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Während Ghadhafis Rede schlugen die Nato-Bomben ein

Libyens bedrängter Machthaber hat sich im Staatsfernsehen offen für Verhandlungen mit der Nato gezeigt. Zeitgleich bombardierte das Bündnis Regierungsgebäude in Tripolis. Drei Menschen wurden verletzt.

Er wäre auch zu einer Waffenruhe bereit, wenn sie alle Beteiligten einschliesse, sagte Ghadhafi nach Berichten des arabischen Nachrichtensender al-Jazeera am frühen Morgen bei einem Auftritt im libyschen Staatsfernsehen. Ghadhafi erklärte in seiner mehr als einstündigen Rede, die libysche Bevölkerung könne das politische System im Land frei wählen. Bedroht von Bombardements sei das aber nicht möglich, erklärte der Machthaber.

Er wirkte sichtlich müde und gedrückt, zugleich aber kampfeswillig. «Warum tötet ihr unsere Kinder? Warum zerstört ihr unsere Infrastruktur?», fragte Ghadhafi. Berichte, wonach seine Truppen Zivilpersonen getötet hätten, wies er zurück.

«Eine Waffenruhe kann nicht einseitig sein. Wir wären die ersten, die eine Waffenruhe akzeptieren (...), aber der Angriff der Nato-Kreuzfahrer hat nicht aufgehört», wird Ghadhafi weiter zitiert. Er schloss aus, sein Land zu verlassen. Er werde nicht gehen. «Niemand kann mich dazu zwingen, mein Land zu verlassen, und niemand kann mir sagen, dass ich nicht für mein Land kämpfen soll», sagte er.

Nato-Luftangriffe auf Regierungsgebäude

Bei mindestens zwei Nato-Luftangriffen auf Regierungsgebäude in der libyschen Hauptstadt Tripolis sind am frühen Morgen nach Polizeiangaben drei Menschen verletzt worden. In dem Komplex ist auch die Behörde für Rundfunkübertragungen untergebracht, ihre Büros blieben unbeschädigt.

Die Angriffe hätten Machthaber Muammar al-Ghadhafi gegolten, sagte ein Regierungssprecher. Der Staatschef hielt zum Zeitpunkt der Angriffe eine im Staatsfernsehen übertragene Rede. Wo er sprach, war zunächst nicht bekannt.

Umkämpfte Stadt Misrata

Rebellen und Truppen von Ghadhafi hatten sich am Freitag erneut bekämpft. Besonders erbittert waren die Gefechte um die Küstenstadt Misrata. Die Nato hinderte Ghadhafi-Einheiten nach eigenen Angaben daran, im Hafen der Stadt Wasserminen zur Zerstörung von Schiffen zu installieren. Auch um den Flughafen der Stadt lieferten sich Rebellen und Regierungstruppen weiter heftige Gefechte.

Die libysche Regierung bot den Rebellen in Misrata nach eigenen Angaben eine Amnestie an, wenn sie ihre Kämpfe einstellen. Ein Regierungssprecher sagte an einer Medienkonferenz in Tripolis, das Justizministerium des Landes rufe «alle bewaffneten Gruppen in Misrata auf, im Gegenzug für eine Straffreiheit ihre Waffen niederzulegen».

Proteste in Tripolis

In Tripolis war es nach Rebellenangaben am Freitag erstmals seit Wochen wieder zu einer Demonstration von Regimegegnern gekommen. Dabei schossen Regierungstruppen den Angaben zufolge auf die Demonstranten und trieben sie mit Tränengas auseinander.

Die Proteste hätten sich in den Vierteln Souk al-Dschumaa und Tadschura ereignet. Oppositionelle, die in den vergangenen Wochen aus der Hauptstadt geflüchtet waren, hatten erklärt, in Tripolis herrsche ein Klima der Angst.

SDA/ AFP/ dapd/pbe

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