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Abtreibungen auf See vor Spanien

Spanien diskutiert eine Reform des Gesetzes über Abtreibungen. Im Hafen von Valencia streiten sich Gegnerinnen und Befürworterinnen.

Umstritten: Das holländische Abtreibungsschiff im Hafen von Valencia.
Umstritten: Das holländische Abtreibungsschiff im Hafen von Valencia.
Keystone

Drei Spanierinnen haben gestern Freitag an Bord eines Segelschiffes vor der spanischen Küste, aber in internationalen Gewässern, medikamentöse Abtreibungen durchführen lassen. Die Abtreibungen auf hoher See sind Teil einer Kampagne für die Einführung der Fristenregelung im spanischen Strafrecht. Die Menina, ein Boot der holländischen Organisation Women on Waves, hatte am Donnerstag im Hafen von Valencia angelegt.

Die Ankunft des holländischen Segelschiffes wurde begleitet von einem Streit der Worte zwischen Befürworterinnen und Abtreibungsgegnern. Die Schauspielerin Pilar Bardem, Mutter des Hollywoodstars Javier Bardem, verteidigte die «verantwortliche Mutterschaft» und kritisierte die «Kriminalisierung» abtreibungswilliger Frauen und ihrer Ärzte.

Ein Sprecher der Abtreibungsgegner sagte über die holländische Organisation Women on Waves: «Wir können nicht erlauben, dass sie in unser Land kommen, uns verspotten und ihre Kultur des Todes verbreiten.»

Ein Schlauchboot versuchte die Menina am Einlaufen in den Hafen von Valencia zu hindern, allerdings ohne Erfolg. Die Lokalpolizei hatte jedoch am Vormittag einem Lastwagen die Zufahrt zum Hafengelände verwehrt, der Material für eine Bühne und Lautsprecher für die Veranstaltung der Abtreibungsbefürworterinnen bringen wollte. Die Stadt Valencia wird von der konservativen Volkspartei regiert. Bürgermeisterin Rita Barberá nannte die Ankunft der Menina «eine Provokation, die uns mit Empörung erfüllt».

100'000 Abtreibungen pro Jahr

Eine Kommission des spanischen Parlaments befasst sich zurzeit mit einer möglichen Neuordnung des spanischen Abtreibungsrechts. Seit 1985 gilt in Spanien die Indikationenlösung: Die Abtreibung ist im Falle einer Vergewaltigung bis zur zwölften Schwangerschaftswoche erlaubt, bis zur 22. Woche im Falle einer Missbildung des werdenden Kindes und unbeschränkt im Falle körperlichen oder psychischen Gesundheitsrisikos für die Mutter.

Das Gesetz wird in der Praxis sehr liberal gehandhabt. Die Zahl der Abtreibungen hat sich in den vergangenen elf Jahren von jährlich knapp 50'000 auf gut 100'000 verdoppelt. Da sich allerdings die meisten staatlichen Kliniken weigern, Abtreibungen durchzuführen, sind die Frauen in der Regel auf die Dienste von Privatkliniken angewiesen.

Die Befürworter einer Reform halten die jetzige Praxis für «gesellschaftliche Heuchelei»: In den meisten Fällen stimmen die Ärzte einer Abtreibung aufgrund eines angeblichen «psychischen Gesundheitsrisikos» der Mutter zu, das im engen Sinne fast nie gegeben ist. In den vergangenen zwölf Monaten sind etliche Kliniken, in denen Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt werden, von Abtreibungsgegnern angezeigt worden. Die Kliniken fühlen sich verfolgt und gingen im Januar für eine Woche in den Streik.

Die Women on Waves wollen mit ihren Abtreibungen auf hoher See die Reformbefürworter unterstützen. Für Montag planen sie einen weiteren Ausflug von Valencia aus in internationale Gewässer. Und weitere Abtreibungen.

Das holländische Abtreibungsschiff im Hafen von Valencia.

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