Über 413 Millionen für den Lieblingssohn

«Langweilig und altbekannt»: Mit seiner Reaktion zeigt Donald Trump, wie sicher er sich fühlte, als er mit seinem Vater das Schwindelsystem entwickelte.

Donald Trump mit seinen Eltern Mary und Fred sowie weiteren Familienangehörigen in einer Aufnahme von 1990. Foto: Charles Rex Arbogast (AP)

Donald Trump mit seinen Eltern Mary und Fred sowie weiteren Familienangehörigen in einer Aufnahme von 1990. Foto: Charles Rex Arbogast (AP)

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«Was ich gebaut habe, das habe ich selber gebaut.» Mit diesem Auftritt als erfolgreicher Unternehmer und selbst gemachter Milliardär hat es Donald Trump tatsächlich sehr weit gebracht. Das Image verhalf ihm zu einer lukrativen Karriere als Selbstdarsteller im Reality-Fernsehen, nachdem er als Casinounternehmer gescheitert war. Das Image des unabhängigen Selfmademannes brauchte er auch, als er sich im Wahlkampf als jener Kandidat präsentierte, der als einziger nicht im «Sumpf» von Washington stecke und als einziger einen sauberen Neubeginn schaffen werde. Dass diese Erfolgsgeschichte nicht stimmen konnte, war allen klar, die sich nur ansatzweise mit dem Vorleben von Trump beschäftigt hatten. Sie hätte auch schon vor den Wahlen aufgedeckt werden können, wenn die Medien ihn ähnlich kritisch begutachtet hätten wie Hillary Clinton. Doch Legenden und Lügen im Zeitalter der Fake News halten sich länger.

So aber war es die «New York Times», die diese Woche nach einer detektivischen Analyse von Steuererklärungen, Lieferverträgen und Bankunterlagen das Ausmass der Schwindeleien im Hause Trump aufdeckte. Seit seinen Anfängen als junger Immobilienspekulant in Manhattan posierte Trump als Unternehmer mit einer überbordenden Kreativität und einem unübertroffenen Geschäftssinn. Was er verschwieg und was die «New York Times» nun in vielen Details zeigt, entspricht exakt dem Gegenteil. Nicht Donald, sondern sein Vater Fred war der gerissene und unermüdliche Geschäftsmann. Fred baute das Imperium, Donald hätte den Zerfall riskiert, wenn der Vater nicht gewesen wäre. Aus seinen Steuererklärungen geht hervor, dass Fred alles daransetzte, seinen Lieblingssohn finanziell so abzusichern, dass nichts schiefgehen konnte. Bereits als Zweijähriger hatte Donald dank seinem Vater ein Bankkonto mit 200'000 Dollar, und mit acht Jahren war er Millionär.

Der US-Präsident soll in den 90er-Jahren seinen Eltern dabei geholfen haben, Steuern zu hinterziehen. (Video: Reuters/Tamedia)

Weit bemerkenswerter ist, dass die Zahlungen auch dann weiterflossen, als Donald mit 30 Jahren seine eigenen Firmen leitete. Es waren diese Zahlungen, die Trump wiederholt aus seinen schweren Geldschwierigkeiten retteten und ihm nach dem Kollaps des Casinogeschäfts wahrscheinlich sogar den Bankrott ersparten. Donald erhielt gemäss der «New York Times» mindestens 413 Millionen Dollar (inflationsbereinigt) und zahlte kein einziges Darlehen zurück, obwohl er im Wahlkampf vorschwindelte, lediglich einen Kredit von einer Million bekommen und voll zurückbezahlt zu haben.

Die Zahlungen flossen über ein Firmengeflecht, das dazu diente, Steuern zu umgehen und die Empfänger zu vertuschen.

Mehr als das: Die Zahlungen flossen über ein äusserst verwickeltes Firmengeflecht, das offenkundig dazu diente, Steuern zu umgehen und die Empfänger der Geldströme zu vertuschen. Donald Trump manipulierte daneben auch Aktienpreise, belastete die Mieter in seinen Liegenschaften mit überhöhten Aufwendungen und liess sich von seinem Vater Immobilien zu einem massiv unterbewerteten Preis überschreiben. Statt der Erbschaftssteuer von 55 Prozent zahlten die Trumps schliesslich nur 5 Prozent, als das Imperium von Fred an die Kinder überging. Statt 550 Millionen Dollar kassierte der Staat nur 52,2 Millionen.

So viel zum Trockenlegen des Sumpfes. Strafrechtlich sind die mutmasslichen Steuerdelikte zwar verjährt, doch ermittelt die New Yorker Justiz nun, ob der Trump-Clan zivilrechtlich belangt werden kann. Davon wäre nicht nur der Präsident betroffen, sondern auch seine ältere Schwester, eine Richterin an einem hohen Berufungsgericht.

Naheliegend ist, der Steuerbehörde die Schuld dafür zu geben, den schon vor 30 Jahren bekannten Verdachtsmomenten nicht nachgegangen zu sein.

Das alles sei «langweilig und altbekannt», meinte Trump diese Woche, ohne aber den Inhalt der Enthüllungen zu dementieren. Das ist aufschlussreich, weil er sich auf den Standpunkt stellt, dass die Schwindeleien seit langem bekannt waren, er trotzdem gewählt wurde und die Geschichte damit irrelevant geworden sei. Donald Trump beweist damit, wie sicher er sich fühlte (und es noch immer tut), als er zusammen mit seinem Vater das Schwindelsystem entwickelte.

Naheliegend ist, der Steuerbehörde die Schuld dafür zu geben, den schon vor 30 Jahren bekannten Verdachtsmomenten nicht nachgegangen zu sein. Doch das greift zu kurz. Die Bundessteuerbehörde IRS fällt bei der Aufdeckungder Steuerkonstruktionen von reichen Familien und Firmen weiter und weiter zurück. Seit den Reagan-Jahren wurde die Behörde einer Serie von Sparrunden ausgesetzt, die zu einem Personalmangel führten und den Staat gemäss dem IRS heute rund 125 Milliarden Dollar kosten, weil Steuerumgehungen nicht entdeckt werden.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 04.10.2018, 23:28 Uhr

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