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Ghadhafis neuste Waffe ist die Gasmaske

Der Diktator ist seit der Bombardierung Libyens geschwächt, doch mit psychologischer Kriegsführung sorgt er weiterhin für Schrecken. Die Aufständischen lässt er glauben, er setze bald chemische Waffen ein.

Erfolgreicher Schlag für Ghadhafi: Ein Treibstoffdepot in Misrata geht in die Luft. (7. Mai 2011)
Erfolgreicher Schlag für Ghadhafi: Ein Treibstoffdepot in Misrata geht in die Luft. (7. Mai 2011)
AFP
Libysche Aufständische verladen in Benghazi Waren für Misrata. (7. Mai 2011)
Libysche Aufständische verladen in Benghazi Waren für Misrata. (7. Mai 2011)
AFP
Ghadhafi-treue Soldaten lassen sich auf einer geführten Pressetour der Regierung fotografieren. (28. März 2011)
Ghadhafi-treue Soldaten lassen sich auf einer geführten Pressetour der Regierung fotografieren. (28. März 2011)
Reuters
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Ein Drittel von Ghadhafis Waffen sollen die Nato-Truppen bereits zerstört haben. Allein die britischen Truppen haben gemäss dem «Telegraph» 250 Panzer und Artilleriestellungen vernichtet – und trotzdem verbreiten die Soldaten des libyschen Machthabers Angst und Schrecken. Denn während seine bewaffneten Truppen schwächer werden, verstärkt Muammar al-Ghadhafi die psychologische Kriegsführung.

Militärische Berater, die Grossbritannien nach Libyen geschickt hat, um die Aufständischen zu unterstützen, berichten von Verwirrspielen des Diktators. Er schürt vor allem Ängste in der Bevölkerung. So lässt er gemäss der britischen Zeitung seine Soldaten an der Front Gasmasken tragen. Dies soll die Rebellen einschüchtern und denken lassen, der Machthaber fahre als Nächstes chemische Waffen auf. Vor allem im Kampf um die Stadt Misrata wendet er diese Taktik an. Die Rebellen forderten deshalb ihren Übergangsrat in Benghazi dazu auf, Gasmasken nach Misrata zu schicken.

UNO glaubt nicht an chemische Waffen

Gerüchte, dass Ghadhafi über chemische Waffen verfügt, machen schon länger die Runde. Gemäss den britischen Beratern ist die Furcht davor aber vermutlich unbegründet. «Ghadhafi hat keine chemischen Waffen in verwertbarer Form», zitiert der «Telegraph» einen von ihnen. Auch gemäss der UNO ist der Einsatz von Waffen unwahrscheinlich. Denn der libysche Machthaber zerstörte im Rahmen seines Versöhnungsabkommens mit dem Westen im Jahr 2003 seine Fliegerbomben. Deshalb habe er gar keine Möglichkeit mehr, chemische Waffen abzufeuern.

Trotzdem fürchten sich die Aufständischen vor dem möglichen Chemie-Arsenal des Diktators. So kursieren auch immer wieder Gerüchte, er würde gezielt Brunnen und Wasserquellen verseuchen. Tatsächlich hat der militärische Aufklärungsdienst der Briten aufgedeckt, dass Regierungstruppen in der Bergregion Jebel Mustafa Wasserschächte vergifteten. Das Wasser fliesst in die Rebellenhochburg Nalut.

Soldaten mischen sich unter die Rebellen

Hinzu kommt, dass sich die Aufständischen offenbar gegenseitig nicht mehr trauen können. Denn viele Soldaten von Ghadhafi sollen ihre Uniform abgestreift und sich unter die Rebellen gemischt haben. Auf diese Weise versuchen sie, die gegnerischen Truppen zu infiltrieren. Der Kampf sei deshalb nicht mehr so einseitig wie zuvor, sagt der militärische Berater. Wo die Kampflinien verlaufen, ist somit immer weniger ersichtlich. «Furcht ist eine entscheidende Komponente bei allem, was Ghadhafi zu erreichen versucht.»

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