Mitten in der Nacht ins Kinder-Camp in der Wüste verfrachtet

Die US-Behörden platzieren unbegleitete, minderjährige Migranten um, ohne Ankündigung. Jede Woche kommen Hunderte Personen an.

Aufenthaltsort für unbestimmte Zeit: Das Zeltlager für jugendliche Migranten in Tornillo (Texas).

Aufenthaltsort für unbestimmte Zeit: Das Zeltlager für jugendliche Migranten in Tornillo (Texas).

(Bild: Reuters)

Der Umgang der US-Regierung mit Migrantenkindern hat in den vergangenen Monaten für viel Aufsehen gesorgt. Nach heftigen Protesten hob Präsident Donald Trump die Trennung von Einwandererfamilien wieder auf. Letzten Monat kündigte die Trump-Administration aber neue Massnahmen gegen illegal anwesende Migrantenkinder an. Diese sollen künftig, gemeinsam mit ihren Eltern, länger als 20 Tage in Gewahrsam genommen werden können. Am besten so lange, bis ihr Verfahren abgeschlossen ist.

Eine härtere Gangart gilt nun auch für jene Kinder und Jugendliche, die als «unbegleitete Minderjährige» in die USA gekommen sind. Gemäss einem Bericht der «New York Times» haben die US-Behörden in den letzten Wochen mehr als 1600 Migrantenkinder in ein Zeltlager in der texanischen Wüste gebracht. Die Einrichtung befindet sich in Tornillo, unmittelbar an der mexikanischen Grenze. Die Aufnahmekapazitäten des Lagers sollen auf 4000 Plätze erhöht werden. Jede Woche kommen Hunderte Personen an.

Die Migrantenkinder im südtexanischen Zeltlager waren bisher in staatlichen Schutzeinrichtungen in anderen Teilen der USA einquartiert. Mit dem Umzug haben sich ihre Lebensbedingungen verschlechtert. Am neuen Aufenthaltsort steht kein Schulangebot zur Verfügung, zudem ist der Zugang zu Rechtsberatern eingeschränkt. Diese Jugendlichen versuchen, über die Gerichte ein Bleiberecht zu erkämpfen.

Wegtransport mitten in der Nacht

Gemäss «New York Times» wurden die Migrantenkinder in nächtlichen Aktionen ins Zeltlager gebracht. Sie waren von den Behörden mitten in der Nacht aufgeweckt und umgehend in Busse verfrachtet worden, damit sie nicht fliehen und untertauchen konnten. Die Schutzeinrichtungen für «unbegleitete Minderjährige» sind überbelegt.

Zurzeit werden in den USA mehr als 13'000 illegal anwesende Kinder und Jugendliche in Gewahrsam gehalten, also fünfmal mehr als noch vor einem Jahr. Der Hauptgrund dafür ist, dass deutlich weniger Migrantenkinder von Privaten, unter anderem erwachsene Verwandte, aufgenommen werden. Denn Familienangehörige, die dafür infrage kommen würden, halten sich in vielen Fällen selber illegal in den USA auf.

Fast alle Migrantenkinder, die sich im Zeltlager in Tornillo aufhalten, kommen aus zentralamerikanischen Ländern, etwa die Hälfte davon stammt aus Guatemala. Die meisten Lagerinsassen sind zwischen 13 und 17 Jahre alt.

vin

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