sollen sich hunderte Medien um den Strahlemann reissen. Sepulveda scheint bereit, auch die letzten Details aus dem Verschütteten-Alltag zu enthüllen: «Wir waren in der Hölle gefangen. Jetzt fühle ich mich wie neugeboren und ich möchte der Welt erzählen, was da unten geschah», sagte er gegenüber einem chilenischen TV-Sender.

Nach einem Interview mit «Mail on Sunday» sprach Sepulveda von der «Güte und Grosszügigkeit», mit der die Zeitung seine Familie behandelt hätte. Offiziell ist bekannt, dass viele Familien der Bergleute mit Reisen nach Europa und Tickets für prominente Fussballspiele beschenkt worden sind. Jeder der Mineure soll inzwischen ein Entschädigungsbetrag von 5000 Pesos, rund 10'000 Franken, erhalten haben.

«Wir sind arm»

In den Medien erhalten nicht alle Mineure die gleiche Aufmerksamkeit. Dieser Umstand führt offenbar zu Neid. Carlos Mamani, der einzige Ausländer unter den chilenischen Bergleuten, konnte seine Rettung gemäss eigener Aussage noch nicht in Geld ummünzen: «Wir sind arm, weshalb erhalten wir nicht die Gelegenheit, Geld zu machen, damit wir unsere Kinder ernähren können?», beklagte sich die Frau des Bolivianers gegenüber der «New York Times».

Auch andere Mineure zeigen sich unzufrieden über die Ausbeute ihrer Leidensgeschichte: Gemäss «Independent» soll die japanische Zeitung «Asahi Shimbun» Florencio Avalos 500 Dollar für ein Interview bezahlt haben. Zu wenig für den Bergarbeiter. Entsprechend verschlossen soll er sich im Gespräch gezeigt haben: «Er geizte mit Informationen», sagte der japanische Journalist nach dem Gespräch enttäuscht.

Öffentliche Forderung nach Geld

Dabei ist Avalos mit seinem Zustupf vergleichweise nicht schlecht weggekommen: Wie der «Independent» schreibt, sollen einzelne Mineure ledigleich eine Flasche argentinischen Alkohols für Auskünfte gegenüber den Medien bekommen haben. Die Frau von Sepulveda macht deshalb ihre Forderung nun öffentlich: «Mein Mann wird sicher keine Gratisinterviews geben», sagte sie gegenüber chilenischen Reportern. Nach den versprochenen Gratisreisen wolle sie nun konkrete Geldangebote.

Aber nicht alle Mineure scheinen hinter dem Geld her. Der 56-Jährige Omar Reygadas erteilte den Medien jüngst eine deutliche Abfuhr: «Ich hatte schreckliche Albträume da unten. Doch der schlimmste Albtraum, das seid ihr. »

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