Burkhalter: Humanitäre Hilfe stösst an ihre Grenzen

Aussenminister Didier Burkhalter forderte in Japan eine Neuausrichtung der internationalen Katastrophenhilfe.

Fordert mehr präventive Katastrophenhilfe: Aussenminister Didier Burkhalter, hier am Weltkongress zum Jugendstrafrecht in Genf. (26. Januar 2015)

Fordert mehr präventive Katastrophenhilfe: Aussenminister Didier Burkhalter, hier am Weltkongress zum Jugendstrafrecht in Genf. (26. Januar 2015)

(Bild: Keystone Salvatore die Nolfi)

Die Staatengemeinschaft müsse sich stärker auf die Vorbeugung konzentrieren, forderte Bundesrat Didier Burkhalter am Wochenende an der Katastrophenschutzkonferenz in Sendai. Der heute übliche Mechanismus der humanitären Hilfe als Antwort auf Katastrophen stosse an seine Grenzen. Deshalb müsse die Hilfe von einer Reaktion hin zu vorbeugenden Massnahmen wechseln, sagte Burkhalter gemäss Redetext in der japanischen Stadt Sendai.

Dieser Wechsel sei anspruchsvoll. Es sei einfacher, öffentliche Gelder für die Soforthilfe aufzutreiben als für Präventionsmassnahmen - und Vorbeugung brauche verschiedene Akteure auf unterschiedlichen Niveaus. Deshalb müsse die Politik jetzt ein Zeichen für einen solchen Paradigmenwechsel setzen, sagte er den Konferenzteilnehmern, die ein neues Rahmenprogramm für Katastrophenvorsorge verabschieden sollen.

Die Schweiz verfolge bereits heute einen Ansatz, mit dem besser auf Naturgefahren reagiert werden kann. Die Prävention beginne bei lokalen Akteuren, die im Falle einer Katastrophe auch zu den ersten Betroffen zählen.

Ein wegweisendes Jahr

Die Weltbevölkerung wachse stetig und der Klimawandel halte an. Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kosten bei Katastrophen steigen laut Burkhalter demzufolge weiter an, besonders in armen Weltregionen. Gesundheit, Nahrung, Wasser, Lebensgrundlagen, Sicherheit seien nur einige Bereiche, die durch Extremereignisse immer mehr gefährdet seien, sagte Burkhalter am Sonntag gemäss Redetext an einer Podiumsveranstaltung in Sendai.

Es müssten deshalb einerseits die Ursachen von Armut und grossem Schadenspotenzial viel stärker bekämpft werden. Andererseits bemühe sich die Schweiz, bedürftige lokale Gemeinschaften besser gegen Katastrophen zu wappnen. Dazu gehören etwa Gefahrenkarten, Wetterinformationen, Dammbauten, Aufforstung oder Ausbildung von Bergungs- und Rettungsteams.

Wegweisendes Jahr

Dieses Jahr biete die Gelegenheit, wichtige Entscheide für eine nachhaltigere Welt zu treffen, zunächst an der Konferenz in Sendai und im Dezember dann an der Weltklimakonferenz in Paris. Die Schweiz helfe zudem bei der Ausrichtung einer OSZE-Asienkonferenz im Juni in Südkorea, bei welcher der Katastrophenschutz einen Schwerpunkt bilde, sagte Burkhalter in seiner Rede weiter.

Bei einem bilateralen Treffen am Rande der UNO-Konferenz lud Burkhalter seinen japanischen Amtskollegen Fumio Kishida zur Konferenz der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) ein. Dabei gehe es auch um den Ausbau der Kooperation zwischen der OSZE und den asiatischen Partnerstaaten, hiess es in einer Mitteilung des Eidg. Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA).

Der Schweizer Aussenminister reist am Sonntag von Sendai in die indonesische Hauptstadt Jakarta weiter. Dort sind am Montag politische Gespräche angesetzt. Anschliessend begibt sich Burkhalter nach Sri Lanka, wo er am Dienstag nicht nur die politische Führung der Insel treffen wird, sondern auch Vertreter der tamilischen Minderheit. Er beabsichtigt auch einen Abstecher nach Jaffna, dem Zentrum des tamilisch dominierten Nordens Sri Lankas, zu machen.

thu/sda

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