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Nordkorea bestätigt Entmachtung von Kims Onkel

Letzte Woche hatte der südkoreanische Geheimdienst berichtet, Kim Jong-un habe seinen Onkel, die Nummer zwei in Nordkorea, entmachtet. Nun liefert Pyongyang die Bestätigung – und die Begründung.

Ist nun ebenfalls von der Bildfläche verschwunden: Kim Jong-uns Tante Kim Kyong-hui. (Dezember 2012)
Ist nun ebenfalls von der Bildfläche verschwunden: Kim Jong-uns Tante Kim Kyong-hui. (Dezember 2012)
Keystone
Wollten sie Jang gemeinsam loswerden? Kim Jong-un und seine Tante Kim Kyong-hui. (Februar 2013)
Wollten sie Jang gemeinsam loswerden? Kim Jong-un und seine Tante Kim Kyong-hui. (Februar 2013)
Keystone
In den Nullerjahren wurde er zeitweise als Nachfolger von Kim Jong-il gehandelt: Jang Song-thaek bei einem Meeting in Peking. (14. August 2012)
In den Nullerjahren wurde er zeitweise als Nachfolger von Kim Jong-il gehandelt: Jang Song-thaek bei einem Meeting in Peking. (14. August 2012)
AP Photo
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Die Politkarriere des bislang zweitwichtigsten Mannes im nordkoreanischen Staat ist zu Ende. Jang Song-thaek, Vizechef der Nationalen Verteidigungskommission und Mitglied im Politbüro, wurde aus dem Amt entfernt, wie die Regierung am Montag bestätigte. Dem Onkel von Machthaber Kim Jong-un würde eine Reihe staatsfeindlicher Akte, Korruption und Drogenmissbrauch zur Last gelegt.

Jang habe die Ziele der Kommunistischen Partei verfälscht und geschwächt, hiess es in einer über die Staatsmedien verbreiteten Erklärung. Er habe in der Partei eine eigene Fraktion gegründet und ein illusionäres Bild seiner selbst verbreitet.

Zwei Vertraute Jangs exekutiert

Schon vor einigen Tagen hatte der südkoreanische Geheimdienst Informationen gestreut, wonach Jang entmachtet worden sei. Zwei Vertraute Jangs sollen exekutiert worden sein.

Unter Experten herrscht Uneinigkeit darüber, was der Umbau der Führungsspitze für die Zukunft Nordkoreas bedeutet. Den einen gilt der Rauswurf Jangs als Fingerzeig, dass Kim zwei Jahre nach seinem Amtsantritt versucht, seine Macht zu konsolidieren.

Andere Beobachter sehen das jüngste Durchgreifen auch als Zeichen für das wachsende Selbstbewusstsein des jungen Machthabers. «Ich denke, das zeigt, dass Kim Jong-un die Zügel fest in der Hand hält und mutig genug ist, selbst die ranghöchsten Funktionäre zu entfernen», sagte der Asienexperte Bruce Klingner von der US-Denkfabrik Heritage Foundation. «Es gibt keinen Grund zu glauben, dass sich die nordkoreanische Politik mit dem Rauswurf in irgendeiner Weise ändern wird oder dass die Kim-Dynastie plötzlich ihr schlechtes Verhalten überdenkt.»

Seoul hat Angst vor Instabilität

In Seoul wird allerdings befürchtet, dass die Entmachtung einer so wichtigen politischen Figur wie Jang zu einer gefährlichen Instabilität in der Region führen könnte. Der Geschasste galt etwa als grosser Verfechter von Wirtschaftsreformen nach dem chinesischen Modell.

Jang ist mit einer Schwester des verstorbenen Machthabers Kim Jong-il verheiratet, des Vaters von Kim Jong-un. Dieser regiert das Land nun ohne seinen Onkel, der lange als sein Mentor gegolten hatte. Zuletzt war Jang am 6. November in nordkoreanischen Medien gezeigt worden. Er war früher schon einmal von der Macht entfernt worden, bekleidete aber später wieder einflussreiche Ämter in Nordkorea.

«Unschickliche Beziehungen mit Frauen»

Jetzt ist seine Karriere offenbar endgültig vorbei. Ihm wurde in der Erklärung Machtmissbrauch vorgehalten. Jang sei «in Unregelmässigkeiten und Korruption verwickelt» gewesen. Auch habe er «unschickliche Beziehungen mit Frauen» gehabt. Während einer medizinischen Behandlung im Ausland soll er in Casinos gespielt haben, wie es weiter hiess.

Jang ist nach einer Reihe von Entlassungen im Staatsapparat der bislang bedeutendste Politiker, der gehen muss. Erst im vergangenen Jahr feuerte Kim den bisherigen Militärchef Ri Yong-ho – offiziellen Angaben zufolge wegen einer Krankheit. Doch Experten gehen davon aus, dass Ri weggeschickt wurde, weil Kim die Machtstrukturen neu ordnen wollte.

AP/chk

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