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Bericht: Amok-Soldat war betrunken

Der US-Soldat, der in Afghanistan ein Blutbad angerichtet haben soll, hat laut einem Offizier vor dem Massaker Alkohol getrunken. Zudem habe er sich mit seiner Frau gestritten. Der Anwalt des 38-Jährigen bestreitet dies.

War er der einzige Täter? Staff Sergeant Robert Bales (l.) soll in Afghanistan 16 Zivilisten massakriert haben. (23. August 2011)
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AFP
Von Anschlagsversuchen überschattet: Der amerikanische Verteidigungsminister Leon Panetta trifft nach dem Amoklauf in Afghanistan ein. (14. März 2012)
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AFP
Armeefahrzeuge der US-Streitkräfte kehren zu ihrem Stützpunkt zurück. (11. März 2012)
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Keystone
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Neueste Details im Fall des US-Soldaten, der am Sonntag in der afghanischen Provinz Kandahar 16 Zivilpersonen erschossen haben soll, sorgen für Verwirrung. Dabei geht es vor allem um den psychischen Zustand des 38-Jährigen im Vorfeld seines mutmasslichen Amoklaufes. Dieser habe vor seinem Attentat Alkohol getrunken, sagte ein höherer Offizier gegenüber der «New York Times».Zudem habe er sich zuvor mit seiner Ehefrau über die lange Dauer seines Einsatzes im Afghanistan gestritten.

«Es war eine Kombination von Stress, Alkohol und familiären Angelegenheiten, er ist einfach übergeschnappt», erklärte er gegenüber der Zeitung.

Bein eines Freundes weggesprengt

Laut dem Anwalt des mutmasslichen Amokläufers stimmen diese Aussagen nicht. An einer Pressekonferenz äusserte sich John Henry Browne gestern in Seattle über seinen Klienten. Der 38-jährige Offizier habe am Tag vor der Tat aus nächster Nähe mit ansehen müssen, wie seinem Freund bei einer Explosion das Bein weggerissen worden sei. Browne sagte, die Familie des Beschuldigten habe ihm diese Details genannt. Die Angaben konnten zunächst nicht von unabhängiger Seite bestätigt werden. Medienberichte, wonach der Soldat Alkohol- oder Eheprobleme haben soll, wies der Anwalt zurück.

Browne sagte, der Zwischenfall am Samstag habe alle Soldaten in dem kleinen Stützpunkt in der Provinz Kandahar erschüttert. «Sein Bein wurde weggesprengt, und mein Mandant stand neben ihm», sagte der Anwalt, der sich in den USA als Verteidiger des Serienmörders Tel Bundy und eines Diebs, der als «Barfuss-Bandit» bekannt wurde, einen Namen gemacht hat.

In den Militärakten seines Mandanten gebe es keine Vermerke über Fehlverhalten, sagte Browne. Vielmehr sei dieser ein hoch dekorierter Soldat, der einmal für den Bronze Star nominiert gewesen sei, die Auszeichnung letztendlich aber nicht bekommen habe. Der Mann, dessen Namen er um der Sicherheit von dessen Familie willen nicht nennen wollte, sei drei Mal im Irak gewesen und dabei zwei Mal verwundet worden. Im Irak habe der Soldat bei einem Autounfall, der durch eine am Strassenrand platzierte Bombe verursacht worden sei, eine Kopfverletzung mit Gehirnerschütterung erlitten. Wegen einer Verletzung, die er sich bei einem Einsatz zugezogen habe, sei ihm ein Teil seines Fusses abgenommen worden.

US-Soldat wollte nicht nach Afghanistan

Afghanistan sei sein vierter Auslandseinsatz gewesen. «Er war nicht begeistert über eine weitere Stationierung», sagte Brown. «Ihm wurde gesagt, er werde nicht wieder hingeschickt und dann wurde ihm gesagt, er müsse gehen.»

Nach der Kopfverletzung sei der Soldat vor seinem erneuten Einsatz untersucht worden, sagte Browne. Er wisse nicht, ob sein Mandant an einer posttraumatischen Belastungsstörung gelitten habe, doch bei einem Prozess könne dies eine Rolle spielen, sollten Experten es für relevant halten. Browne traf sich mit der Frau des Soldaten und anderen Angehörigen. Er habe auch kurz mit dem Soldaten am Telefon gesprochen, dabei habe dieser fassungslos und abwesend gewirkt, sagte Browne.

«Grossartige» Ehe

Der 38-jährige sei verheiratet und habe zwei kleine Kinder im Alter von drei und vier Jahren. Er wurde nach US-Angaben inzwischen in eine US-Haftanstalt nach Kuwait gebracht. Die Familie sei «total geschockt» von der Tat. «Er hat nie etwas Feindseliges gegen Muslime geäussert. Er ist im allgemeinen sehr sanft», sagte Browne. Er kenne nicht alle Details des Amoklaufs am vergangenen Sonntag, doch Berichte, wonach eine Kombination aus Alkohol, Stress und häuslichen Problemen dazu geführt hätte, dass der Soldat ausgerastet sei, wies er zurück. Der Familie sei ein Alkoholproblem nicht bekannt und die Ehe als «grossartig» beschrieben worden.

Der Soldat wird beschuldigt, am Sonntag einen US-Stützpunkt im Bezirk Pandschwai der Provinz Kandahar verlassen und in drei Häusern 16 Zivilpersonen erschossen zu haben, überwiegend Frauen und Kinder. Einige Leichen soll er danach angezündet haben.

dapd/AFP/rub/wid

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