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Ölfracht-Kähne auf dem Rhein gestoppt

Die Gewalt am Rande der Massenproteste in Frankreich breitet sich aus. Kurz vor der erwarteten Schlussabstimmung im Senat über die Rentenreform standen in Lyon Autos und Mülltonnen in Flammen.

Entspannung beim Treibstoff: Ein Tanklastwagen verlässt eine Raffinerie in Donges.
Entspannung beim Treibstoff: Ein Tanklastwagen verlässt eine Raffinerie in Donges.
Keystone
Zieht die Fäden: Der 16-jährige Chef der linken Gewerkschaft der Gymnasiasten, Victor Colombani.
Zieht die Fäden: Der 16-jährige Chef der linken Gewerkschaft der Gymnasiasten, Victor Colombani.
AFP
Auslandsverbindungen betroffen: Auch die TGV-Angestellten streiken.
Auslandsverbindungen betroffen: Auch die TGV-Angestellten streiken.
Keystone
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.Randalierer schlugen am Dienstag zudem Schaufenster ein und plünderten Geschäfte. Im Pariser Vorort Nanterre setzte die Polizei erneut Tränengas gegen vermummte Jugendliche ein. Ein 15-jähriges Mädchen wurde schwer verletzt, als ein Motorroller durch brennende Mülltonnen in Brand geriet und explodierte. Im westfranzösischen Le Mans brannte eine Schule aus. Auch mehrere Polizisten und ein Fotograf wurden bei den Auseinandersetzungen verletzt. Seit Beginn der Proteste vor einer Woche wurden nach Angaben der Regierung über 1100 Jugendliche festgenommen.

Streik weitet sich aus

Die landesweiten Streiks gegen die geplante Heraufsetzung des Rentenalters gingen am Dienstag weiter. Zusätzliche Flughafen- Mitarbeiter und Zugführer, aber auch Lehrer und Postboten schlossen sich den seit Tagen protestierenden Arbeitern und Schülern an. Etwa die Hälfte aller Züge fiel aus und 30 bis 50 Prozent der Flüge wurden gestrichen, darunter waren auch zahlreiche Verbindungen in die Schweiz. Der internationale Bahnverkehr funktioniert seit Tagen nur noch beschränkt.

Engpass an Tankstellen

Auch die prekäre Lage an Tausenden Tankstellen setzte sich fort, vielen Autofahrern ging das Benzin aus. Allein der Ölkonzern Total registrierte Engpässe an etwa einem Viertel seiner 4000 Servicestationen in Frankreich - eine direkte Folge der wochenlangen Streiks an den Raffinerien, Treibstoff-Depots und einem von der Rentenreform unabhängigen Ausstand von Hafenarbeitern.

Nach Angaben von Rohstoffhändlern stoppten Demonstranten zudem Öl- Frachtkähne auf dem Rhein in der Nähe von Strassburg, um zu verhindern, dass dringend benötigte Ölprodukte aus benachbarten Ländern nach Frankreich importiert würden. Wegen der Proteste der Arbeiter im Hafen Fos-Lavera bei Marseille mussten Öl-Raffinerien in Deutschland und der Schweiz bereits ihre Produktion senken.

An einigen Bargeld-Automaten könnte es bald ebenfalls eng werden, da sich auch Fahrer von Geldtransportern an den Arbeitsniederlegungen beteiligen. Die französische Wirtschaft bekommt die Folgen der Proteste zunehmend zu spüren. Insbesondere KMU klagen über die Auswirkungen der Streiks. Nach der Wirtschaftskrise der vergangenen drei Jahre hätten die Klein- und Mittelbetriebe keine Kraft mehr, länger den dauernden Arbeitsniederlegungen standzuhalten, sagte Verbandschef Jean-François Roubaud in einem Radiointerview.

Sarkozy ruft zu Besonnenheit auf

Die grösste Sorge der Behörden schien jedoch der um sich greifenden Gewalt zu gelten. Präsident Nicolas Sarkozy rief zur Besonnenheit auf. «Ich appelliere an das Verantwortungsgefühl aller Beteiligten, um sicherzustellen, dass bestimmte Grenzen nicht durchbrochen werden», sagte er im nordfranzösischen Deauville. Die Gewerkschaften riefen die Demonstranten ihrerseits zur «Friedfertigkeit» auf.

Diese Woche steht die letzte Abstimmung im Senat über die ungeliebte Reform an. Die Regierung hofft, dass danach der Widerstand der Bevölkerung abnimmt. Doch die Gewerkschaften haben angekündigt, ihre Proteste fortzusetzen, auch wenn das französische Parlament die Änderungen wie erwartet beschliessen sollte.

In Frankreich haben die Gewerkschaften bereits zwei Mal - in den Jahren 1995 und 2006 - mit langwierigen Protesten eine Rentenreform verhindert. Den derzeitigen Plänen zufolge sollen die Franzosen künftig frühestens mit 62 Jahren statt bisher mit 60 Jahren in Rente gehen können. Die volle Rente können Franzosen dann erst mit 67 statt wie bisher mit 65 beziehen.

SDA

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