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«Niemand ist am Gewinnen»

Die Nato steht wegen der Ermordung von neuen Zivilpersonen in Afghanistan erneut unter Druck. Derweil stellt sich US-General Stanley McChrystal auf eine lange US-Truppenpräsenz in Afghanistan ein.

Wut auf die USA: Bewohner in der afghanischen Nangahar-Provinz protestieren gegen die Nato-Angriffe.
Wut auf die USA: Bewohner in der afghanischen Nangahar-Provinz protestieren gegen die Nato-Angriffe.
Keystone

Die afghanische Regierung hat am Freitag Polizeiermittler in eine Provinz geschickt, in der NATO-Soldaten mehrere Afghanen getötet haben sollen. Nach Angaben der Provinzregierung kamen bei dem Einsatz vergangene Woche neun Zivilpersonen ums Leben, die NATO sprach von acht Aufständischen. Gegen den Zwischenfall demonstrierten mehr als 500 Menschen in der Provinz Nangahar.

Ein Regierungsvertreter im Bezirk Surch Rod sagte, bei den Toten handle es sich um einen Vater, seine vier Söhne sowie vier Mitglieder einer anderen Familie. «Sie waren unschuldig. Sie waren weder Aufständische noch Extremisten», sagte Mohammed Arish der Nachrichtenagentur AP. Wütende Demonstranten errichteten am Freitag Strassenblockaden und setzten Autoreifen und eine amerikanische Fahne in Brand.

Ein Abgeordneter der Provinz Nangahar, Safija Sidiki, warf den internationalen Truppen vor, sich bei dem Einsatz auf falsche Informationen verlassen zu haben, die Staatsfeinde verbreitet hätten, um einen Keil zwischen Zivilbevölkerung und Regierung zu treiben. «Leider bekommen sie falsche Geheimdienstinformationen, oder Spione und diese Nachrichtendienstleute geben vorsätzlich falsche Informationen», sagte er.

Clinton macht Auflagen für Gespräche mit Taliban

Um den Schutz der Zivilbevölkerung bei Militäreinsätzen ging es auch in Gesprächen des afghanischen Präsidenten Hamid Karzai in dieser Woche in Washington. US-Aussenministerin Hillary Clinton sprach am Donnerstag mit Karzai ausserdem über mögliche Verhandlungen mit den Taliban. Gespräche dürften nur mit Aufständischen geführt werden, die ihre Waffen niederlegen, Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida kappen und sich zur afghanischen Verfassung bekennen, sagte Clinton. «Und worauf ich persönlich sehr viel Wert lege: Sie müssen die Rechte der Frau achten», forderte sie weiter.

Nach Einschätzung von US-General Stanley McChrystal ist der Krieg in Afghanistan noch lange nicht entschieden. «Im Moment würde ich sagen, dass niemand dabei ist, zu gewinnen», sagte der Oberbefehlshaber der Internationalen Afghanistan-Schutztruppe ISAF in einem Interview des US-Fernsehsenders PBS. McChrystal wertete dies allerdings als Fortschritt. Noch vor einem Jahr «dachten die Aufständischen, sie seien auf dem Vormarsch, ich glaube, das ist vorbei», sagte der US-General.

McChrystal bleibt zuversichtlich

Den Plan von Präsident Barack Obama, ab Juli 2011 die Zahl der US-Soldaten in Afghanistan zu reduzieren, halte er für «sehr realistisch», erklärte McChrystal. Allerdings werde die Präsenz amerikanischer Truppen in Afghanistan noch weit über diesen Termin hinaus erforderlich sein, um die einheimischen Truppen zu unterstützen.

ddp/jak

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