Trump: USA müssen Fanatismus und Rassismus verdammen

Einen Tag nach den beiden Massenmorden in Ohio und Texas ruft der US-Präsident dazu auf, alles zu tun, um weitere Gewalt zu verhindern. An schärfere Waffengesetze denkt er dabei nicht.

Fordert Todesstrafe für Hassverbrechen und Massenmord: Donald Trump im Weissen Haus. Video: Tamedia

Etwas verspätet, um 16.08 Uhr mitteleuropäischer Zeit, beginnt Donald Trump sein Statement im Weissen Haus. Seine Stimme wirkt brüchig, der US-Präsident starrt auf den Teleprompter und liest seine Rede flüssig und konzentriert ab.

Der Anlass ist denkbar ernst: Zwei Massaker hat es gegeben am Vortag, 20 Tote in El Paso, neun Tote in Dayton. Seitdem haben sich Entsetzen und Wut der Amerikaner abgewechselt, ventiliert über die Sozialen Medien. Es ging um Hass und um Waffen, um Rassismus und seine dominierende Variante, die white Supremacy, die angebliche Vorherrschaft der Menschen mit heller Haut über Andersaussehende. Im Zentrum der Empörung aber stand ein Mann: Trump.

Mehrere prominente Demokraten beschuldigten den Republikaner, er ebne mit seiner Rhetorik den Weg für Hassverbrechen. Trump selbst sprach den Menschen in El Paso und in Dayton sein Mitgefühl aus. «Hass hat keinen Platz in unserem Land, und wir werden uns darum kümmern», sagte er vor Journalisten. Aber dann, wie so oft, der Fingerzeig auf andere. Diesmal behauptete er unter anderem, die Medien seien Schuld, denn diese würden angeblich Fake News verbreiten.

Doch nun, im Weissen Haus, klingt der US-Staatschef anders. Jetzt schiebt er nicht mehr die Schuld in Richtung Journalisten. Er geisselt «Fanatismus, Rassismus und white Supremacy», dies alles müssten die Amerikaner verdammen, man müsste diese «sinistre Ideologie besiegen». Trump spricht viel von «Hass», die Täter nennt er «Monster», die Taten seien «Horror», «furchtbar, furchtbar, furchtbar».

Trump erwähnt das von dem Attentäter in El Paso kurz vor seinem Blutrausch im Internet veröffentlichte Pamphlet, das eindeutig rassistisch ist. Darin enthalten ist unter anderem ein Begriff, der bei Rechtsextremen in aller Welt, wie dem Christchurch-Attentäter oder der in Deutschland und Österreich aktiven «Identitären Bewegung» als Kampfvokabel gilt: «Grosser Austausch.» Ausserdem beklagt das «Manifest» des Schützen von El Paso eine angebliche «Invasion» der USA durch Menschen aus Lateinamerika – eine Formulierung, die auch Trump früher mit Blick auf Zuwanderer verwendet hat.

Ein Vorschlag nach dem Gusto seiner Anhängerschaft

Trump versucht sich nun bei seiner Rede im Weissen Haus, deutlich davon abzugrenzen. Auch schlägt er einige Massnahmen vor. Zum Beispiel «Red-Flag»-Gesetze, wonach die Behörden früher gegen potentielle Gewalttäter aktiv werden. Er schimpft auf «grausame Video-Spiele», man müsse die «Glorifizierung von Gewalt in der Gesellschaft» stoppen.

Was Trump wohlweisslich nicht tut: sich für schärfere Waffengesetze aussprechen. Der Präsident übernimmt sogar fast wortwörtlich einen der typischen Argumentationssätze der Waffenlobby: «Geisteskrankheit und Hass drückte den Abzug, nicht die Waffe.»

Trump macht noch einen Vorschlag, der nach dem Gusto seiner Anhängerschaft sein dürfte. Eine Gesetzesinitiative auf den Weg bringen, die die Todesstrafe bei Hassverbrechen und Massenmord vorsieht – und schnellere Verfahren, damit zügiger hingerichtet werden kann. Er habe das Justizministerium angeordnet, eine entsprechende Gesetzgebung auszuarbeiten.

Republikaner und Demokraten sollten zusammenarbeiten, um die Gewalt zu stoppen, sagt Trump. Der amerikanische Präsident verkündet noch allerlei Segenswünsche für die Opfer und deren Hinterbliebenen. Dann verlässt er mit seinem Vize Mike Pence den Raum, ohne Fragen zu beantworten.

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