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53 Stunden, die Paris nie vergessen wird

Mittwoch, 11.30 Uhr – der Terror beginnt. Freitag, 17.00 Uhr – der Terror endet mit der Tötung der Angreifer. Was in Paris geschah, die Bilder, die Videos, die Grafik.

Der «Held von Paris»: Lassana Bathily.
Der «Held von Paris»: Lassana Bathily.
AFP
Die Beamten Franck Brinsolaro, Ahmed Merabet und Clarissa Jean-Philippe wurden posthum in die französische Ehrenlegion aufgenommen: Präsident Hollande hält eine Medaille vor einem Sarg. (13. Januar 2015)
Die Beamten Franck Brinsolaro, Ahmed Merabet und Clarissa Jean-Philippe wurden posthum in die französische Ehrenlegion aufgenommen: Präsident Hollande hält eine Medaille vor einem Sarg. (13. Januar 2015)
AP Photo/Francois Mori, Keystone
Mit Kalaschnikows bewaffnet: Zwei der maskierten Täter.
Mit Kalaschnikows bewaffnet: Zwei der maskierten Täter.
Facebook/Jordi Mir
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Mit dem langsamen Verstummen der Martinshörner in den Pariser Strassen verzieht sich in der französischen Hauptstadt auch der erste Schrecken über die Ereignisse in den vergangenen drei Tagen. Die Serie der Attentate gehört zu den schlimmsten in Europa, mindestens 20 Menschen kamen ums Leben, darunter die drei Terroristen.

Seit Freitagabend scheint das Schlimmste vorüber, kurz nachdem die Kouachi-Brüder, die für den Anschlag auf die Redaktion des Satiremagazins «Charlie Hebdo» verantwortlich sein sollen, unerwartet aus der Druckerei stürmten, in der sie sich während mehrerer Stunden verschanzt hatten.

Staatsanwalt François Molins schildert die Endphase des Einsatzes so: «Kurz vor 17.00 Uhr öffnet sich die Eingangstür im Erdgeschoss des Unternehmens für mehrere Minuten um 15 Zentimeter. Dann kommen die beiden Brüder mit Sturmgewehren heraus und schiessen in Richtung der Ordnungskräfte.» Die Polizei erschiesst die beiden.

Bei der Druckerei in Dammartin-en-Goële sind zuerst Schüsse zu hören, dann steigt Rauch vom Dach des Gebäudes auf. Video: Youtube/The Telegraph

Ein Mitarbeiter, der sich in der Fabrik versteckt gehalten hatte, konnte befreit werden. Entgegen der Annahmen der Polizei hatten die Brüder offenbar keine Geisel in ihrer Gewalt; den Geschäftsführer liessen sie zuvor frei.

Wegen der Eskalation in der Firma in Dammartin-en-Goële stürmt die Polizei auch die Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt in Paris. Dort werden 15 Geiseln befreit. Der Geiselnehmer Amedy Coulibaly kommt ums Leben. Vier Geiseln werden verletzt, vier weitere sind tot. Gemäss Ermittlern wurden sie jedoch schon erschossen, als Coulibaly das Geschäft betrat.

Die Fahndung nach der mutmasslichen Komplizin Coulibalys, Hayat Boumeddiene, läuft. Ob sie sich auch in dem Laden aufgehalten hat, ist unklar. Bei den Einsätzen operierten die französischen Spezialeinheiten Raid und GIGN erstmals gemeinsam.

Die Erstürmung des jüdischen Lebensmittelgeschäfts und die Befreiung einiger Geiseln. Video: Reuters

Coulibaly stürmte am Freitagmittag in den Laden im Osten von Paris, schoss um sich und sagte nach Ermittlerangaben: «Ihr wisst, wer ich bin». Mehrere Personen konnten verletzt fliehen. Die Polizei geht davon aus, dass der Angreifer die Kouachi-Brüder kannte.

Diese lieferten sich am Freitagmorgen eine Verfolgungsjagd mit der Polizei, bevor sie sich in der Druckerei verschanzten. Dabei wurde der 34-Jährige Said Kouachi leicht am Hals verletzt , als es auf einer Nationalstrasse einen Schusswechsel mit Polizisten gab. Später gelang es der Polizei, per Telefon Kontakt zu den Brüdern aufzunehmen. Ein Abgeordneter, der das Gespräch mitgehört hatte, sagte, die beiden hätten erklärt, sie wollten als Märtyrer sterben.

Die Polizei kam den Brüdern auf die Spur, weil sie gemäss Meldungen aus der Bevölkerung am Donnerstagnachmittag eine Tankstelle in der Gegend nordöstlich von Paris überfallen haben sollen. Tausendschaften an Polizisten durchkämmten die Orte Villers-Cotterêts und Crépy-en-Valois, Hubschrauber kreisten über der Region.

Die Nachrichtenagentur AFP zeigt in einer Infografik die entscheidenden Punkte auf der Jagd nach den Terroristen:

Bereits am Donnerstagmorgen teilte die Polizei mit, dass mehrere Personen aus dem Umfeld von Said und Chérif Kouachi festgenommen wurden. Während der Grossfahndung erschoss im Süden von Paris ein Mann eine Polizisten. Beim Schützen soll es sich um Amedy Coulibaly handeln, der später mehrere Geiseln in einem koscheren Supermarkt hält.

Die Kouachi-Brüder wurden am Mittwochabendvon der Polizei als mutmassliche Attentäter auf die Redaktion von «Charlie Hebdo» identifiziert – zusammen mit einer dritten Person, die ebenfalls zur Fahndung ausgeschrieben war. Dieser junge Mann stellte sich der Polizei, nachdem er von der Fahndung gehört hatte. Er beteuert seine Unschuld, er sei während des Attentats in der Schule gewesen.

Said und Chérif Kouachi waren den Anti-Terror-Einheiten Frankreichs bereits bekannt. Chérif wurde 2008 zu 18 Monaten Haft verurteilt, weil er sich Extremisten im Irak anschliessen wollte. Beide Brüder standen auf der US-Flugverbotsliste, Said Kouachi hat bis 2012 im Jemen für den dortigen al-Qaida-Ableger gekämpft, wie örtliche Sicherheitsbeamte bestätigen. Zudem sahen mehrere Experten im Vorgehen der Kouachi-Brüder Hinweise auf Verbindungen zu al-Qaida.

Trotzdem konnten die Behörden das Attentat auf die «Charlie Hebdo»-Redaktion nicht verhindern. Dort verschafften sich die mutmasslichen Täter am Mittwochmittagvermummt und mit Sturmgewehren bewaffnet Zugang zur Redaktion der Satirezeitschrift. Die Täter erschiessen acht Journalisten und Zeichner, zwei Polizisten, einen Mitarbeiter der Gebäudeverwaltung und einen Besucher. Daraufhin flüchten in einem Wagen. Ab da galt in Frankreich die höchste Terrorwarnstufe und die Grossfahndung lief an.

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