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Geheimdienstmann mit schwarzer Weste

Der libysche Aussenminister Mussa Kussa war kein zweitrangiger Erfüllungsgehilfe Ghadhafis, sondern eine tragende Säule seines Regimes. Seine Flucht nach London hat Ghadhafi laut Experten schwer getroffen.

War mehr als nur ein Statthalter von Oberst Ghadhafi: Libyens ehemaliger Aussenminister Mussa Kussa.
War mehr als nur ein Statthalter von Oberst Ghadhafi: Libyens ehemaliger Aussenminister Mussa Kussa.
Keystone

Die Reaktionen der Opposition auf den Rücktritt von Aussenminister Mussa Kussa waren geteilt. Einige Regimegegner freuten sich, dass Kussa aus Protest gegen das Vorgehen des Regimes die Seiten gewechselt hat, weil Ghadhafi dadurch noch isolierter dasteht. Andere Libyer merkten dagegen an, Kussa sei bloss ein Opportunist, der sich abgesetzt habe, weil er nicht mehr an den Sieg der Gaddafi-Anhänger glaube.

Mussa Kussa ist 62 Jahre alt. Er stammt aus Tadschura, einer Vorstadt von Tripolis. Nach einem Soziologiestudium in den USA machte er als Staatsdiener Karriere, wobei er mehrfach zwischen dem Sicherheitsapparat und der Diplomatie wechselte.

1980 aus Grossbritannien ausgewiesen

Dass er nun ausgerechnet Grossbritannien als Exilort gewählt hat, erstaunt, da ihn die Briten 1980 ausgewiesen hatten. Kussa, der an der libyschen Botschaft in London sowohl als Sicherheitsmann als auch als Diplomat akkreditiert war, hatte damals öffentlich erklärt, Libyen wolle Regimegegner in Grossbritannien töten. Ausserdem drohte er, Libyen werde die irische Untergrundorganisation IRA unterstützen, falls die Briten nicht bereit sein sollten, libysche Oppositionelle auszuliefern.

In libyschen Oppositionskreisen heisst es, Kussa sei auch direkt an der Planung von Attentaten auf mehrere Regimegegner in Europa beteiligt gewesen. Angeblich hatte der Mann zudem bei der Planung von Terroranschlägen seine Finger mit ihm Spiel. Von 1994 bis 2009 war Mussa Kussa Chef des libyschen Geheimdienstes, bevor er im März 2009 das Amt des Aussenministers übernahm.

Erfahren im Umgang mit Diplomaten

Er hatte jedoch schon vor dieser Zeit mit ausländischen Diplomaten zu tun. Unter anderem war er an den Verhandlungen über die Freilassung des an Krebs erkrankten Lockerbie-Attentäters Abdelbaset al-Megrahi aus schottischer Haft beteiligt.

Aus den von Wikileaks veröffentlichten Depeschen des US-Aussenministeriums geht hervor, dass Kussa Ghadhafi in einem Gespräch mit US-Diplomaten im Juli 2009 als grossen Visionär gerühmt hatte. In seiner Rolle als Aussenminister fiel er zum letzten Mal auf, als er am 18. März einen «Waffenstillstand» verkündete, der nie Wirklichkeit wurde.

Mussa Kussa geniesse in Grossbritannien keine Immunität vor Strafverfolgung, sagte der britische Aussenminister William Hague.

(SDA)

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