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Wie US-Agenten im Drogenkrieg mitmischen

In Mexiko setzen die USA im Kampf gegen das organisierte Verbrechen nicht nur Drohnen ein. Laut einem Bericht hilft auch ein Netzwerk aus Informanten und Kartellmitgliedern: Ermittlungen in einer heiklen Grauzone.

Festnahme am 23. Februar 2011: Nach dem Mord an einem US-Agenten wurde Julian Zapata Espinosa (Vierter v. r.), mutmasslicher Täter und Mitglied des Los-Zetas-Kartells ...
Festnahme am 23. Februar 2011: Nach dem Mord an einem US-Agenten wurde Julian Zapata Espinosa (Vierter v. r.), mutmasslicher Täter und Mitglied des Los-Zetas-Kartells ...
Keystone
... mit weiteren Verdächtigen vom mexikanischen Verteidigungsministerium der Presse vorgeführt.
... mit weiteren Verdächtigen vom mexikanischen Verteidigungsministerium der Presse vorgeführt.
Keystone
Schutzwall gegen Einwanderer und Drogenschmuggler: Ein Zaun an der Grenze zwischen den USA und Mexiko, ungefähr 15 Meilen von der Stadt San Diego im Bundesstaat Kalifornien entfernt.
Schutzwall gegen Einwanderer und Drogenschmuggler: Ein Zaun an der Grenze zwischen den USA und Mexiko, ungefähr 15 Meilen von der Stadt San Diego im Bundesstaat Kalifornien entfernt.
Keystone
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Die letzte Meldung aus Mexiko vor zwei Tagen betraf einen 15-Jährigen. Nach seiner Festnahme gestand er laut der Staatsanwaltschaft nicht nur, eine Bande von Drogenschmugglern geführt zu haben, sondern auch den Mord an zwei Frauen auf der Ferieninsel Isla Mujeres. Wenige Tage vorher gelang es Soldaten im Norden des Landes, 61 Männer zu befreien, die von einer Drogenbande als Arbeitssklaven gehalten wurden – in Piedras Negras, wo in der Woche zuvor ein Anführer des berüchtigt-brutalen Zetas-Kartells verhaftet worden war.

Erfolge nach jahrelanger Infiltration

Erfolgsmeldungen aus dem Drogenkrieg: Sie können Ermittler und Offiziere der mexikanischen Armee nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Konflikt in Mexiko noch mehr Todesopfer fordern wird als bislang (schätzungsweise 50'000 Menschen in den vergangenen sechs Jahren). Und jenseits der Grenze, in den Vereinigten Staaten, kämpfen die Behörden seit Jahren dagegen, dass nicht nur harte Drogen über die Grenze kommen, sondern auch die Gewalt – in Gestalt von Dealern, Erpressern, Entführern und Mördern.

Mit einigem Erfolg, wie die «New York Times» nun auf ihrer Website berichtet. Den US-Behörden und Geheimdiensten ist es in den vergangenen Jahren offenbar gelungen, ein Netzwerk von Informanten aufzubauen und so auch die mächtigsten und gefährlichsten Drogenkartelle zu infiltrieren. Und diese Agenten halfen dem Bericht zufolge den mexikanischen Ermittlern, rund zwei Dutzend Kriminelle aus der Führungsebene festzunehmen oder zu töten, darunter auch einige grosse Fische.

Zusammenarbeit in einer Grauzone

Welche Person dabei wen auf welchem Kanal informiert hat, bleibt im Dunklen. Nicht nur gegenüber der Öffentlichkeit, sondern auch gegenüber mexikanischen Strafverfolgern oder Volksvertretern. Einerseits, wie die Zeitung berichtet, aus Sorge wegen der Korruption, die in der Polizei des Landes weit verbreitet ist, und andererseits wegen Gesetzen, die es amerikanischen Sicherheitsbehörden eigentlich verbieten, auf mexikanischem Boden zu operieren.

Eine Grauzone, die offenbar notwendig ist, um den gesetzlosen Drogenbanden überhaupt etwas entgegensetzen zu können. «Die Mexikaner rollen mit den Augen und sagen: ‹Wir wissen, dass es passiert›», sagt Eric L. Olson, Experte für das Drogenproblem in Mexiko und den USA vom Woodrow Wilson Center, gegenüber der Zeitung. Dies, obwohl es eigentlich nicht passieren sollte – und eine Einmischung des grossen Nachbarn noch vor wenigen Jahren sehr unerwünscht war. Doch heutzutage fliegen sogar amerikanische Drohnen über mexikanischem Gebiet, um Informationen zu liefern.

Hinweise auf Ermittlungserfolge

Als weitere Erfolge der Unterwanderungsstrategie nennt die Zeitung etwa die Ermittlungen zum Mord an Jaime J. Zapata, der auf dem Weg von Mexiko City nach Monterrey von Mitgliedern des Kartells Los Zetas erschossen worden sein soll. Der Agent war im Auftrag der amerikanischen Botschaft unterwegs, gemeinsam mit einem zweiten Agenten, dem die Angreifer in Arm und Bein schossen.

Erst Informanten der DEA (Drug Enforcement Administration) mit Verbindungen zu Kartellen brachten die Ermittler auf die Spur von mehreren Verdächtigen, die schliesslich aufgespürt wurden. Und auch ein Verfahren gegen einen Boss des Sinaloa Kartells, das im kommenden Jahr in Chicago beginnen soll, beruht laut dem Bericht wesentlich auf Hinweisen aus dem Drogenmilieu.

Eigennützige Informanten als Risikofaktor

Eine Arbeitsweise, die ihre Tücken hat. Drogenkriminelle arbeiten kaum je aus Reue mit Ermittlern zusammen, sondern nur dann, wenn ihnen bereits harte Strafen drohen, saftige Bestechungsgelder bezahlt werden oder wenn es ihnen selbst am besten nützt, wie ein Fall in El Paso, Texas, zeigte. Dort verurteilte ein Bundesrichter kürzlich ein Kadermitglied des Sinalao-Kartells zu lebenslanger Haft – wegen Tätigkeit als «Doppelagent», wie die «New York Times» schrieb. Der Mann hatte Hinweise über rivalisierende Banden geliefert, mit dem strategischen Ziel, von seinem eigenen Schmuggel abzulenken.

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