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Australien erzielt Wachstums-Weltrekord

Viele Australier haben noch nie erlebt, was eine Rezession ist. Down ­Under wächst die Wirtschaft seit 26 Jahren. Grosse Teile des Booms sind China zu verdanken. Das bereitet jetzt Sorgen.

Der Bergbau ist die wichtigste Exportbranche des Landes.
Der Bergbau ist die wichtigste Exportbranche des Landes.
Getty Images

Die Australier nennen ihre Heimat gern das «Lucky Country», das glückliche Land. Und das liegt nicht nur am Rugby, an den Stränden und der vielen Sonne. Gestern war aus anderem Grund ein Tag zum Glücklichsein: Die nationale Statistikbehörde ABS gab bekannt, dass Australiens Wirtschaft nun 26 Jahre ohne ­Rezession überstanden hat ­– so lange wie noch nie eine Indus­trienation zuvor.

Im zweiten Quartal, also von Anfang April bis Ende Juni, wuchs die australische Wirtschaft im Vergleich zum Vorquartal um 0,8 Prozent. Nach dem etwas flauen Start (0,3 Prozent) ins Jahr ging es deutlich aufwärts. Aber was noch wichtiger ist: Damit ist das Land nun 104 Quartale in Folge rezessionsfrei. Der bisherige Rekord von 103 Quartalen – gehalten von den Niederlanden (und seit einem Vierteljahr auch von Australien) – ist geknackt.

Viele andere Regierungen würden von solchen Zahlen träumen, aber für Down Under ist das Dauerplus praktisch der Normalzustand. Eine ganze Generation an Australiern kennt das inzwischen gar nicht anders.

Als die Wirtschaftsleistung letztmals zwei Quartale hinter­einander schrumpfte (dann sprechen Experten von einer Re­zession), war man im Jahr 1991. Anderswo regierten noch Michail Gorbatschow und George Bush, in Australien selbst ein Mann ­namens Bob Hawke.

Starke Nachfrage aus Asien

Als amtierender Regierungschef kann nun, sechs Premierminister später, der konservative Ministerpräsident Malcolm Turnbull die Glückwünsche einheimsen. Die Grundlage für den Erfolg ­­– neben Arbeitsmarktreformen, einer vernünftigen Geldpolitik und einem Bevölkerungswachstum von 17 Millionen auf jetzt fast 25 Millionen Einwohner – ist die anhaltend starke Nachfrage aus Asien. Aus Australien werden dort vor allem Bodenschätze wie Gas, Öl, Kohle und Erz gebraucht, aber auch Agrarprodukte.

Für Australien ist die Volksrepublik China längst mit Abstand der wichtigste Handelspartner. Ein Drittel der Exporte geht ­heute dorthin. Zum Vergleich: 1991 waren es 2 Prozent. Ausser China selbst hat in den vergangenen Jahrzehnten wahrscheinlich kein Land auf der Welt so sehr von Chinas Wachstum und seiner Industrialisierung profitiert wie Australien. Auch auf Australiens Häuser- und Wohnungsmarkt sind Chinesen sehr aktiv. In Sydney haben sich die Preise binnen acht Jahren verdoppelt. Viele der Leute, die schon länger im Land sind, können sich das nicht mehr leisten – allem Wachstum zum Trotz.

In der Abhängigkeit von China liegt aber auch die grösste Gefahr für die zwölftgrösste Volkswirtschaft der Welt. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) nennt das eine «grosse Quelle der Ungewissheit».

Der aktuelle Streit um Nordkoreas Atomprogramm wird in Australien mit noch grösserer Sorge verfolgt als anderswo. Dies auch, weil dies in einen Handelskrieg zwischen den USA und China münden könnte. Handelsminister Steven Ciobo warnte diese Woche schon: «Das hätte zur Folge, dass die Welt in eine Rezession abrutschen könnte und wir Tausende Jobs verlören.» Der Nordkorea-Konflikt war gestern auch Thema bei einem Telefonat zwischen Turnbull und US-Präsident Donald Trump. Turnbull forderte China anschliessend auf, mehr wirtschaftlichen Druck auf Nordkorea zu machen.

Letzten Rekord brechen

Noch aber zeigen sich die Australier optimistisch. Die Zentralbank RBA geht aufs Jahr gerechnet von etwa 3 Prozent Wachstum aus. Falls das so weitergeht, könnte Australien 2024 sogar eine Allzeitbestleistung übertreffen. Denn noch länger – 33 Jahre, von 1960 bis 1993 – kam bislang Japan ohne Rezession aus. Für die meisten Experten zählt dieser Rekord aber nicht wirklich, weil Japan zu Beginn dieser Zeit noch nicht zu den grossen Industrienationen gehörte.

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