Apples Steuertricks kosten EU-Staaten Milliarden

Die gute Nachricht für Europa: Apple zahlt Steuern. Die Schlechte: Es sind weit weniger als andere Firmen.

Die europäische Apple-Zentrale in Cork, Irland. Hier werden Geschäfte gemacht, aber wenig Steuern gezahlt. Foto: Reuters

Die europäische Apple-Zentrale in Cork, Irland. Hier werden Geschäfte gemacht, aber wenig Steuern gezahlt. Foto: Reuters

Das Wunder überkam die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung des Inselstaates Irland im Jahre 2015. Das Bruttoinlandsprodukt war plötzlich ein Viertel grösser als gedacht, staunten die amtlichen Statistiker. Dublin hatte zuvor ein Steuer-Schlupfloch geschlossen, das Apple lange benutzt hat. Der iPhone-Hersteller veränderte anschliessend seine Firmenstruktur in Irland, gewisse Unternehmenswerte tauchten daraufhin in der irischen Bilanz auf - und das bescherte dem Bruttoinlandsprodukt Irlands das Wunder.

Doch Apple trickst weiterhin, zeigt ein neuer Report. Demnach entgingen den EU-Staaten durch Apples andere Irland-Manöver geschätzt vier bis 21 Milliarden Euro Steuern in den Jahren 2015 bis 2017. Zu diesem Ergebnis kommen die zwei Autorinnen des Reports, die im Auftrag der Linksfraktion im Europäischen Parlament die öffentlichen Apple-Bilanzen ausgewertet haben.

Nur Annahmen und Vermutungen

Grosse Aktiengesellschaften wie Apple müssen viele Daten offenlegen, aber nicht alles. Es bleibt zum Beispiel offen, wie viele iPhones der Konzern genau in der EU verkauft. Es gibt nur Zahlen zu allen Verkäufen ausserhalb der USA. Die gesamten Auslandseinnahmen Apples betrugen in 2017 rund 44,7 Milliarden Euro. Die Autorinnen des Reports versuchen zu schätzen, wie viel davon auf die EU-Länder entfällt. Dazu rechnen sie Staaten wie Russland und China heraus und berücksichtigen Ausgaben des Konzern für Forschung, Entwicklung und andere Dinge.

Grob geschätzt liegen Apples Einnahmen in der EU demnach bei rund 35,2 Milliarden Euro für 2015 bis 2017. Diese Zahl ist wichtig, weil der Report sie ins Verhältnis zu den Steuerzahlungen stellt, die Apple in den EU-Ländern geleistet hat. Unterm Strich bleibt dann eine vermutete Steuerrate von Apple übrig.

Und die ist trotz der Reformen in Irland ziemlich niedrig: Apple versteuere seine europäischen Gewinne geschätzt mit zwei bis neun Prozent, schätzen die Autorinnen. Die Spanne ist so breit, weil sie viele Annahmen treffen müssen.

Immerhin: Neun Prozent statt 0,005 Prozent

Diese neuen Zahlen sind allerdings deutlich höher als der Wert für 2014, vor der Gesetzesänderung. Die EU-Kommission wirft Apple vor, damals nur 0,005 Prozent auf seine Steuern gezahlt zu haben. Das sind auf eine Millionen Euro Gewinn gerade einmal 50 Euro fürs Finanzamt. Doch auch neun Prozent liegen deutlich unter dem, was beispielsweise deutsche Dax-Konzerne zahlen. Deren Steuerquote liegt in der Regel zwischen 20 und 25 Prozent.

Das ärgert Kritiker von Apples Steuerpraktiken. «Unsere Studie zeigt, dass Apple nach wie vor weltmeisterlich seine Steuern drückt», sagt Martin Schirdewan von der Linkspartei, der für seine Fraktion im Sonderausschuss des Europäischen Parlaments sitzt, der sich mit Steuerhinterziehung und Steuervermeidung beschäftigt. «Das zeigt auch, dass die von der irischen Regierung unternommen Reformen nicht mehr als Schall und Rauch waren.»


Rückt die Steuern raus! Attac-Flashmob im Apple-Store in Frankfurt. Video: Reuters


Die Abgeordneten würden dazu gerne Apple-Vorstand Tim Cook öffentlich befragen. Der Konzern lehnte allerdings einen Auftritt ab, weil das Unternehmen «alle Steuern zahle, die es schuldig» sei, wie es heisst. Zudem wolle Apple einen Einspruch gegen eine Milliardennachzahlung nicht beeinträchtigen: Die EU-Kommission hat entschieden, dass Irland Apple vor 2015 illegal Beihilfe gewährt und 13 Milliarden Euro zu wenig Steuern eingefordert habe. Dazu läuft ein Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof.

Apple kommentiert Zahlenspiele wie die der Reportautorinnen grundsätzlich nicht. Der Umbau 2015 habe damit zu tun, dass der Konzern Steuerzahlungen im Heimatland USA leisten wolle. Dort habe Apple auch Milliarden an Steuern gezahlt.

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