Trump kann sich inzwischen sogar Hochverrat leisten

US-Korrespondent Thomas J. Spang über die Konsequenzen der Russland-Affäre.

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Während des Wahlkampfs prahlte Trump mit der Nibelungentreue seiner Fans. Er könne mitten auf der Fifth Avenue in Manhattan jemanden erschiessen, ohne nur einen Unterstützer zu verlieren. Bedauerlicherweise dürfte der 45. Präsident der Vereinigten Staaten damit recht behalten. Die Leiche auf dem Asphalt täten seine Anhänger als Fake-News ab.

Deshalb lässt das Verschwörertreffen mit den Russen eine Etage unterhalb des Büros Trumps in der 26. Etage seines Towers in Manhattan politisch weit weniger Konsequenzen erwarten, als seine Gegner erhoffen. Der Präsident kann den mutmasslichen Verrat seines Sohnes, Schwiegersohnes und Wahlkampfmanagers am 9. Juni politisch ungestraft als «Oppositionsauskundschaftung» verharmlosen.

Ein Euphemismus angesichts der vorab angekündigten Teilnehmer des halbstündigen Treffens, zu dem der Mittelsmann, eine Kremlanwältin, ein früherer Sowjetspion, ein Mitglied der befreundeten Oligarchenfamilie Agalarow und ein Übersetzer erschienen. Kein Geheimnis war für Donald Trump Jr., Jared Kushner und Paul Manaford auch, was die Emissäre wollten. Vermittler Rob Goldstone hatte es explizit in seinen E-Mails wissen lassen. «Schmutz» über Hillary Clinton weitergeben, der dem Kandidaten helfen könnte, und «Teil der Hilfe Russlands und seiner Regierung für Herrn Trump» sei.

Da Junior die E-Mails mit der verschwörerischen Intention selber veröffentlichte, sind sie das Äquivalent eines «rauchenden Colts» im Digitalzeitalter. Trotzdem hat der Präsident erst einmal wenig zu befürchten. Muellers strafrechtliche Ermittlungen in der Russland-Affäre dürften sich noch Monate hinziehen. Erwartet wird, dass der Sonderermittler seine Erkenntnisse irgendwann an den Kongress übermittelt.

Und genau dort residiert das Problem. Die Republikaner kontrollieren das Repräsentantenhaus mit einer 40-Stimmen-Mehrheit. Im Senat könnten sie ihren knappen Vorsprung bei den Kongresswahlen 2018 sogar ausbauen. An dieser Stelle kommt die Illusion der Trump-Gegner ins Spiel. Diese trauten dem politischen Horrorclown nicht einmal zu, von den Republikanern nominiert zu werden. Sie nahmen ihn als Herausforderer Clintons nicht ernst und schwelgten nach seiner Wahl in Fantasien über eine baldige Amtsenthebung.

Sorry, aber dazu wird es leider so schnell nicht kommen. Ob Mord auf der Fifth Avenue oder Hochverrat, Trump kann es sich leisten. Während er bei den Amerikanern insgesamt auf Zustimmungswerte um die 40-Prozent-Marke absackte, bleibt er bei neun von zehn Konservativen populär wie je.

Die Trumpers haben sich längst in der vom Weissen Haus erschaffenen schönen neuen Welt «alternativer Fakten» eingerichtet. Solange sich das nicht ändert, wird kein Kongressabgeordneter riskieren, ein Amtsenthebungsverfahren zu unterstützen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.07.2017, 21:50 Uhr

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