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Polizei räumt Protestcamp in Denver

Dem Protest der US-Bewegung Occupy Wall Street wollen sich heute Gruppen in aller Welt anschliessen. Zuvor nahm die Polizei in Denver und New York zahlreiche Aktivisten fest.

Keine Führer, keine Sprecher, und dennoch geht eine Bewegung um die Welt: Ein Teilnehmer von Occupy Auckland in Neuseeland (16. Oktober 2011)
Keine Führer, keine Sprecher, und dennoch geht eine Bewegung um die Welt: Ein Teilnehmer von Occupy Auckland in Neuseeland (16. Oktober 2011)
Keystone
Besetzt: Demonstranten auf dem Times Square. (15. Oktober 2011)
Besetzt: Demonstranten auf dem Times Square. (15. Oktober 2011)
Keystone
«Der Kapitalismus funktioniert nicht», steht auf diesem Plakat. Die Demonstranten haben angekündigt, die Wallstreet für Monate besetzen zu wollen. (28. September 2011)
«Der Kapitalismus funktioniert nicht», steht auf diesem Plakat. Die Demonstranten haben angekündigt, die Wallstreet für Monate besetzen zu wollen. (28. September 2011)
Reuters
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In den USA sind kurz vor dem weltweit geplanten Protesttag gegen die Macht der Finanzmärkte rund 50 Demonstranten festgenommen worden. In Denver räumten am Freitag mehr als 130 Polizisten ein Protestcamp und nahmen 23 Beteiligte fest. In New York unterblieb zwar die angedrohte Räumung des Zuccotti-Parks, bei Zusammenstössen mit der Polizei wurden aber 14 Menschen festgenommen, weitere Festnahmen gab es in Seattle und Washington.

Für die Räumung des Zeltlagers in einem Park vor dem Denver Capitol Building hatten die Behörden eine Frist bis Donnerstag gesetzt. Die Veranstalter riefen nach der Räumung dazu auf, schon am Samstag die Proteste gegen die Macht der Börsen und die «gesellschaftliche Gier» fortzusetzen. «Der Widerstand muss weitergehen», forderten sie.

Zusammenstösse mit Polizisten

In New York feierten die Demonstranten zunächst, dass der Antrag auf Räumung und Säuberung des Zuccotti-Parks zurückgezogen wurde. Als Gruppen von Demonstranten später zur nahe gelegenen Wall Street zogen, gab es Zusammenstösse mit Polizisten. Einige Demonstranten wurden in Handschellen abgeführt. Auch in New York erklärten die Veranstalter, ihren Protest am Samstagnachmittag mit einer Demonstration auf dem Times Square fortsetzen zu wollen.

Der seit Mitte September andauernde Protest richtet sich gegen die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise auf die Mittelschicht und die ärmere Bevölkerung. Die Teilnehmer beschreiben sich als die «99 Prozent» - in Anspielung auf das reichste Prozent der US-Bevölkerung, von dem sie sich hintergangen fühlen.

Proteste in über 80 Ländern angekündigt

Von New York aus schwappte der Protest nicht nur auf zahlreiche US-Städte, sondern auch auf rund 80 Länder weltweit über. Für Samstag sind nach Angaben der Internetseite 15october.net Demonstrationen und Protestaktionen in mehr als 700 Städten weltweit geplant.

In Zürich soll eine Kundgebung auf dem Paradeplatz stattfinden. In Grossbritannien kündigten Aktivisten an, die Londoner Stock Exchange besetzen zu wollen. Auch die italienische Hauptstadt Rom wappnet sich für massive Proteste. Vor der Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main rechnen die Veranstalter mit mehreren Tausend Teilnehmern. In Berlin wollen die Aktivisten vom Roten Rathaus zum Kanzleramt marschieren.

«Beginn einer neuen Demokratiebewegung»

Der deutsche Linken-Chef Klaus Ernst bezeichnete die geplanten Proteste als «Aufstand der Anständigen». «Wir erleben den Beginn einer neuen Demokratiebewegung», sagte er den Zeitungen der «WAZ»-Gruppe vom Samstag. Solange keine Massnahmen zur Zähmung der Finanzmärkte ergriffen würden, würden die Proteste weiter anwachsen.

Der Soziologe und Elitenforscher Michael Hartmann sagte dem deutschen «Tagesspiegel» , gemessen an der Vermögensverteilung in beiden Ländern gebe es «in Deutschland ebenso viel Grund zu Protest wie in den USA». Er äusserte sich indes skeptisch, ob der Protest Folgen haben werde. «Beeindrucken lassen wird sich die Elite nur durch sehr massiven politischen Druck, den ich aber zurzeit weder bei uns noch in den USA sehe», sagte er.

AFP/jak

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