Zum Hauptinhalt springen

60'000 protestieren in Baden-Württemberg gegen Atomenergie

Bei spontanen Demonstrationen entstand in Deutschland am Samstag eine Menschenkette von 45 Kilometern Länge. Die Teilnehmer protestierten gegen Atomenergie und die Energiepolitik der Bundesregierung.

Menschenkette gegen die Atomkraft: Bei Stuttgart gehen Zehntausende auf die Strasse.
Menschenkette gegen die Atomkraft: Bei Stuttgart gehen Zehntausende auf die Strasse.
Keystone
Die Message der Protestierenden ist deutlich: Menschenkette vor dem Kernkraftwerk in Neckarswestheim.
Die Message der Protestierenden ist deutlich: Menschenkette vor dem Kernkraftwerk in Neckarswestheim.
Keystone
«Richtig abschalten - überall!»: Demonstraten fordern den Ausstieg aus der Kernenergie.
«Richtig abschalten - überall!»: Demonstraten fordern den Ausstieg aus der Kernenergie.
Reuters
1 / 5

Mehrere Zehntausend Menschen haben am Samstag in Baden-Württemberg für einen Ausstieg aus der Atomenergie demonstriert. Sie bildeten zwischen dem Atomkraftwerk Neckarwestheim und Stuttgart eine 45 Kilometer lange Menschenkette. Nach Angaben der Veranstalter beteiligten sich etwa 60'000 Menschen an der Aktion. Erwartet worden waren rund 40'000. Die Polizei gab zunächst keine eigene Zahl bekannt. Für 15.30 Uhr ist eine Schlusskundgebung in Stuttgart geplant.

Allein rund um das Schloss in Ludwigsburg demonstrierten mindestens 10'000 Atomkraftgegner unter anderem mit Sprechchören und Trommeln lautstark gegen die im Herbst beschlossene Laufzeitverlängerung für deutsche Atomkraftwerke. Heftig diskutiert wurden auch die aktuellen Ereignisse in Japan, wo es nach dem Erdbeben und einem Tsunami am Freitag zu einer Kernschmelze im Reaktor Fukushima gekommen sein soll. Dort droht eine atomare Katastrophe.

Können nicht Defizite ignorieren

Der Geschäftsführer des Landesverbands BUND, Berthold Friess, sagte der Nachrichtenagentur dapd in Neckarwestheim, die Ereignisse um den japanischen Atomreaktor zeigten, wie riskant der Einsatz dieser Energietechnologie sei. «Wir sind mit unseren Gedanken bei den Opfern in Japan und hoffen, dass diese furchtbaren Ereignisse auch bei der Landesregierung für ein Umdenken sorgen», sagte Friess.

Ähnlich äusserte sich der evangelische Pfarrer Ulrich Koring, der wie Friess zu den Organisatoren der Menschenkette gehört. «Wir können nicht nach Japan schauen und gleichzeitig die bestehenden Defizite deutscher Atomkraftwerke ignorieren», sagte der 59-Jährige.

Empörung steigt

Auch wenn es in Deutschland aller Wahrscheinlichkeit nicht zu so starken Erdbeben wie in Japan kommen könne; das Risiko von Flugzeugabstürzen und Terroranschlägen sei dennoch ebenso realistisch. Die Menschen in ganz Deutschland forderten den Atomausstieg. Der Sprecher der Initiative «ausgestrahlt», Jochen Stay, führte die unerwartet hohe Beteiligung an den Protesten auch auf die Ereignisse in Japan zurück: Dort habe sich wieder einmal bestätigt, «wie unbeherrschbar und gefährlich Atomenergie ist.»

Deshalb steige die Empörung über die Atompolitik. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus (beide CDU) würden merken: «Wer Laufzeiten verlängert, verkürzt seine Regierungszeit.» In Baden-Württemberg wird in zwei Wochen ein neuer Landtag gewählt.

AFP/sam

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch