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Angst vor «Hacktivisten»

Spaniens Sicherheitsbehörden treffen besondere Vorkehrungen für den Urnengang in Katalonien in vier Wochen. Umfragen sagen dort ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem Block der Separatisten und der Gegner der Abspaltung voraus.

Angst vor Hackern: Spaniens Sicherheitsbehörden rüsten sich im Hinblick auf die Wahl zum katalanischen Parlament gegen Cyberangriffe.
Angst vor Hackern: Spaniens Sicherheitsbehörden rüsten sich im Hinblick auf die Wahl zum katalanischen Parlament gegen Cyberangriffe.
Fotolia

Man nennt sie «los hacktivistas» – zusammengesetzt aus Hacker und Aktivist. Nach den zahlreichen Einbrüchen solcher «Hacktivisten» in spanische Netzwerke im Herbst, vor und nach dem verbotenen Unabhängigkeitsreferendum vom 1. Oktober, treibt die spanischen Sicherheitsdienste die Sorge um, dass sie so etwas bei der Wahl zum katalanischen Parlament am 1. Dezember wiederholen könnte.

Denn dann steht das Schicksal Kataloniens auf dem Spiel. Mehr als 2500 Unternehmen haben seit dem Referendum zur Trennung von Spanien am 1. Oktober ihren Firmensitz von Katalonien wegverlegt, die meisten nach Madrid. Alle grossen Banken sind weg, und die Abwanderung dauert an, gedämpft zwar, aber sie könnte wiederaufleben, wenn es den Parteien des separatistischen Blocks gelingen sollte, wieder die Stimmenmehrheit im Parlament von Barcelona zu holen.

Sorgen der Regierung

Die Umfragen machen der Regierung in Madrid Sorgen. Zwei wurden am Sonntag veröffentlicht, eine von der linksliberalen Tageszeitung «El País», die andere von der regierungsnahen «La Razón».

Bei der «Razón» liegen die beiden Blöcke fast gleichauf, mit leichten Nachteilen für die Separatisten. Die auf nationaler Ebene regierende Volkspartei PP, die Sozialdemokraten PSOE und die bürgerlich liberalen Ciudadanos würden demnach zusammen 44,9 Prozent der Stimmen der 5,5 Millionen Wahlberechtigten in Katalonien holen.

Sie treten für die uneingeschränkte Gültigkeit der Verfassung ein, die eine einseitige Abtrennung einer autonomen Region über eine Volksbefragung dort nicht zulässt. Und sie haben auch Premier Mariano Rajoy im Abgeordnetenkongress und im Senat ­gestützt, als er den Artikel 155 dieser Verfassung aktivierte und Katalonien unter die Direktregierung durch Madrid stellte.

Knapp hinten oder gleichauf

Die separatistischen Parteien ERC, JXC und CUP bekämen nach der zwischen dem 13. und dem 23. November durchgeführten Umfrage 43,4 Prozent der Stimmen. Die linksnationalistische ERC würde dabei die Partei Junts pel Catalunya (PXC) von der Spitze verdrängen.

Das ist die vom abgesetzten und nach Brüssel geflüchteten Ministerpräsidenten Carles Puigdemont geführte Liste, die anstelle seiner Partei PDECAT diesmal antritt. ERC und die Puigdemont-Partei waren bei der letzten Wahl gemeinsam als «Junts pel Si – Gemeinsam für das Ja» (zur Unabhängigkeit) angetreten. Die Mehrheit im Parlament Kataloniens verschaffte ihnen die radikal-linke CUP.

Bei «El País» liefern sich die beiden Blöcke ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit jeweils 46 Prozent. Bei der Wahl 2015 hatten die «Independistas» (Unabhängigkeitsparteien) noch 47,7 Prozent geholt gegen 39,1 Prozent der «Constitucionalistas» (Verfassungsparteien).

27'000 Cyberattacken

Zwei Firmen bewerben sich um die Datenverarbeitung bei der Erfassung, der Übermittlung und der Auszählung der Stimmen am21. Dezember. Nach einem Bericht der Madrider Tageszeitung ABC wird wohl das Unternehmen Indra den Zuschlag erhalten, vor dem Mitbewerber Sctyl aus Katalonien. Indra war auch bei der Wahl 2015 im Geschäft. In jedem Fall wird man den Datenexperten der Privatfirma im Dezember genau auf die Finger sehen, die spanischen Sicherheitsdienste verfügen über genügend eigene ­Experten.

Der Geheimdienst CNI hat eine Zunahme der Hackeraktivitäten seit Oktober beobachtet. So hatten Hacker das Netz des Verfassungsgerichts vorübergehend lahmgelegt. Rund 3000 Angriffe auf Netzverbindungen wurden im Oktober gezählt, 70 davon waren gegen Websites der Nationalregierung und ihrer Behörden gerichtet. 2017 wurden bisher 27'000 solcher Cyberangriffe gesichtet und neutralisiert. Fünf Prozent davon wurden als «gefährlich» eingestuft.

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