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Neue Angst am Golf von Mexiko

Mit dem zumindest vorläufigen Verschluss des Öllecks im Golf von Mexiko tritt auch die Berichterstattung in eine neue Phase. Die Menschen am Golf befürchten die Folgen.

Am 2. Mai kommt US-Präsident Barack Obama in die Unglücksregion, um sich selber ein Bild zu machen.
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Reuters
Shrimpboat-Kapitäne versuchen verzweifelt, den Schaden für ihre Fanggründe einzudämmen.
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Reuters
18. Februar 2011: BP kritisiert den Verwalter des Entschädigungsfonds Kenneth Feinberg. Die künftigen Schadenersatzforderungen seien zu hoch angesetzt.
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Keystone
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Bisher dominierten die Arbeiten auf dem Meeresgrund und die Auswirkungen des Öls auf die Umwelt die amerikanischen Nachrichtensendungen. Gern wurde auf Bilder aus der Tiefe zurückgegriffen, die zeigten, wie das Öl ins Meer sprudelte. Doch die Bewohner der Region sorgen sich: Was passiert, wenn die Kameras abziehen und andere Nachrichten aus dem In- und Ausland die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf sich ziehen?

«Die Menschen hier haben das Gefühl, dass sie oft vergessen werden», sagte der CNN-Nachrichtenmoderator Anderson Cooper. «Ich weiss, dass das derzeit eine grosse Sorge hier ist.» Seine Kollegen Katie Couric von CBS, Diane Sawyer von ABC und Brian Williams von NBC reisten in den vergangenen Wochen immer wieder in die Region, um live von dort zu berichten. Cooper moderiert seine Sendung sogar seit acht Wochen von dort.

Auch die Säuberungsarbeiten sind eine Berichterstattung wert

Die Sender sind sich nach eigener Aussagen wohl bewusst, dass die Geschichte noch nicht zu Ende erzählt ist, nur weil sich die Bilder ändern. Wenn das Öl endgültig gestoppt sei, «dann verwandelt es sich in eine Geschichte über die gewaltigen Säuberungsarbeiten, wie wir sie noch nie gesehen haben», sagte NBC-Präsident Steve Capus. «Ich glaube, das ist immer noch eine Berichterstattung wert.» Sein CBS-Kollege Paul Friedman stimmt zu.

Aber seine beiden Korrespondenten, die in den vergangenen Monaten gemeinsam aus der Region berichteten, werden künftig abwechselnd vor Ort sein. «Ich glaube, wir werden gelegentlich zu der Geschichte zurückkehren und sehen, wie die Säuberungsarbeiten vorangehen und was die Auswirkungen auf die Menschen sind», sagt Friedman. «Aber das wird gelegentlich der Fall sein, nicht jeden Tag.»

Kritik an Ausmass der Berichterstattung

Für den Berater Andrew Tyndall kann das nicht schnell genug gehen. Er verärgerte kürzlich viele Nachrichtenjournalisten, als er auf seiner Website über die Berichterstattung zur Ölpest schrieb: «Es reicht!». Die Auswirkungen für die Umwelt und die Menschen in der Region seien schrecklich, erklärte er. Aber er bezeichnete es als Beleidigung für die Opfer des Hurrikans «Katrina», dass die Fernsehnachrichten beiden Katastrophen gleich viel Zeit widmeten. Tyndall, der mit seinem Unternehmen TMI den Inhalt von Nachrichtensendungen auswertet, ist der Ansicht, dass inzwischen die lokalen Auswirkungen der Ölpest die Berichterstattung dominieren. Er kritisiert, dass dabei grössere Zusammenhänge wie die Bedeutung der Katastrophe für die zukünftige US-Energiepolitik zu kurz kämen.

Die Nachrichtensender halten die Kritik für überzogen. «Bei allem Respekt stimme ich nicht mit seiner Schlussfolgerung überein, dass wir aufhören sollten», sagt Capus von NBC. Milliarden Dollar für Säuberungsarbeiten, der Präsident und eines der grössten Unternehmen der Welt ist beteiligt, «das nenne ich nicht eine lokale Geschichte», erklärte Jon Banner, ausführender Produzent der «World News» von ABC. Die Fischer in der Region verdienten die Aufmerksamkeit, weil ihre Lebensgrundlage, die sie auch an ihre Kinder hätten weitergeben wollen, infrage gestellt sei. «Das passiert nicht jeden Tag in Amerika. Darum sollte ihre Geschichte erzählt werden.» Tyndall hält jedoch an seiner Meinung fest. «Ich habe nicht gesagt, dass nicht berichtet werden soll», erklärt er. «Ich habe nur gesagt, es wurde zu viel berichtet.»

Protest gegen Beschränkung der Medien

CNN-Moderator Cooper und sein Sender wollen kurzfristig entscheiden, wann er mit seiner Sendung aus dem Golf zurückkehrt. Cooper hatte BP und die US-Regierung wegen der Säuberungsarbeiten immer wieder unter Druck gesetzt. Er protestierte auch gegen die Versuche der Küstenwache, den Zugang der Medien zu den Arbeiten entlang der Küste zu begrenzen. In einem Kommentar betonte er immer wieder: «Wir sind nicht der Feind.» Mit seiner Hilfe gelang es den Medien schliesslich, die Regierung davon zu überzeugen, die Idee fallenzulassen.

Die Aufmerksamkeit der Medien ist für den Fortgang der Arbeiten in der Golfregion von grosser Bedeutung, wie Cooper erklärt. «Die Menschen hier wissen das und haben Angst, dass die Medien ihre Kameras einpacken und weiterziehen», sagt Cooper. «Das Fernsehen ist nicht sehr gut darin, an einer Geschichte dranzubleiben.»

David Bauer/dapd/mt

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