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Des Königs letzte Reise

Siebzig Jahre stand König Bhumibol an der Spitze Thailands. Nach seinem Tod verabschiedet sich das Volk heute mit einem pompösen Festakt. Das Ende der Trauerperiode könnte neue Unruhe in das politisch turbulente Land bringen.

Mit einer prunkvollen Zeremonie nimmt Thailand Abschied von seinem verstorbenen König Bhumibol. (Video: Tamedia/AFP)

Die ersten Trauergäste warten bereits seit Sonntag auf Einlass. Komplett in Schwarz gekleidet, harrten zuletzt Tausende Thailänder in der Nähe des Grossen Palastes in Bangkok am Fuss­boden aus. Selbst starker Regen konnte sie nicht vertreiben.

Sie wollen einen der begehrten Plätze vor dem prunkvollen Krematorium ergattern, in dem Thailands vor einem Jahr gestorbener König Bhumibol Adulyadej heute bestattet werden soll. 200 000 Menschen werden erwartet. Millionen dürften die Zeremonie am Fernseher und vor Grossleinwänden im ganzen Land verfolgen.

Die königliche Trauerfeier live übertragen vom National News Bureau of Thailand.

Die einzige Konstante

Die Feuerbestattung von Bhumibol ist ein Staatsbegräbnis der Superlative. Ein Jahr lang dauerten die Vorbereitungen, mindestens eine Milliarde Baht, umgerechnet rund 30 Millionen Franken, kostet die Veranstaltung. Sie passt zu Bhumibols Rekordregentschaft: Er stand siebzig Jahre lang an der Spitze seines Staates. In einem politisch turbulenten Land, das während seiner Regentschaft zehn Machtübernahmen des Militärs erlebte und mehr als ein Dutzend Mal die Verfassung änderte, war er die einzige Konstante. Mit seiner Einäscherung und dem gleichzeitigen Ende einer zwölfmonatigen Trauerperiode beginnt für Thailand nun eine neue Ära.

Die sterblichen Überreste des verstorbenen Königs werden in einer prunkvollen Parade vom Palast zum goldenen Krematorium gebracht. (26. Oktober 2017)
Die sterblichen Überreste des verstorbenen Königs werden in einer prunkvollen Parade vom Palast zum goldenen Krematorium gebracht. (26. Oktober 2017)
Kittinun Rodsupan, Keystone
König Maha Vajiralongkorn während der Zeremonie. (26. Oktober 2017)
König Maha Vajiralongkorn während der Zeremonie. (26. Oktober 2017)
Kittinun Rodsupan, Keystone
Schwarz und lang: Die Kleidervorschriften für das Begräbnis.
Schwarz und lang: Die Kleidervorschriften für das Begräbnis.
«Bangkok Post»
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Die politische Zukunft des Landes ist dabei von grosser Unsicherheit geprägt. «Das Königreich steuert in unbekannte Gewässer», sagt der Thailand-Analyst und Autor Benjamin Zawacki. «Das Ende der Trauerperiode setzt einen Schlussstrich unter sieben Jahrzehnte, die wie der verstorbene König wohl einmalig bleiben werden.»

Monarchie überall präsent

Kurz vor der Einäscherung hat die öffentliche Präsenz der thailändischen Monarchie deutlich zugenommen: Einkaufszentren bieten ihren Besuchern Ausstellungen über das Leben Bhumibols, auf den riesigen digitalen Werbetafeln erstrahlt über den Bangkoker Strassen anstatt Reklame das Konterfei des Königs.

Auch Touristen bekommen vor allem im Nachtleben die besondere Situation zu spüren. Die ­berühmte «Full Moon Party» im Süden des Landes wurde als ­Zeichen des Respekts abgesagt, einige Lokale schenken keinen Alkohol aus, Clubs schliessen für einige Tage. Sogar die 24-Stunden-Supermärkte von 7-Eleven, die ansonsten nie schliessen, machen kurzzeitig Pause.

Das mit mehr als 500 Tierstatuen aufwendig verzierte Krematorium Bhumibols wurde eigens für diesen Anlass errichtet. Es soll an den mythologischen Berg Meru erinnern, der das Zentrum des Universums symbolisiert.

Oberschicht gegen Arme

Die Bestattung könnte für Thailand für lange Zeit einer der letzten grossen Momente der nationalen Geschlossenheit werden. Erwartet werden Trauergäste nicht nur vor dem Palast in Bangkok, sondern auch vor Nachbildungen des Krematoriums in jeder der 76 Provinzen. Doch die Symbole des Zusammenhalts werden schon bald verschwinden. Der Bestattungskomplex in Bangkok soll nur noch bis November stehen und anschliessend abgebaut werden. Auch das steht in der buddhistischen Tradition: «Alles, was existiert, findet irgendwann sein Ende.»

Nach der Einäscherung will die Militärjunta, die seit einem Putsch vor dreieinhalb Jahren herrscht, im kommenden Jahr Wahlen abhalten lassen. Politische Beobachter erwarten, dass der Konflikt zwischen den verfeindeten Gruppen aus der Bangkoker Oberschicht und dem vergleichsweise armen Nordosten bis dahin wieder neu ausbrechen könnte.

Zur Feuerbestattung von Thailands langjährigem König Bhumibol sind Staatsgäste aus aller Welt gekommen. Im Folgenden ein (unvollständiger) Überblick.

  • Königin Silvia (Schweden)
  • Königin Maxima (Niederlande)
  • Königin Sofia (Spanien)
  • Königin Mathilde (Belgien)
  • König Letsie III. (Lesotho)
  • König Jigme Khesar Namgyel Wangchuk (Bhutan)
  • König Tupou VI. (Tonga)
  • Kronprinz Frederik (Dänemark)
  • Kronprinz Haakon (Norwegen)
  • Prinz Akishino (Japan)
  • Prinz Andrew (Grossbritannien)
  • Präsident U Htin Kyaw (Burma)
  • Präsidentin Halimah Yacob (Singapur)
  • Ex-Bundespräsident Christian Wulff (Deutschland)
  • Altbundesrat und Ex-Bundespräsident Joseph Deiss (Schweiz)
  • Ex-Ministerpräsident Jean-Marc Ayrault (Frankreich)

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