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Offenbar Schiff mit 600 Flüchtlingen gesunken

Vor der libyschen Küste ist nach Berichten von Augenzeugen ein Flüchtlingsschiff auseinandergebrochen. Leichen seien auf dem Wasser gesehen worden.

Eine Sprecherin des UNO-Flüchtlingshilfswerks UNHCR erklärte, man bemühe sich derzeit um eine Bestätigung der Angaben, nach denen ein Flüchtlingsschiff mit 600 Menschen an Bord am Freitag auf dem Meer auseinanderbrach.

Augenzeugen, die wenig später an Bord eines anderen Schiffes in See stachen, sagten, sie hätten das Wrack und Leichen im Wasser gesehen. Dieses Schiff erreichte später Italien. UNHCR-Sprecherin Laura Boldrini erklärte, in den vergangenen Monaten hätten mindestens drei Flüchtlingsschiffe Libyen verlassen und Italien nie erreicht.

Doch Tote bei Unfall am Sonntag

Gestern ereignete sich ein weiterer Unfall: Vor der süditalienischen Insel Lampedusa wurden die Leichen von drei Flüchtlingen geborgen, deren Schiff vor dem Hafen auf Felsen aufgelaufen war. Italienischen Medienberichten zufolge entdeckte die Küstenwache die Toten bei Bergungsarbeiten unter dem Boot.

An Bord waren über 500 Flüchtlinge aus Libyen. In einer Massenpanik hatten sich viele der verzweifelten Menschen – darunter auch schwangere Frauen und kleine Kinder – ins Wasser gestürzt. Hunderte konnten gerettet werden dank des gemeinsamen Einsatzes von Küstenwache, Polizei, Carabinieri und Hilfsorganisationen. In ersten Berichten hatte es geheissen, alle Flüchtlinge hätten den Schiffbruch überlebt.

Flüchtlinge aufs Festland gebracht

Rund 1300 Flüchtlinge aus Libyen, die in den vergangenen Tagen Lampedusa erreicht hatten, verliessen die Insel am Montag an Bord eines Schiffes. Die Flüchtlinge sollen nach Neapel, Livorno und Cagliari geführt werden. Auf der Insel blieben nur 80 tunesische Migranten.

Sie sollen in den nächsten Tagen abgeschoben werden. Aufgrund eines Abkommens zwischen Italien und Tunesien werden alle tunesischen Migranten in ihre Heimat abgeschoben, die seit Anfang April nach Italien kommen.

Regierung schlägt erneut alarmistische Töne an

Die Regierung in Rom befürchtet, dass demnächst bis zu 50'000 Flüchtlinge aus Libyen Italien erreichen könnten. Dabei handle es sich vor allem um Afrikaner, die in Libyen arbeiteten und nicht in ihrer Heimatstaaten zurückkehren könnten, sagte Italiens Aussenstaatssekretär Alfredo Mantica der Tageszeitung «La Stampa» vom Montag.

Mantica forderte die EU auf, sich des Problems anzunehmen. «Europäische Solidarität» sei in diesem Fall dringend nötig, sagte Mantica.

«Apokalyptischen» Flüchtlingswelle

Bereits im Februar hatte die Regierung vor einer kurz bevorstehenden «apokalyptischen» Flüchtlingswelle aus Nordafrika nach Italien gewarnt und von Hundertausenden gesprochen, die Europa erreichen wollten.

Seit Beginn der Revolte in Nordafrika und arabischen Staaten Mitte Dezember landeten etwa 30'000 Menschen auf Lampedusa, davon rund 25'000 aus Tunesien. Tunesien selbst wiederum hat zwischenzeitlich über 200'000 Flüchtlinge aus Libyen aufgenommen und versorgt.

dapd/bru

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