Kassig wurde in einem «Akt des Bösen» getötet

US-Präsident Barack Obama bestätigte die Authentizität des jüngsten IS-Videos über die US-Geisel Peter Kassig. Die Eltern des zum Islam konvertierten Mannes sind «zutiefst bestürzt».

Obama würdigt sein «selbstloses Handeln»: Peter Kassig im Einsatz als Entwicklungshelfer. (Archivbild)

Obama würdigt sein «selbstloses Handeln»: Peter Kassig im Einsatz als Entwicklungshelfer. (Archivbild)

(Bild: Keystone)

US-Präsident Barack Obama hat die Echtheit des von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verbreiteten Videos zum Tod des US-Entwicklungshelfers Peter Kassig bestätigt. Kassig sei in einem «Akt des Bösen» getötet worden, erklärte Obama am Sonntag an Bord der Präsidentenmaschine auf dem Weg in die USA.

Das Leben und das Handeln des US-Entwicklungshelfers stünden im völligen Kontrast zu dem, was der Islamische Staat repräsentiere, erklärte Obama. Er würdigte Kassigs «selbstloses» Handeln.

«Es bricht uns das Herz»

Der IS hatte am Sonntag im Internet ein Video veröffentlicht, in dem ein maskierter Mann zu sehen ist, der behauptet, den früheren US-Soldaten Kassig ermordet zu haben. Neben ihm ist ein abgeschlagener Kopf zu sehen, ausserdem zeigt der Film die Enthauptung von 18 syrischen Soldaten.

Kassigs Eltern zeigten sich zutiefst bestürzt und würdigten die Arbeit ihres Sohnes. «Es bricht uns das Herz, zu erfahren, dass unser Sohn Abdul-Rahman Peter Kassig sein Leben für die Liebe zum syrischen Volk und seinen Wunsch, sein Leiden zu lindern, verloren hat», erklärten Ed und Paula Kassig im Internetdienst Twitter.

Grosse Bestürzung

Schon die Androhung vom 3. Oktober, Kassig zu töten, hatte unter Verwandten und Freunden grosse Bestürzung ausgelöst. Ein Jahr lang hatten sie zu der Entführung geschwiegen – wohl auf ein gutes Ende hoffend. Dieses sollte es wohl nicht geben, dabei konvertierte der Entwicklungshelfer nach Angaben von Freunden während der Gefangenschaft zum Islam und nahm den Namen Abdul-Rahman an.

Zum Militärdienst hatte sich der engagierte junge Mann aus dem US-Staat Indiana 2004 gemeldet, von April bis Juli 2007 diente er in einer Spezialeinheit der US-Armee im Irak. Aus gesundheitlichen Gründen schied Kassig dann aus und begann einen neuen Lebensabschnitt, gewidmet den Menschen in grösster Not.

Kassig versorgte über seine Organisation Special Emergency Response and Assistance syrische Bürgerkriegsflüchtlinge mit Essen und medizinischem Material. Auch stellte er eine Betreuung auf die Beine für verletzte syrischen Zivilisten, die an einem Trauma litten.

«Ich will zeigen, dass wir uns um sie kümmern»

In einem Anfang 2013 veröffentlichten Interview mit dem Magazin «Time» sagte er, er reise oft durch den Libanon und prüfe, woran es den Menschen fehle. Seine Organisation Sera ergänze die Arbeit der grossen Hilfsorganisationen. «Es geht darum, den Menschen zu zeigen, dass wir uns um sie kümmern, das jemand nach denjenigen schaut, die übersehen werden könnten oder einfach durch das System, warum auch immer, durchgerutscht sind», sagte er der Zeitschrift.

Seine Freunde und die Familie berichteten, er sei sich der Risiken bewusst gewesen, die seine Arbeit in der Region mit sich brachte. Kassig habe aber einfach den inneren Ruf verspürt, dort zu helfen. Joe Dages, ein Freund aus Louisville im US-Staat Kentucky, sagte der Nachrichtenagentur AP kürzlich, Kassig sei dieser Arbeit leidenschaftlich nachgegangen. «Er fühlte, dass er Tag und Nacht da sein und helfen musste, weil immerzu Menschen starben», berichtete Dages, der Kassig zuletzt im März 2013 getroffen hatte. «Er dachte, wenn er selbst etwas mehr von sich gibt, könnten ein paar mehr Leben gerettet werden».

Syrischer Freund hofft auf Asyl in der Schweiz

Burhan Agha, ein 26-jähriger syrischer Freund, der mit Kassig in der libanesischen Stadt Tripoli zusammengearbeitet hatte und mittlerweile in der Schweiz auf Asyl hofft, brach in Tränen aus, als er am Sonntag der AP von der Grosszügigkeit des mutmasslich Ermordeten erzählte.

«Wenn ich mich bei jedem Amerikaner einzeln entschuldigen könnte, würde ich dies tun, denn Peter starb in Syrien, während er syrischen Menschen half», sagte Agha am Telefon. «Diejenigen, die ihn getötet haben, beanspruchen für sich, dies im Namen des Islam zu tun. Ich bin ein Muslim aus Syrien. Seine Mörder sind keine Muslime.»

Kassigs Eltern hatten in den Monaten nach seiner Entführung in Interwiews daheim in Indiana und im Libanon oft genug um sein Leben gefleht. Sie verwiesen auf seine humanitäre Arbeit und auf seinen Übertritt zum Islam. Seine Mutter versuchte zudem, über Twitter in direkten Kontakt mit den Entführern treten zu können. Mehrfach sagten die Eltern, sie könnten die Bedingungen der Kidnapper nicht erfüllen – um welche es sich handelt, liessen sie stets offen.

chk/sda

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