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Sie orchestriert den Kim-Kult

Mit der Schwester von Diktator Kim Jong-un besucht erstmals ein Mitglied der Kim-Dynastie Südkorea. Wer ist die 30-Jährige mit Schweizer Vergangenheit?

Vincenzo Capodici
Enge politische Vertraute: Die Geschwister Kim Yo-jong und Kim Jong-un.
Enge politische Vertraute: Die Geschwister Kim Yo-jong und Kim Jong-un.
Keystone

Nordkorea schickt eine hochrangige Delegation ins südkoreanische Pyeongchang, wo am Freitag die Olympischen Winterspiele beginnen. Der Delegation gehört auch Kim Yo-jong an: Sie ist eine Schwester des nordkoreanischen Diktators Kim Jong-un. Die junge Frau hat in wenigen Jahren eine steile Karriere im Machtapparat in Pyongyang gemacht. Und sie ist massgeblich verantwortlich für die Propaganda ihres Bruders. Wegen ihrer Rolle im nordkoreanischen Regime haben die USA im November 2017 die Kim-Schwester auf eine Sanktionsliste gesetzt.

Kim Yo-jong ist in der Öffentlichkeit kaum bekannt. Informationen über die Schwester von Kim Jong-un liefert die Nordkorea-kritische Website «North Korea Leadership Watch». Demnach ist sie am 26. September 1987 als Tochter von Diktator Kim Jong-il und seiner dritten Frau, Ko Yong-hi, in Pyongyang geboren.

Primarschule in Bern

Wie der ältere Bruder und heutige Diktator Kim Jong-un verbrachte sie einige Jahre in der Schweiz. Von 1996 bis 2000 besuchte sie unter falschem Namen eine private Primarschule in Bern. Zurück in Nordkorea soll sie Informatik an der Kim-Il-sung-Universität studiert haben. An der Seite ihres Vaters begann ihr Aufstieg in Partei und Staat. Nach dessen Tod Ende 2011 kümmerte sie sich um die Propagandakampagne, die ihren Bruder Kim Jong-un als neuen Herrscher Nordkoreas etablieren sollte. Damals tauchte sie auch erstmals in Aufnahmen des nordkoreanischen Staatsfernsehens auf.

Steile Karriere machte die 30-Jährige in der Propagandaabteilung der Arbeiterpartei und im Propagandaministerium der Volksrepublik Nordkorea. Sie wurde in kurzer Zeit in Führungspositionen befördert und gilt als oberste Propagandistin ihres drei Jahre älteren Bruders. Als enge Vertraute plant und kontrolliert sie öffentliche Auftritte des Diktators. Sie bestimmt auch, welche Fotos ihres Bruders der nordkoreanischen Bevölkerung und der Weltöffentlichkeit gezeigt werden sollen. Sie ist massgeblich für den Personenkult verantwortlich, der typisch ist für die Herrscher der Kim-Dynastie. Für das heimische Publikum wird Kim Jong-un als volksnaher Staatsmann inszeniert.

Nach Angaben aus Südkorea ist die Kim-Schwester mit dem Sohn eines hohen Regierungsbeamten verheiratet. Dieser arbeitet offenbar für eine Geheimorganisation, die für die Mitglieder der Nomenklatura Luxusgüter aus dem Ausland besorgt. Zudem soll sie mit Falschgeld und Drogenhandel Devisen für Pyongyang beschaffen.

Propaganda für den Bruder: Kim Yo-jong und Kim Jong-un. Foto: Keystone
Propaganda für den Bruder: Kim Yo-jong und Kim Jong-un. Foto: Keystone

Mit Kim Yo-jong reist erstmals ein Mitglied der Kim-Dynastie nach Südkorea. Für das offizielle Südkorea nährt das die Hoffnung auf eine Annäherung im Konflikt um das Atomwaffenprogramm von Pyongyang. Schon die Teilnahme nordkoreanischer Sportler an den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang gilt als wichtiges Zeichen der Entspannung im Verhältnis zwischen den beiden verfeindeten Staaten. Nordkoreas Delegation in Pyeongchang wird von Kim Yong-nam angeführt. Dieser amtet als Vorsitzender der Obersten Volksversammlung Nordkoreas und ist damit protokollarisches Staatsoberhaupt, also der ranghöchste Mann hinter dem Diktator.

USA kündigen härteste Sanktionen an

Auch die USA werden mit einer hochrangigen Delegation an die Olympischen Winterspiele reisen. Man werde sich nicht von der Charme-Offensive Nordkoreas blenden lassen, sagte US-Vizepräsident Mike Pence, der die amerikanische Delegation anführt. Die USA markieren Härte: Pence hat bereits die bislang «härtesten und aggressivsten Sanktionen» seines Landes gegen Nordkorea angekündigt.

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