Zum Hauptinhalt springen

Saif al-Islam hinter dem Rücken des Vaters

Selbst in der eigenen Familie schwindet der Rückhalt für den libyschen Diktator Muammar al-Ghadhafi. Hinter den Kulissen wird offenbar fleissig intrigiert. Sohn Saif plant demnach eine Zukunft ohne Vater.

Verzweifelte Suche nach einer Lösung: Saif al-Islam al-Ghadhafi.
Verzweifelte Suche nach einer Lösung: Saif al-Islam al-Ghadhafi.
Keystone

Libyens Machthaber Muammar al-Ghadhafi verliert eine Vertrauensperson nach der anderen. Mindestens fünf ehemalige Regierungsmitglieder haben sich inzwischen von ihm losgesagt. Der letzte in dieser Reihe war sein langjähriger Weggefährte und Aussenminister Moussa Koussa. Für Ghadhafi wird es eng. Hinter den Kulissen wird entsprechend fleissig verhandelt.

So traf sich der libysche Vertreter Mohammed Ismail letzte Woche zu Gesprächen in London mit britischen Regierungsmitgliedern. Gestern hat sich nun auch der amtierende libysche Aussenminister Abdul Ati al-Obeidi in Athen mit dem griechischen Regierungschef Giorgos Papandreou getroffen. Wie die «New York Times» nun berichtet, sollen nun auch Ghadhafis Söhne Saif und Saadi einen politischen Lösungsvorschlag ausgearbeitet haben.

Demnach soll der Diktator Platz machen für einen Übergang des Landes zur Demokratie. Der Übergangsprozess soll dabei von Saif persönlich angeführt werden. Die «New York Times» beruft sich dabei auf die Aussagen eines libyschen Diplomaten.

Saif hat viel an Kredit eingebüsst

Unklar ist, ob Libyens Machthaber Ghadhafi selbst den Plan aktiv unterstützt. Aus dem Umfeld seiner Söhne verlautete jedoch, der 68-Jährige sei bereit, sich dem Vorhaben zu fügen. Die beiden Ghadhafi-Söhne wollten ohne ihren Vater «auf einen Wandel des Landes» hinarbeiten, zitiert die «New York Times» eine Quelle aus dem Umfeld von Saif und Saadi Ghadhafi. Wenn die beiden grünes Licht bekämen, würden sie «das Land schnell erneuern».

Inwiefern die Ghadhafi-Söhne für ihren Vorstoss internationale Unterstützung erhalten, ist jedoch fraglich. Gerade Saif, der zu westlichen Wirtschaftsreformen und zu einer politischen Öffnung tendierte, hat mit seinem unerbittlichen Verhalten gegenüber den Aufständischen international viel an Glaubwürdigkeit eingebüsst.

Nicht alle ziehen am gleichen Strick

Der Alleingang der beiden Ghadhafi-Söhne widerspiegelt nach Einschätzung der «New York Times» vor allem auch die Spannung innerhalb der Familie des Machthabers. Während Saif und Saadi als eher liberal gelten, seien die Söhne Chamis und Mutassim als Hardliner einzustufen. Chamis steht demnach einer regierungstreuen Miliz vor. Der nationale Sicherheitsberater Mutassim sei ein Rivale von Saif bei der Nachfolge von Muammar al-Ghadhafi.

«Es handelt sich hier ohnehin um eine Familie, in der es viele Meinungsunterschiede gibt», erklärte der Politologe Dieter Ruloff in einem Interview mit Redaktion Tamedia. Es werde darauf spekuliert, dass Ghadhafis Leute die Nerven verlieren. Ghadhafi ist von den Ölexporten abgeschnitten. Sein verbliebenes Vermögen werde kaum ausreichen, um den Machtapparat über Jahre aufrechtzuerhalten, meinte Ruloff weiter.

Pattsituation in Libyen

Der Konflikt in Libyen befindet sich seit Wochen in einer Pattsituation. Die Waffen- und Nahrungslieferungen gehen auf beiden Seiten langsam aus. Gerade für die Regierung in Tripolis wird es immer schwieriger die Anhänger bei Laune zu halten. In diesem Sinne muss der jüngste Vorstoss von Saif al-Islam vor allem als ein Zeichen der Nervosität innerhalb der Ghadhafi-Familie gewertet werden.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch