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Karzai und Obama einigen sich über Truppenabzug

Der afghanische Präsident hatte den USA nach dem Amoklauf mangelnde Kooperation bei den Ermittlungen vorgeworfen. Obendrein hatte er einen Abzug der US-Armee bis 2013 gefordert. Nun krebste Karzai zurück.

Fordert mehr Informationen von den USA: Der afghanische Präsident Hamid Karzai während einer Pressekonferenz in Kabul.
Fordert mehr Informationen von den USA: Der afghanische Präsident Hamid Karzai während einer Pressekonferenz in Kabul.
Keystone

Nach jüngsten Äusserungen des afghanischen Präsidenten Hamid Karzai über den Abzug der internationalen Truppen haben die Regierungen in Kabul und Washington Einigkeit demonstriert. Wie das Weisse Haus mitteilte, versicherten Karzai und US-Präsident Barack Obama einander in einem Telefonat, der Rückzug solle bis Ende 2014 erfolgen. Gegen vorgezogene Planungen wandte sich auch Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU).

Das Weisse Haus bekräftigte, dass bis Ende 2014 der Übergangsprozess beendet sein und afghanische Sicherheitskräfte die Sicherheitsverantwortung übernommen haben sollten. Zur Forderung Karzais, umgehend alle Truppen aus afghanischen Dörfern abzuziehen, vereinbarten beide Seiten demnach weitere Gespräche. Karzai hatte am Donnerstag angekündigt, bereits im Jahr 2013 und nicht erst ein Jahr später die vollständige Sicherheitsverantwortung übernehmen zu wollen.

Beschleunigung gefordert

Bereits vor der Mitteilung des Weissen Hauses relativierte der afghanische Präsidentensprecher Aimal Faisi die Äusserungen des Staatschefs. Die internationalen Truppen könnten wie vereinbart bis zum Jahr 2014 im Land bleiben, sagte er dem Portal «Spiegel Online». Karzai habe «lediglich die Beschleunigung des Übergabeprozesses der Sicherheitsverantwortung an die Afghanen eingefordert».

Auch Verteidigungsminister de Maizière lehnte vorgezogene Planungen für einen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan ab. «Ein Entscheidungsvorschlag kommt eher im September und nicht im April oder Mai», sagte er der Nachrichtenagentur AFP. De Maizière begründete seinen Zeitplan mit den vielen Faktoren, die bei der Planung für das Jahr 2013 zu berücksichtigen seien: «Wir sind nicht allein auf der Welt», betonte er.

Zu den Forderungen Karsais sagte de Maizière, der afghanische Präsident fordere «etwas, das ohnehin schon geplant ist». Auch bislang sei vorgesehen, bis Mitte 2013 die Übergabe der Sicherheitsverantwortung in allen Provinzen abzuschliessen. «Teil dieses Übergabeprozesses ist aber auch, dass man danach weitere zwölf bis 18 Monate schaut, ob dieser Übergabeprozess hält, ob er funktioniert», sagte der Minister.

Mutmasslicher Amokläufer wird in die USA verlegt

Der des Amoklaufs beschuldigte US-Soldat soll in ein Militärgefängnis im US-Staat Kansas geflogen werden. Die Verlegung ins Hochsicherheitsgefängnis Fort Leavenworth erfolge möglicherweise noch am (heutigen) Freitag, verlautete aus Kreisen des Verteidigungsministeriums in Washington. Sein Anwalt nannte unterdessen ein mögliches Motiv: Der 38-jährige Stabsunteroffizier habe am Tag davor aus nächster Nähe mit ansehen müssen, wie seinem Freund bei einer Explosion das Bein weggerissen worden sei. Anwalt John Henry Browne sagte, der Zwischenfall habe alle Soldaten in dem kleinen Stützpunkt in der Provinz Kandahar erschüttert.

In den Militärakten seines Mandanten gebe es keine Vermerke über Fehlverhalten, sagte Browne. Der Mann sei drei Mal im Irak gewesen und dabei zwei Mal verwundet worden. Afghanistan sei sein vierter Auslandseinsatz gewesen. Im Irak habe der Soldat bei einem Autounfall, der durch eine am Strassenrand platzierte Bombe verursacht worden sei, eine Kopfverletzung mit Gehirnerschütterung erlitten. Wegen einer Verletzung, die er sich bei einem Einsatz zugezogen habe, sei ihm ein Teil seines Fusses abgenommen worden. Der 38-jährige sei verheiratet und habe zwei kleine Kinder im Alter von drei und vier Jahren. «Er hat nie etwas Feindseliges gegen Muslime geäussert. Er ist im allgemeinen sehr sanft», sagte Browne. Ehe- und Alkoholprobleme, wie von einigen Medien berichtet, wies er zurück.

Ein Zwischenfall auf dem britischen Stützpunkt Bastion im Süden Afghanistans während eines Besuchs von US-Verteidigungsminister Leon Panetta am Mittwoch erwies sich unterdessen als schwerwiegender als zunächst gedacht. Der oberste US-Kommandeur in der Provinz Helmand und sein britischer Stellvertreter warteten mit einer Gruppe US-Marineinfanteristen auf die Landung Panettas, als nach Angaben des Pentagons ein afghanischer Dolmetscher mit einem gestohlenen Wagen versuchte, in die Gruppe zu rasen. Das Auto entzündete sich, der Mann starb an seinen Verletzungen. Gegen drei Afghanen, darunter Vater und Bruder des mutmasslichen Attentäters, werde ermittelt.

14 Tote bei Hubschrauberabsturz nahe Kabul

Beim Absturz eines türkischen Militärhubschraubers in Afghanistan kamen am Freitag zwölf türkische Soldaten und zwei Kinder ums Leben. Der Hubschrauber vom Typ Sikorsky habe sich auf einer NATO-Mission befunden, als er nahe der afghanischen Hauptstadt niederging, teilten die türkischen Streitkräfte mit. Bei den beiden Toten am Boden handele es sich um zwei junge Mädchen, teilte das afghanische Innenministerium mit. Ein weiteres Kind sowie eine Frau seien verletzt worden. Es scheine, als sei der Hubschrauber während einer Notlandung verunglückt, sagte der türkische Aussenminister Ahmet Davutoglu.

dapd/kpn/jak

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