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US-Immunologe im Kampf gegen Viren und Unsinn

Anthony Faucis Situation ist schwierig. Er sucht einen Impfstoff gegen Corona und muss immer wieder Donald Trump korrigieren.

US-Immunologe Anthony Fauci und US-Präsident Donald Trump bei einem Pressebriefing im Weissen Haus. (Foto: Bloomberg)
US-Immunologe Anthony Fauci und US-Präsident Donald Trump bei einem Pressebriefing im Weissen Haus. (Foto: Bloomberg)

Für Laien ist es durchaus schwierig, dem US-Präsidenten zuzuhören, für Experten gilt das erst recht. Zum Beispiel für Anthony Fauci, der zu den besten Fachleuten in den USA gehört. Der 79-jährige Immunologe aus Brooklyn, New York, leitet seit 1984 das National Institute of Allergy and Infectious Diseases in North Bethesda vor den Toren Washingtons. Er gilt als Kapazität. Fauci hat sechs Präsidenten gedient und hat HIV, Milzbrand, Ebola und Zika bekämpft. Seit Wochen forscht er mit seinen Leuten an Mitteln gegen das Coronavirus. Aber manchmal ist nicht klar, welche Aufgabe schwieriger ist: einen Impfstoff zu finden. Oder Trump zu begegnen.

Am vergangenen Freitag stand Fauci rechts hinter Trump im Briefing-Raum des Weissen Hauses. Fauci ist Teil der von Trump eingesetzten Coronavirus-Taskforce unter Leitung von Vizepräsident Mike Pence. Das Briefing dauerte schon knapp eine Stunde. Eine Stunde, in der Fauci Contenance bewahrt hatte – trotz der wissenschaftlich nicht zu belegenden Seltsamkeiten, die Trump bis dahin von sich gegeben hatte. Etwa über die Verwendung eines Malaria-Medikaments im Kampf gegen die vom Coronavirus ausgelöste Lungenkrankheit Covid-19.

Dann aber erlaubte sich Trump einen Scherz auf Kosten des Aussenministers, den er ans Mikro gebeten hatte. Das State Department werde ja auch «Deep State Department» genannt, sagte Trump. Eine Anspielung auf rechte Verschwörungstheoretiker, die glauben, die Feinde Trumps seien in der Verwaltung zu finden. Fauci, der sich ansonsten bemüht, stoisch geradeaus zu schauen, blickte auf Trump, schluckte kurz, hielt sich dann wie aus Scham die Hand vor das Gesicht und legte sein Kinn in die Hand, als müsste er seinem geschundenen Kopf irgendwo Halt geben. Ein verräterischer Moment.

«Ich sage es, wie es ist, und wenn ihn das anpisst, dann pisst ihn das an.»

Anthony Fauci über sein Verhältnis zu Donald Trump

Fauci ist inzwischen die letzte Hoffnung derer, die sich im Kampf gegen das Coronavirus lieber an die Wissenschaft halten als an Trumps Bauchgefühl. Bereits mehrmals hat Fauci Trump öffentlich widersprochen. Nein, die USA testeten nicht genug, sagte er. Nein, das Gesundheitssystem sei nicht bestens vorbereitet auf die Pandemie. Und nein, es gebe derzeit auch kein Wundermedikament, das Patienten von Covid-19 heilen könne – anders, als es Trump immer wieder andeutet.

Es ist ein überaus schwieriges Verhältnis zwischen dem obersten Seuchenbekämpfer der USA und dem Präsidenten. Wie schwierig, das hat Fauci in einem recht offenen Gespräch mit der «New York Times» erklärt. «Ich sage dem Präsidenten Dinge, die er nicht hören will.» Das sei ein risikoreiches Geschäft. «Ich sage es, wie es ist, und wenn ihn das anpisst, dann pisst ihn das an.» Wie gesagt, der Mann stammt aus Brooklyn, wo man sich auch mal rustikaler ausdrückt. Glücklicherweise aber störe Trump das nicht, sagt Fauci.

Wenigstens hat der Präsident mittlerweile erkannt, wie ernst die Lage ist

Das mag daran liegen, dass Fauci Trump nie direkt widerspricht. Sondern lediglich die Fakten darlegt, aus denen sich dann ergibt, dass Trump entweder übertrieben oder schlicht Unsinn erzählt hat. «Ich will ihn nicht blossstellen», sagt Fauci. «Ich will nicht wie so ein harter Typ auftreten, der es mit dem Präsidenten aufnimmt.» Er wolle nur, «dass die Fakten stimmen». So wie am Freitag, als Trump wieder das Malaria-Medikament aufbrachte. Fauci trat danach ans Pult und erklärte, er wisse nicht, ob es wirke oder nicht. Es lägen schlicht keine aussagekräftigen Studien vor. Trump erwiderte, er selbst sei ein «smart guy», der ein «gutes Gefühl» habe. Auf Twitter forderte er bald, das Mittel «sofort» für den Kampf gegen Covid-19 zuzulassen.

Fauci versichert, dass Trump den Ernst der Lage inzwischen erfasst habe. Das mag so sein. Aber auch Anthony Fauci wird seinen Chef nicht daran hindern können, Unwahrheiten zu verbreiten, wenn ihm diese nützlich erscheinen. Umso wichtiger ist es aus der Sicht vieler Amerikaner, dass wenigstens einer in Trumps Umfeld einfach nur die Fakten sprechen lässt.

US-Podcast «Entscheidung 2020»

Christof Münger und Martin Kilian diskutieren in einer weiteren Folge des Tamedia-Podcasts «Entscheidung 2020» darüber, wie Corona gerade Amerika verändert, über dessen Gesundheitssystem, und wie sich die Pandemie auf die Politik auswirkt.

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10 Kommentare
    Karl Steinbrenner

    Insbesondere die republikanischen SenatorInnen werden sich fragen lassen müssen, weshalb sie die "Präsidentschaft" Trump nicht vorzeitig beendet hatten und sich damit in der Folge selbst buchstäblich zu TotengräberInnen machten. Die eklatante Inkompetenz Trumps und seine schweren Charaktermängel, die ihn zur Amtsführung unfähig erscheinen liessen, standen ja schon vor seiner Wahl ins Amt fest.