Nach Trump-Kim-Gipfel: Chefkoch plaudert aus dem Nähkästchen

Paul Smart, Chefkoch des Metropole in Hanoi, hat einen Einblick in die kulinarisch-luxuriösen Vorlieben des Gourmets aus Pyongyang erhalten.

Mag es blutig und exquisit: Kim Jong-un vor dem ersten und einzigen Gipfel-Dinner in Hanoi. (27. Februar 2019)

Mag es blutig und exquisit: Kim Jong-un vor dem ersten und einzigen Gipfel-Dinner in Hanoi. (27. Februar 2019)

(Bild: Keystone)

Es ist bereits angerichtet im Speisesaal des ehrwürdigen Metropole Hotel in Hanoi. Nur die Gäste, Donald Trump, Kim Jong-un und ihre Delegationen, kommen nicht. Das Mittagessen mit Gänseleberpastete und Snowfish, eine asiatische Spezialität, landet im Kübel.

So geschehen am 28. Februar 2019, nachdem der zweite Kim-Trump-Gipfel frühzeitig gescheitert war und die beiden Delegationen in ihre Hotels zurückgefahren waren, statt bei Paul Smart, dem australischen Chefkoch des Metropole, Platz zu nehmen. Nicht kulinarische Differenzen sorgten für das abrupte Ende des Gipfels, sondern die Frage der Denuklearisierung.

Von «bleu» bis «well done»

Tags zuvor hatte Smart den beiden Machthabern unter anderem Sirloin-Steak mit Pfefferkruste und mit Kimchi gefüllten Birnen aufgetischt, wobei der Nordkoreaner sein Steak blutig und der US-Präsident sein Fleisch durchgehend gegart bevorzugt. Die Wahl des blutigeren Fleisches sei eine Wertschätzung der Qualität, sagte Smart und attestierte damit, dass der Gourmet aus Pyongyang über einen erlesenen Geschmack verfüge. Trump habe jedoch von Kims Steak probiert, so Spitzenkoch Smart, der seine Sporen unter anderem im Londoner Ritz abverdient und einst für Queen Elizabeth II gekocht hatte.

Das Wagyu-Beef hatte Kim, der tags zuvor nach einer 4500 Kilometer langen Reise per Sonderzug in Vietnam eingetroffen war, aus Nordkorea selbst mitgebracht. Einige Medien witzelten sogar, ob sich dadurch eine Verletzung der US-Sanktionen gegen Nordkorea darstelle.

Andere Medien hingegen kritisierten die Dekadenz: In Nordkorea fiel die Ernte so schlecht aus wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr. Laut einem Bericht der Vereinten Nationen fehlten dem Land rund 1,4 Millionen Tonnen Lebensmittel. Die Regierung in Pyongyang müsse deshalb die Essensrationen für die Bevölkerung fast halbieren.

Alkohol

Während Trump bekanntlich keinen Alkohol trinkt, gönnt sich Kim Berichten zufolge gerne ab und zu einen Schluck. Am Tag vor dem Gipfeltreffen hatten niederländische Zöllner im Hafen von Rotterdam 90’000 Flaschen russischen Wodka unter einem Flugzeugrumpf gefunden und beschlagnahmt. Der Container mit der hochprozentigen Ware war direkt für Nordkoreas Machthaber und seine Militärführung bestimmt.

Ein Dämpfer für Kim und Nordkoreas Elite, die ansonsten unter den internationalen Sanktionen nicht an Luxus zu leiden scheinen. Ob Kim während seines Aufenthaltes in Vietnam etwas Alkoholisches getrunken hat, ist indes nicht bekannt, aber durchaus denkbar.

Hunde und Vortester

Einen Dämpfer erlebte auch Spitzenkoch Paul Smart. Er sei enttäuscht, dass das Essen nicht stattgefunden habe. Das Erlebte rund um das Gipfeltreffen war jedoch aufregend genug und hinterliess bleibende Eindrücke, die Smart dem Pekinger Magazin «China News Weekly» preisgab. Öffentlich wurde das Interview nun durch einen Bericht der «South China Morning Post».

Spürhunde hätten seine Küche durchsucht und Vorkoster von beiden Seiten alle Gerichte probiert, so Smart. Nordkoreanische Zutaten seien «sehr hygienisch verpackt. Sie haben sogar Alkohol mitgebracht, um ihre Messer und Schneidebretter zu reinigen.»

Paul Smart in seiner Küche im Metropole Hotel in Hanoi. (Getty Images)

Die nordkoreanische Küchendelegation beschrieb Smart als «geheimnisvoll, aber sehr professionell» und fügte hinzu, dass sie akribisch gearbeitet hätten. Sie brachten – nebst dem Wagyu-Rindfleich – ihre eigenen Zutaten mit: Kimchi, Ginseng, Kaki und Foie gras. Smart lobte die Zusammenarbeit und erhielt Einblicke in das streng gehütete Geheimnis von Kims Lebensstil. Die Küchencrew aus Nordkorea habe ausgeplaudert, dass Kim andere Köstlichkeiten wie Kaviar und Hummer liebe, obschon der Import solcher Luxusartikel im Rahmen der Sanktionen eingeschränkt wurde. Dazu gehört auch Käse der Sorte Emmentaler.

Kim und der Emmentaler

«Er liebt es, zu essen und zu erleben, was Küche ist», sagte Smart über den Despoten. Doch auch beim Thema Erlebnisküche kann sich Kim trotz seiner Sonderstellung nicht alles leisten. Aus früheren Berichten geht hervor, dass Kim, der einen grossen Teil seiner Kindheit in Bern verbracht hatte, Käse liebt, insbesondere den Emmentaler. Kim soll nach Angaben des «Daily Mirror» kiloweise löchrigen Käse importieren. Aber keinen aus der Schweiz.

Gemäss den Daten von Swiss Impex hat Nordkorea seit dem Jahr 2012 keinen Käse mehr aus der Schweiz importiert. Und auch vorher, in der Amtszeit von Kim Jong-il, floss nur Schweizer Schmelzkäse ins Land.

Doch es ist der Emmentaler, der es dem seit Dezember 2011 Obersten Führer Nordkoreas angetan hat. 2014 schickte Kim drei seiner Köche nach Frankreich, um sie dort in der Herstellung des Hartkäses ausbilden zu lassen. Der Leiter einer renommierten französischen Kochschule lehnte die Schüler aus Zeit- und Platzgründen jedoch ab.

Auch in der Schweiz bemühte sich Nordkorea um einen Know-how-Transfer. Wie Jürg Kriech von Emmentaler Switzerland gegenüber watson.ch erklärte, wurden sogar Dolmetscher angeboten. Vergeblich: «Keine Käserei hatte Zeit, die Nordkoreaner auszubilden», sagte Kriech. Zudem habe man die Kunst der Emmentaler-Herstellung nicht einfach ins Ausland weitergeben wollen. Und selbst wenn man das Know-how hätte weitergeben wollen: Um echten Schweizer Emmentaler zu produzieren, hätte es bestimmte Milchsäurebakterien gebraucht; «diese dürfen nicht exportiert werden», so Kriech.

TA

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