Zum Hauptinhalt springen

«Allzu lange wird auf Frieden gewartet»

Papst Franziskus hat in Rom den traditionellen Segen «Urbi et Orbi» erteilt. Zuvor hatte er in der Ostermesse ein Ende der Krisen und Konflikte in der Welt gefordert und Hunger und Verschwendung angeprangert.

Sprach ernste Themen an: Papst Franziskus auf dem Petersplatz in Rom. (20. April 2014)
Sprach ernste Themen an: Papst Franziskus auf dem Petersplatz in Rom. (20. April 2014)
FILIPPO MONTEFORTE, AFP
Rund 150'000 Menschen versammelten sich zum Gottesdienst: Der Petersplatz in Rom. (20. April 2014)
Rund 150'000 Menschen versammelten sich zum Gottesdienst: Der Petersplatz in Rom. (20. April 2014)
AP Photo/Alessandra Tarantino
Daneben fand er auch mahnende Worte.
Daneben fand er auch mahnende Worte.
AP Photo/Andrew Medichini
1 / 7

Papst Franziskus hat zu Friedensinitiativen für die Ukraine, Syrien und in anderen Weltgegenden aufgerufen. Das katholische Kirchenoberhaupt verband den traditionellen Segen «Urbi et Orbi» («Der Stadt und dem Erdkreis») in diesem Jahr auch mit Friedenswünschen für Venezuela, Zentralafrika und den Südsudan. Zum Ostergottesdienst versammelten sich rund 150'000 Gläubige auf dem Petersplatz in Rom.

Angesichts der aktuellen politischen Krise in der Ukraine betete der Papst dafür, dass die beteiligten Parteien «unterstützt von der internationalen Gemeinschaft» Anstrengungen unternehmen mögen, «Gewalt zu verhindern und die Zukunft des Landes in einem Geist der Einheit und des Dialogs aufzubauen». Der Papst wies darauf hin, dass trotz der unterschiedlichen Kalender der katholischen und der orthodoxen Kirche in diesem Jahr beide christliche Gemeinschaften gleichzeitig das Osterfest feierten.

Schon «allzu lange» werde auf Frieden in Syrien gewartet, beklagte der Papst. Er rief die Konfliktparteien auf, «Mut» zu beweisen und über den Frieden zu verhandeln. Gewalt dürfe sich nicht «gegen die schutzlose Bevölkerung» richten, der Zugang der humanitären Hilfe für die Bedürftigen müsse gewährleistet werden, sagte der Papst.

Franziskus ruft zur Verbreitung der Osterbotschaft auf

Zuvor hatte der Papst die Ostermesse zur Auferstehung Christi gefeiert und seine Osterbotschaft verkündet. Darin forderte Franziskus ein Ende der Krisen und Konflikte in der Welt und prangerte Hunger und Verschwendung an. Er rief die Katholiken zur Verbreitung der Botschaft der Kirche in der Welt auf. Die Gläubigen müssten «das Feuer aufgreifen, das Jesus entzündet hat in der Welt, und dieses Feuer allen Menschen bringen, bis ans Ende der Erde», sagte Franziskus am Samstagabend im Petersdom.

Am Karfreitag hatte das Kirchenoberhaupt beim Kreuzweg für die Opfer wirtschaftlicher Ausbeutung gebetet. Franziskus sagte bei dem Gottesdienst im Vatikan, der Kern der Osterbotschaft sei es, zu den Grundlagen des Glaubens zurückzukehren. Die Gläubigen müssten sich fragen, ob sie vom richtigen Pfad abgekommen seien. Ostern sei «etwas Schönes», aus dem «neue Energie» für die Wurzel des Glaubens geschöpft werden könne. Der Argentinier erneuerte zudem seinen Ruf nach einer Kirche, die bescheidener, internationaler, näher an den Menschen und weniger vatikanzentriert ist.

Der Gottesdienst hatte im Atrium des Petersdoms mit der Segnung des Feuers und der Vorbereitung der Osterkerze begonnen, bevor die Prozession das Kirchenschiff bis zum Altar in völliger Dunkelheit durchquerte. Während des Gottesdiensts feierte der Papst die Taufe, die Konfirmation und die Kommunion bei sieben Gläubigen im Alter von sieben bis 58 Jahren, die aus Italien, Weissrussland, dem Senegal, dem Libanon, Frankreich und Vietnam stammten.

Am Vorabend hatte das katholische Kirchenoberhaupt gemeinsam mit rund 40'000 Gläubigen für die Opfer wirtschaftlicher Ausbeutung gebetet. Im Zentrum der Gebete beim traditionellen Kreuzweg am Kolosseum in Rom standen das «schwere Kreuz der Arbeitswelt» und «das Gewicht aller Ungerechtigkeiten, die durch die Wirtschaftskrise mit ihren sozialen Folgen verursacht wurden». In den Texten wurden Arbeitslosigkeit, Entlassungen, «Finanzspekulationen» sowie die Korruption verurteilt.

Der 77-jährige Papst lenkte den Blick auf die «Kranken und alle verlassenen Menschen» und kritisierte die «Monstrosität der Menschheit». In den Gebeten wurde auch an Missbrauchsopfer sowie Alkohol- und Drogensüchtige erinnert. Wie im vergangenen Jahr sass Franziskus unter einem Baldachin, während das Kolosseum von zehntausenden Kerzen erleuchtet wurde. Der Papst, der das Kreuz nicht selbst trug, wirkte bei der von etlichen Fernsehsendern in die ganze Welt übertragenen Zeremonie sehr ernst.

Die Menge feierte die Worte Franziskus' mit Applaus und «Viva il papa»-Rufen. Die Meditationen für die 14 Stationen wurden in diesem Jahr vom italienischen Bischof Giancarlo Maria Bregantini verfasst, der für seine mutigen Äusserungen gegen die Mafia bekannt ist und sich sehr für Arbeitslose engagiert. Der Papst liess an Karfreitag den Obdachlosen rund um den Hauptbahnhof Termini jeweils 50 Euro geben. Die gleiche Spende erhielten am Samstag 30 bedürftige Frauen im Vatikan.

sda/AFP/mw

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch