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Anschlagserie in Rom: Razzien erwartet

Nach den Paketbombenanschlag auf die Schweizer Botschaft fahndet die Polizei im anarchistischen Milieu Italiens nach den Tätern. Die Behörden sprechen von Terrorzellen, die unabhängig voneinander operieren.

Schwierige Ermittlungen: Die italienische Polizei vor der chilenischen Botschaft.
Schwierige Ermittlungen: Die italienische Polizei vor der chilenischen Botschaft.
Keystone
Der Schweizer Botschafter Bernardino Regazzoni nimmt nach dem Paketbomben-Anschlag Stellung.
Der Schweizer Botschafter Bernardino Regazzoni nimmt nach dem Paketbomben-Anschlag Stellung.
Reuters
Bilder wenige Minuten nach dem Anschlag: Die Polizei ist angerückt.
Bilder wenige Minuten nach dem Anschlag: Die Polizei ist angerückt.
Reuters
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Die Ermittler gehen dabei vor allem auch Hinweisen auf Verbindungen zu einer Attentatsserie im November in Griechenland nach. Damals gehörte die Schweizer Botschaft in Athen zu den Adressaten von Paketbomben - wie am Donnerstag die Schweizer Vertretung in Rom. «Bei der anarchistischen Spur gibt es Verbindungen nach Griechenland und Spanien», sagte Aussenminister Franco Frattini.

Die griechische Polizei teilte jedoch mit, es gebe keinen Hinweis auf die Beteiligung von Griechen an den Anschlägen in Italien. Die Ermittlungen sind schwierig, weil die Anarchisten oftmals in unabhängigen Zellen arbeiten, wobei eine Zelle nichts von den Plänen der anderen weiss. Erwartet werden in den kommenden Tagen eine Reihe von Durchsuchungen und Kontrollen im bekannten Umfeld der radikalen italienischen Anarchisten. Diese Ermittlungen dürften sich auf Gruppen in der Toskana, im Piemont und rund um Rom konzentrieren.

Ziele bewusst ausgewählt

Die verstärkten Postkontrollen bei den Botschaften in Rom wurden fortgesetzt. Die Paketbomben waren am Donnerstag vor Weihnachten beim Öffnen in den Botschaften der Schweiz und Chiles explodiert, wobei zwei Menschen, darunter der Postverantwortliche der Schweizer Botschaft, verletzt wurden.

Zu den beiden Anschlägen bekannte sich die in Italien aktive «Federazione Anarchica Informale» (Fai). In ihrem Bekennerschreiben nennen sich die Anarchisten «revolutionäre Zelle Lambros Fountas». Sie erinnern damit an einen griechischen Anarchisten, der im März bei einem Feuergefecht mit der Polizei ums Leben gekommen war.

Die italienische Fai hat schon Dutzende Anschläge verübt. Die betroffenen Botschaften seien nicht zufällig das Ziel der Sprengstoffattentate gewesen, sagte der Unterstaatssekretär im römischen Innenministerium, Alfredo Mantovano.

Sprengsatz im Oktober

Chiles Botschaft könnte das Ziel gewesen sein, weil dort 2009 der Anarchist Mauricio Morales umgekommen war, als sein mit Sprengstoff gefüllter Rucksack vorzeitig explodierte. Mantovano sagte in einem Interview mit der Zeitung «Il Giornale» zudem, dass eine «intensive Zusammenarbeit» zwischen italienischen und Schweizer Ermittlern im Frühling zu der Verhaftung mehrerer Anarchisten geführt habe. Bereits im Oktober wurde vor der Schweizer Botschaft in Rom ein Sprengsatz gefunden.

In einem beiliegenden Schreiben wurde die Freilassung von «Costa, Silvia und Billy» gefordert - drei Anarchisten, die im April in der Schweiz wegen des Verdachts von Anschlagsvorbereitungen gegen einen internationalen Grosskonzern festgenommen worden waren.

Zusammenhang mit Camenisch

Auch der Schweizer Botschafter in Rom, Bernardino Regazzoni, sieht einen Zusammenhang des Anschlags mit Inhaftierungen von Mitgliedern des «Netzwerks von Anarcho-Terroristen». Dies sagte Regazzoni am Freitag gegenüber dem Zürcher Privatradio «Radio 1». Auf die Frage, ob der Anschlag auch eine Antwort auf die Inhaftierung von Marco Camenisch sei, sagte Regazzoni, «so sieht es aus». Camenisch war 2002 nach Verbüssung einer mehrjährigen Haftstrafe von Italien an die Schweiz ausgeliefert worden.

Er muss einerseits eine frühere Strafe von 1981 wegen Anschlägen auf Einrichtungen der Stromindustrie noch absitzen. Andererseits wurde der auch als «Öko-Terrorist» bezeichnete Camenisch wegen Mordes an einem Grenzwächter verurteilt.

SDA/jak

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