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USA fassen ersten Drahtzieher des Terroranschlags von Benghazi

US-Präsident Barack Obama gelingt endlich ein Fahndungserfolg nach dem Attentat auf das US-Konsulat in Libyen. Der Terrorist werde «das volle Gewicht der Justiz» zu spüren bekommen.

Nach dem Attentat auf das amerikanische Konsulat in Banghazi: Ein Mann lässt sich vor einem brennenden Auto fotografieren. (11. September 2012)
Nach dem Attentat auf das amerikanische Konsulat in Banghazi: Ein Mann lässt sich vor einem brennenden Auto fotografieren. (11. September 2012)
Reuters

Knapp zwei Jahre nach dem tödlichen Angriff auf das US-Konsulat im libyschen Benghazi ist den Vereinigten Staaten der erste grosse Fahndungserfolg gelungen. Eine US-Spezialeinheit fasste bei einer Kommandoaktion in Libyen am Wochenende einen mutmasslichen Drahtzieher des Anschlags, wie das Pentagon am Dienstag mitteilte.

Dem Verdächtigen Ahmed Abu Chatallah soll nun vor einem Bundesgericht in Washington der Prozess gemacht werden. Chatallah sei eine «Schlüsselfigur» des Angriffs und werde «an einem sicheren Ort ausserhalb von Libyen» festgehalten, sagte Pentagon-Sprecher John Kirby. Alle an dem Einsatz am Sonntag beteiligten US-Soldaten und Vertreter der US-Justizbehörden hätten das nordafrikanische Land unversehrt wieder verlassen. Auch zivile Opfer habe es nicht gegeben.

Bei dem Angriff radikaler Islamisten auf das Konsulat in Benghazi am 11. September 2012 waren der US-Botschafter Chris Stevens und drei US-Wachleute getötet worden. Die erste Festnahme eines mutmasslichen Haupttäters ist ein grosser politischer Erfolg für Präsident Barack Obama, den die oppositionellen Republikaner bis heute wegen des Krisenmanagements seiner Regierung scharf kritisieren.

«Wer den USA schadet, kommt nicht davon»

«Die Vereinigten Staaten haben den unerschütterlichen Willen, diejenigen zur Rechenschaft zu ziehen, die Amerikanern Schaden zufügen», erklärte Obama. Chatallah werde nun «das volle Gewicht des amerikanischen Justizsystems» zu spüren bekommen. Aussenminister John Kerry ergänzte: «Diese verwegene Aktion des hervorragenden US-Militärs ist eine deutliche Mahnung an alle, die uns zu schaden wagen, dass sie nicht straflos davonkommen.»

Medienberichten zufolge hatte die US-Justiz vergangenes Jahr im Zusammenhang mit der Benghazi-Attacke Anklage gegen Chatallah und weitere Verdächtige erhoben. Der am Dienstag veröffentlichten Anklageschrift zufolge wird Chatallah Mord, Unterstützung des Terrorismus und illegaler Waffenbesitz vorgeworfen. Der mutmassliche Drahtzieher soll demnach selbst an dem Sturm auf das Konsulat teilgenommen haben. Laut «Washington Post» könnte ihm bei einer Verurteilung lebenslange Haft oder sogar die Todesstrafe drohen.

US-Justizminister Eric Holder kündigte an, die Ermittlungen würden fortgesetzt, um Chatallahs «Mitverschwörer» ebenfalls zu fassen. Wo genau sich Chatallah seit der Festnahme befindet, ist unklar. In ähnlichen Fällen hatten die US-Behörden Terrorverdächtige zunächst auf Kriegsschiffen verhört, ehe sie zur Strafverfolgung in die USA gebracht wurden. Der Nachrichtensender CNN meldete, Chatallah werde «in den kommenden Tagen» in den USA eintreffen.

Parteipolitisches Streitthema

Die US-Regierung hatte Chatallah im Januar offiziell auf die Terrorliste gesetzt. Auf der Internetseite des Aussenministeriums wird er als «ranghoher Anführer» der Extremistengruppe Ansar al-Scharia in Benghazi beschrieben. Die Organisation hatte nach dem Sturz von Libyens Machthaber Muammar al-Ghadhafi im Jahr 2011 an Bedeutung gewonnen. Ansar al-Scharia ist auch im Nachbarland Tunesien aktiv.

Der Anschlag von Benghazi ist in den USA ein parteipolitisches Streitthema. Die Republikaner werfen der Regierung Versagen vor, weil das Aussenministerium im Vorfeld Hinweise auf Sicherheitslücken in Benghazi und die Bedrohung durch Extremisten ignoriert haben soll. Kürzlich richtete das Repräsentantenhaus einen weiteren Untersuchungsausschuss zu Benghazi ein.

Nach dem Anschlag im September 2012 hatten die Republikaner den Präsidenten ausserdem beschuldigt, den terroristischen Hintergrund verheimlicht zu haben. Damals befand sich Obama mitten im Wahlkampf. Regierungsvertreter hatten die Attacke zunächst als spontanen Protest gegen ein in den USA produziertes anti-islamisches Schmähvideo dargestellt. Erst später schwenkte Obamas Regierungsmannschaft geschlossen auf die Linie ein, dass islamistische Extremisten verantwortlich gewesen seien.

AFP/thu/chk

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