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Eine Herkulesaufgabe für die Chinesen

In China leben ungefähr 1,3 Milliarden Menschen. Die Regierung will es aber genauer wissen und startet eine Volkszählung. Obwohl sechs Millionen Helfer im Einsatz sind, steht die Volksrepublik vor Problemen.

Grosses Gedränge: Chinesen in einem Shopping-Center in Shanghai.
Grosses Gedränge: Chinesen in einem Shopping-Center in Shanghai.
AFP

China will am 1. November mit der ersten Volkszählung seit zehn Jahren beginnen und steht dabei vor einigen Hindernissen. So dürfte es nicht nur schwierig sein, Millionen von Wanderarbeitern zu erfassen, auch eine mögliche Verletzung ihrer Privatsphäre hat bei den Bürgern für Unruhe gesorgt, wie der stellvertretende Direktor der Zensus-Koordinierungsgruppe, Feng Nailing, sagte.

Immerhin sechs Millionen Volkszähler wird die Regierung landesweit aufbieten, um die gut 1,3 Milliarden Chinesen zu erfassen. Fünf Volkszählungen habe es bereits gegeben, doch nun werde die Regierung die Menschen erstmalig dort zählen, wo sie leben und nicht dort, wo sie registriert sind, sagte Feng. Dieser Wechsel wird der Regierung ermöglichen, die stetige Urbanisierung nachzuvollziehen. In der immer mobiler werdenden Bevölkerung - die mitverantwortlich für den wirtschaftlichen Aufstieg des Landes ist - liege aber auch eine «Hauptschwierigkeit».

Ergebnis erst im kommenden Jahr erwartet

Ursprünglich erfolgt eine Registrierung der Bürger danach, ob sie auf dem Land oder in der Stadt leben. Wanderarbeiter vom Land sind in ihren Heimatkommunen registriert, nicht aber in den Städten, wo viele von ihnen seit Jahren leben. Dadurch sind die Menschen eingeschränkt beim Zugang zu staatlichen Dienstleistungen wie Gesundheitsversorgung und Bildung. Probleme sieht Feng auch in der mangelnden Bereitschaft, persönliche Daten preiszugeben aus Sorge um den Schutz der Privatsphäre. Obwohl die Volkszähler zur Diskretion verpflichtet seien, seien die Bürger in Sorge, dass ihre Informationen gegen sie verwendet werden könnten.

Zurückhaltend dürften auch Familien mit mehr als einem Kind reagieren. Schliesslich verfolgt China seit Jahren eine strikte Ein-Kind-Politik, und Eltern, die dagegen verstossen, drohen hohe Geldbussen. Wer seine weiteren Kinder bei der Volkszählung registrieren lasse, müsse aber nur mit einer reduzierten Strafe rechnen, sagte Feng. Bei der letzten Zählung vor zehn Jahren wurden 1,26 Milliarden Chinesen ermittelt, eine jährliche Untersuchung im vergangenen Jahr zeigte dann aber, dass die Zahl auf mittlerweile 1,3 Milliarden gestiegen ist. Das Ergebnis der neuen Volkszählung wird erst im kommenden Jahr erwartet. Die Regierung wolle auf Grundlage der Daten die zukünftige Wirtschafts- und Sozialpolitik planen, sagte Feng.

(dapd)

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