Maduro lässt Bürgermeister von Caracas von Panzern abholen

Der Staatschef von Venezuela, Nicolás Maduro, wirft dem führenden Oppositionellen Antonio Ledezma einen Putsch-Versuch vor. Er soll während der Verhaftung geschlagen worden sein.

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Wegen angeblicher Putschpläne ist in Venezuela einer der prominentesten Gegner von Staatschef Nicolás Maduro, der Bürgermeister der Hauptstadt Caracas, festgenommen worden. Antonio Ledezma habe vorgehabt, die Regierung zu stürzen, erklärte Maduro am Donnerstag. Ledezma sei festgenommen worden und müsse sich vor der Justiz verantworten. Laut der Ehefrau des Bürgermeisters erfolgte die Festnahme durch Geheimagenten, die mit Panzern vor dem Büro des Bürgermeisters anrückten.

«Herr Ledezma, der heute auf Anordnung der Staatsanwaltschaft festgenommen wurde, muss von der venezolanischen Justiz angeklagt werden, um für alle Verbrechen gegen den Frieden, die Sicherheit und die Verfassung des Landes geradezustehen», sagte Maduro in einer Radio- und Fernsehansprache.

(Video: Youtube/teleSUR tv)

«Sie haben Antonio Ledezma geschlagen»

Unmittelbar vor der Festnahme hatte Ledezma am Donnerstagnachmittag selbst im Kurzbotschaftendienst Twitter mitgeteilt, dass Polizisten auf dem Weg zu ihm seien, um ihn festzunehmen. Danach berichtete seine Ehefrau Mitzy Capriles auf Ledezmas Twitter-Seite, dass Beamte den 59-Jährigen mitgenommen hätten. «Sie haben Antonio Ledezma geschlagen», fügte sie im Sender Radio Union hinzu. «Sie haben alles, was sie auf ihrem Weg fanden, zerstört, sie haben ihm keine Zeit gegeben zu sprechen, sie haben ihm keine Zeit gegeben irgendjemanden zu informieren.»

Laut Capriles wurde die Festnahme von «dutzenden» Agenten des Geheimdienstes (Sebin) vorgenommen, die auf «zehn Panzern» vor seinem Büro angerückt seien. Die Agenten schossen in die Luft, um eine Menge, die in der Nähe protestierte, auseinanderzutreiben. Auch Ramón Muchacho, Bürgermeister des wohlhabenden Hauptstadtbezirks Chacao, berichtete auf Twitter von der Festnahme. Er erklärte seine «Solidarität» mit Ledezma «angesichts dieser unerwarteten Festnahme».

Vor dem Sitz des Geheimdienstes versammelten sich am Donnerstagabend Unterstützer des Bürgermeisters, darunter der Oppositionsführer und Gouverneur des Bundesstaates Miranda, Henrique Capriles Radonski. Ihnen standen Polizisten mit Schutzausrüstung gegenüber.

Führender Oppositioneller

Ledezma ist einer der führenden Oppositionellen in Venezuela. Maduro nennt Ledezma «den Vampir» und wirft ihm vor, massgeblich hinter den regierungskritischen Protesten vom vergangenen Jahr zu stecken. Im vergangenen Jahr hatte es in dem lateinamerikanischen Land wochenlange Proteste von Oppositionellen gegeben, bei denen es immer wieder zu schweren Zusammenstössen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften kam. Insgesamt wurden 43 Menschen getötet.

Vor rund einer Woche gab es zum Jahrestag des Beginns der Proteste erneut Ausschreitungen. Maduro erklärte dann, es habe einen Putschversuch gegen die Regierung gegeben. Mehrere Mitglieder der Luftwaffe seien festgenommen worden.

Am Mittwoch versammelten sich in Caracas 300 Menschen, um die Freilassung des seit einem Jahr inhaftierten Oppositionsführers Leonardo López zu fordern. Die Behörden hatten ihn am 18. Februar 2014 festgenommen, sie werfen ihm die Anstachelung zu den Massenprotesten vor.

Maduro sieht sich Kritik ausgesetzt

Maduro, der nach dem Tod des langjährigen Staatschefs Hugo Chávez im Frühjahr 2013 ins Amt kam, sieht sich angesichts der anhaltender Wirtschaftskrise in dem ölreichen Land zunehmender Kritik ausgesetzt. Ledezma wurde 2009 zum Bürgermeister von Caracas gewählt und 2013 wiedergewählt. Die Regierung Maduro hat die Kompetenzen des Hauptstadtbürgermeisters beschnitten.

Der autoritär regierende Linkspopulist Chávez hatte Venezuela während seiner 14-jährigen Amtszeit zu einem sozialistischen Staat umgebaut. Während die arme Bevölkerung ihn für seine Sozialprogramme lobte, warf die konservative Opposition ihm die Ruinierung der Wirtschaft vor. Chávez hatte Maduro selbst zu seinem Nachfolger aufgebaut.

chk/AFP

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