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«Die langfristige Präsenz der US-Armee verschlimmert den Krieg»

Hamid Karzai wünscht, dass sich die ausländischen Truppen schneller zurückziehen sollen. Doch die Forderung des afghanischen Präsidenten steht im Widerspruch zur Strategie des US-Militärs.

Karzai verlangt, dass sich ausländische Soldaten mehr der einheimischen Bevölkerung anpassen: US-Soldat in Kabul.
Karzai verlangt, dass sich ausländische Soldaten mehr der einheimischen Bevölkerung anpassen: US-Soldat in Kabul.
Keystone

Afghanistans Präsident Hamid Karzai hat die US-Armee aufgefordert, ihre Militäreinsätze im Land einzuschränken und sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. «Die Zeit zur Verringerung der Militäreinsätze ist gekommen», sagte Karzai der «Washington Post» vom Sonntag. Im Osten des Landes wurde ein Angriff der radikalislamischen Taliban auf einen der grössten NATO-Stützpunkte in Afghanistan abgewehrt.

Die US-Armee müsse neben den Kampfeinsätzen auch ihren Einfluss auf das tägliche Leben der Afghanen verringern, forderte Karzai in einem Interview mit der Zeitung. Die Bevölkerung sei die Hausdurchsuchungen durch US-Soldaten und deren Präsenz auf den Strassen des Landes leid. Besonders die Razzien seien schon immer ein Problem, sagte der afghanische Staatschef. «Die afghanische Bevölkerung mag diese Razzien nicht.» Die Durchsuchungen müssten von afghanischen Kräften nach afghanischen Gesetzen durchgeführt werden. «Die langfristige Präsenz der US-Truppen verschlimmert den Krieg», so Karzai.

Im Widerspruch zur US-Strategie

Karzai möchte seine Aussagen nicht als Generalkritik gegen die USA verstanden wissen. Und dennoch stehen sie im Gegensatz zu deren Kriegstrategie des US-Militärs. Gemäss «Spiegel» hatte Oberbefehlshaber David Petraeus die nächtlichen Einsätze zur Gefangennahme oder zum Töten von Rebellen zu einem zentralen Teil im Kampf gegen die radikalislamischen Taliban erklärt.

Die Übergabe der Verantwortung für bestimmte Regionen an einheimische Sicherheitskräfte ist Thema beim NATO-Gipfel in der kommenden Woche in Lissabon. Nach den Worten von Bundesaussenminister Guido Westerwelle (FDP) will Deutschland im Jahr 2012 erstmals Bundeswehrkontingente abziehen. Westerwelle sprach sich am Sonntag im Deutschlandfunk zudem dafür aus, eine nordafghanische Provinz im kommenden Jahr aus der Verantwortung der Bundeswehr an afghanische Stellen zu übergeben. Er wollte jedoch keine Provinz benennen, um dort nicht vermehrte Kämpfe zu provozieren. Die Bundeswehr ist im Norden des Landes stationiert und hat im Rahmen des Regionalkommandos Nord die Oberverantwortung für neun Provinzen.

Angriffe auf Nato-Stützpunkte

Gemeinsam mit afghanischen Soldaten schlugen internationale Truppen am Samstag einen Angriff der Taliban auf einen der grössten Nato-Stützpunkte in Afghanistan zurück. Bei der Attacke auf den Flughafen in Dschalalabad im Osten des Landes wurden acht Angreifer getötet, wie die Nato mitteilte. Von den afghanischen und den ausländischen Soldaten sei keiner zu Schaden gekommen. Zu dem Angriff bekannten sich radikalislamischen Taliban.

Der Flughafen von Dschalalabad, der Hauptstadt der Provinz Nangarhar, ist der drittgrösste NATO-Stützpunkt in Afghanistan. 2500 ausländische Soldaten sind dort stationiert. Ausserdem befinden sich auf dem von einem grossen Sicherheitsaufgebot bewachten Stützpunkt zahlreiche Flugzeuge, Hubschrauber und Drohnen der US-Armee. Bereits im Juni hatten Taliban den NATO-Stützpunkt in Dschalalabad am helllichten Tag mit einer Rakete und einer Autobombe angegriffen. Am Sonntag wurden in Dschalalabad durch die Detonation eines Sprengsatzes ein Mensch getötet und neun weitere verletzt.

Im südafghanischen Distrikt Spin Boldak nahe der Grenze zu Pakistan starb am Sonntag ein NATO-Soldat durch einen Sprengsatz. Durch die Detonation einer an einem Motorrad versteckten Bombe wurden in dem Distrikt nach Polizeiangaben zudem zwei Menschen getötet und elf weitere verletzt.

In der nordafghanischen Provinz Kundus waren bereits am Samstag durch einen Sprengsatz an einem Motorrad zehn Menschen getötet und 18 weitere verletzt worden. Die Bombe detonierte mitten auf einem Marktplatz, wie das Innenministerium mitteilte.

j

AFP/mrs

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