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Wie im Kalten Krieg – USA sprengen russisches Spionagenetz

Sie hatten die Aufgabe, Verbindungen bis in hohe Regierungsebenen in Washington herzustellen und nutzten dabei alle Mittel der klassischen Agententätigkeit. Nun sitzen 10 Menschen in Haft, einer ist entkommen.

Lange ermittelt und dann zugeschlagen: FBI-Leute im New Yorker Quartier Yonkers, wo zwei russische Agenten festgenommen wurden.
Lange ermittelt und dann zugeschlagen: FBI-Leute im New Yorker Quartier Yonkers, wo zwei russische Agenten festgenommen wurden.
Keystone

Noch ist die ganze Tragweite der Spionagetätigkeit der nun Festgenommenen nicht klar. Klar ist einzig, dass 10 Leute in Haft sitzen und ihnen verbotene Nachrichtenermittlung vorgeworfen wird.

Zugeschlagen haben die Fahnder am Wochenende in den US-Staaten New Jersey, New York, Massachusetts und Virginia. Gegen die zehn sei Anklage wegen des Verdachts der Agententätigkeit erhoben worden, acht von ihnen werde überdies Geldwäsche vorgeworfen. Ein Elfter blieb den Angaben zufolge auf freiem Fuss.

Langfristige Mission

Die Verdächtigen waren nach Informationen der Bundespolizei FBI auf einer langfristigen Mission in den USA. Sie sollen teils seit den 90er Jahren Informanten rekrutiert und Informationen für das Hauptquartier des russischen Auslandsgeheimdienstes SVR gesammelt haben.

Die Bundespolizei FBI hatte die Verdächtigen nach eigenen Angaben mehr als zehn Jahre lang überwacht, sie in ihren Wohnungen und in Hotelzimmern abgehört, ihre Anrufe mitgeschnitten und ihre E-Mails gelesen.

«Ihre Ausbildung, Bankkonten, Auto, Haus usw. – all dies dient einem Ziel: ihre Hauptmission zu erfüllen, das heisst Verbindungen in Politik-Kreise in den USA aufzutun und zu entwickeln», zitierte das FBI aus einer entschlüsselten Botschaft.

Regierung infiltrieren

Die elf Verdächtigen sollten nach Angaben des FBI unter anderem Informationen über die US-Politik gegenüber Afghanistan und dem Iran sowie über einen damals geplanten Rüstungsvertrag zwischen Washington und Moskau sammeln. Sie sollten demnach regierungsnahe Kreise infiltrieren.

Das FBI listete in seiner Klageschrift auch die Methoden des Netzwerks auf. Die Spione arbeiteten den Angaben zufolge mit verschlüsselten Botschaften, Bargeld sei ihnen von russischen Boten bei Aufenthalten in lateinamerikanischen Ländern übergeben worden.

Daten seien über ein geheimes elektronisches Netz von Laptop zu Laptop weitergegeben worden. Bei Reisen nach Moskau und zurück in die USA seien die Spione zur Tarnung über Rom geflogen und hätten falsche Pässe benutzt. Der Anklageschrift zufolge gaben sie an, US-Bürger, Kanadier und Peruaner zu sein, ihre wirkliche Identität wurde zunächst aber nicht mitgeteilt.

Keine Stellungsnahme aus dem Weissen Haus

Fünf der Verdächtigen wurden am Montag einem Bundesgericht in New York vorgeführt. Die anderen fünf Festgenommenen sollten Gerichten in Virginia und Boston im Bundesstaat Massachusetts vorgeführt werden. Den Verdächtigen drohen fünf Jahre Haft wegen Spionage und weitere 20 Jahre Gefängnis wegen Geldwäsche.

Die US-Staatsanwaltschaft teilte mit, dass sie die russische Regierung über die Ermittlungen informieren werde. Das Weisse Haus gab zunächst keine Stellungnahme zu den Festnahmen und möglichen Auswirkungen auf die Beziehungen zu Moskau ab. US-Präsident Barack Obama und Russlands Präsident Dmitri Medwedew bemühen sich derzeit um eine Verbesserung der bilateralen Beziehungen. Erst vergangene Woche hatte Obama Medwedew im Weissen Haus empfangen.

SDA/cpm

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