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«Sobald wir die Gegend verlassen, stellen sie die Arbeit ein»

Die afghanische Armee soll einst für Ruhe und Sicherheit im eigenen Land sorgen können. Ein US-Bericht zieht jedoch ein ernüchterndes Fazit.

Chaotische Verhältnisse: Eine afghanische Einheit in der Provinz Kandahar.
Chaotische Verhältnisse: Eine afghanische Einheit in der Provinz Kandahar.
Reuters

Die Aussichten auf einen Abzug der internationalen Truppen aus Afghanistan stehen und fallen mit der Frage, ob die afghanische Armee und Polizei selbst für Sicherheit in ihrem Land sorgen können. Ein US-Bericht zieht dazu nun ein ernüchterndes Fazit.

Wie viele afghanische Soldaten und Polizisten tatsächlich anständig ausgebildet und einsatzbereit sind, ist seit Jahren umstritten. Ein US-Bericht kritisiert jetzt die Methoden, mit denen die Nato-Staaten seit 2005 die Einsatzbereitschaft der Afghanen messen.

«Stand heute wissen wir nicht, was die afghanischen Sicherheitskräfte wirklich können», sagte Arnold Fields, vom Büro des Sondergeneralinspektors für den Aufbau in Afghanistan, am Montag in Washington. So unterscheiden sich laut dem Bericht sogar die Tabellen, nach denen das Können der afghanischen Soldaten eingestuft wird, von Region zu Region. Die Truppenstärke werde übertrieben und die Abwesenheit von Soldaten ignoriert.

Nicht immer an der Arbeit

Die afghanischen Sicherheitskräfte liessen ihre Aufgaben häufig auch dann im Stich, wenn sie von ihren Ausbildern ausgezeichnete Noten erhalten hätten. «Die afghanische Polizei stellte oft einfach die Arbeit ein, sobald wir die Gegend verlassen hatten», beschwerte sich eine Gruppe von Ausbildern laut Bericht.

Nachdem die Prüfer auf die Probleme bei der Bewertung der afghanischen Sicherheitskräfte hingewiesen hatten, hätten die Kommandanten der internationalen Truppen ihr altes System kürzlich gegen ein neues ausgetauscht, sagte Chefinspektor Fields.

Dennoch würde es Fields schwerfallen, dem künftigen Kommandanten der internationalen Truppen am Hindukusch, General David Petraeus, einen Ausbildungsstand zu nennen. «Ich fände es sehr schwierig, den hochrangigen Führern meines Landes konkret zu sagen, wo wir stehen bei Ausbildung, Ausrüstung und Fähigkeiten der afghanischen Sicherheitskräfte», sagte Fields.

Viele Missstände

Eigentlich sollte die afghanische Armee bis Oktober 2010 über 134'000 Soldaten verfügen, bis Oktober 2011 sollten 171'000 Soldaten bereitstehen. Die Zielstärken für die Polizei sind 109'000 für 2010 und 134'000 für 2011. Insgesamt 27 Milliarden Dollar wurden für den Aufbau von Polizei und Armee bisher ausgegeben.

Alle Bemühungen würden jedoch durch die weit verbreitete Korruption und den Drogenmissbrauch bei den Sicherheitskräften behindert, schrieben die Prüfer. Es gebe zu wenige Ausbilder, die manchmal selbst schlecht ausgebildet seien. Ausserdem erschwerten logistische Albträume die Arbeit.

Ausbildung per Funk

Es existierten zahlreiche Berichte über Polizisten, die Benzin oder Waffen abzweigten und Reisenden an Kontrollpunkten Geld abknöpften. Einer afghanischen Erhebung zufolge seien 17 Prozent der Polizisten drogensüchtig. Die Nato halte diese Quote allerdings für zu niedrig gegriffen.

Einige Gegenden seien so gefährlich, dass die Ausbildung per Funk stattfinden müsse. Einen Polizeidistrikt in der nordafghanischen Provinz Baghlan, der von August 2008 bis Juni 2009 Topnoten von den Ausbildern erhalten hatte, konnten die Prüfer im Februar 2010 nicht mehr besuchen, weil die Gegend vor Aufständischen strotzte.

Miserable Bedingungen

Auch Verzögerungen bei Bauprojekten behinderten die Ausbildung. Afghanische Soldaten in der Provinz Kundus seien in Behelfsunterkünften untergebracht gewesen, als die Prüfer im Februar vorbeikamen.

«Wir sahen Soldaten, die mit tiefem Schlamm kämpften, eisigen Temperaturen, unhygienischen Duschen und Toiletten, unzulänglichen Ess-Sälen und unhygienischer Lebensmittel-Lagerung. Abwasser und Fäkalien wurden offen über den Boden des Lagers abgeleitet», hiess es in dem Bericht.

SDA/jak

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