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«Holy Moly! Nordkorea schiesst eine Rakete in Richtung Japan»

Nordkoreas Raketentest hat Trump und Japans Premier Abe bei einem Dinner inmitten der Gäste erwischt. Für die Krisensitzung zogen sie sich nicht zurück – und wurden gar fotografiert.

«Die USA unterstützen Japan 100 Prozent»: Trump an einer Pressekonferenz nach der Besprechung am Esstisch. (11. Februar 2017)
«Die USA unterstützen Japan 100 Prozent»: Trump an einer Pressekonferenz nach der Besprechung am Esstisch. (11. Februar 2017)
Nicholas Kamm, AFP
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Im Internet aufgetauchte Bilder von US-Präsident Donald Trump und dem japanischen Regierungschef Shinzo Abe werfen Fragen zum Umgang der neuen US-Regierung mit sensiblen Informationen auf. Die Bilder zeigen, wie die zwei Politiker nach dem jüngsten nordkoreanischen Raketentest gerade mit Beratern zusammensitzen. Die Runde wurde bei einem Abendessen mit geladenen Gästen in Trumps Mar-a-Lago-Club in Palm Beach abgelichtet und kümmerte sich offenbar nicht darum, die geheimen Gespräche hinter verschlossene Türen zu verlegen.

Ein Clubmitglied, Richard DeAgazio, hat die Situation fotografiert und enthusiastisch auf Facebook kommentiert. Auf den Bildern ist zu sehen, wie Trump und Abe mit Beratern die Köpfe zusammenstecken und wie der US-Präsident Telefonate entgegennimmt. DeAgazio äusserte sich erfreut darüber, «im Zentrum des Geschehens» zu sein, und schreibt dazu: «Heiliger Strohsack!!! Es war faszinierend, die Aufregung am Dinner zu sehen, als bekannt wurde, dass Nordkorea eine Rakete in Richtung Japan abgefeuert hat.»

Gäste und ungesicherte Handys

Später sagte DeAgazio der «Washington Post», er sei schwer beeindruckt gewesen, dass Trump sich nicht zurückgezogen habe, als er vom Raketentest erfahren habe. «Er hat entschieden mit den Clubmitgliedern auf der Terrasse zu bleiben», erklärt DeAgazio. «Das zeigt einfach, dass er ein Mann des Volkes ist.»

Nach dem Vorfall haben sich verschiedene Mitarbeiter der Regierung Barack Obamas zu Wort gemeldet, um festzuhalten, dass solche Situationen unter Obama jeweils viel diskreter behandelt wurden. «Wenn wir unterwegs waren», erklärte etwa der ehemalige Fotograf des Weissen Hauses auf Instagram, «dann wurde für Gespräche zur nationalen Sicherheit oder Telefonate mit Staatschefs jeweils vor Ort ein privater, sicherer Raum eingerichtet.» Alle Mitarbeiter mit Zugang zu diesem Raum hätten zusätzlich ihre Blackberrys draussen lassen müssen.

Vergleichsweise locker wird der Umgang mit Handys in der neuen Regierung gehandhabt: Auf den nun aufgetauchten Bildern ist zu sehen, wie Mitarbeiter der Trump-Regierung auf der düsteren Terrasse der Clubs die Taschenlampen ihrer Smartphones brauchen, um die sensiblen Dokumente über den Vorfall lesen zu können. Das Problem hierbei ist, dass die Handys und speziell die Kameras gehackt werden könnten. «Ausländischen Spionen muss es langweilig werden, Trump macht ihnen ihre Arbeit so einfach», titelt etwa «The Intercept» seine Geschichte zum Vorfall.

Nordkorea testete am Sonntagmorgen (Ortszeit) eine ballistische Rakete. Zu diesem Zeitpunkt hielt sich Trump mit Abe in Florida auf, beide gaben nach dem Vorfall dort ein kurzes Pressestatement ab. Das Weisse Haus erklärte zu den aufgetauchten Bildern, Trump sei sehr wohl wie üblich in einem geheimen Raum unterrichtet worden, an dem Tisch seien dann keine geheimen Informationen ausgetauscht worden.

Die Fraktionschefin der Demokraten im Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, kritisierte Trumps Verhalten. Es gebe «keine Entschuldigung dafür, eine internationale Krise» vor einer Reihe von Clubmitgliedern zu besprechen, erklärte sie. Trump hatte im Wahlkampf seine frühere Widersacherin Hillary Clinton immer wieder wegen der Nutzung privater Server für ihre dienstliche Kommunikation angegriffen.

AFP/mch

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