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Berlusconi will das Flüchtlingsproblem vor Ort lösen

Die tunesische Übergangsregierung ist bereit, mit Italien über die Rücknahme der Migranten zu verhandeln, die auf Lampedusa gelandet sind. Regierungschef Berlusconi weilte heute zu Gesprächen in Tunis.

Grosser Empfang: Tunesiens Ministerpräsident Begi Caid Essebsi empfängt Silvio Berlusconi am Flughafen von Tunis.
Grosser Empfang: Tunesiens Ministerpräsident Begi Caid Essebsi empfängt Silvio Berlusconi am Flughafen von Tunis.
Keystone

Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat sich heute bei der tunesischen Übergangsregierung für Massnahmen gegen den Exodus tausender Tunesier zur italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa eingesetzt. Er hoffe auf ein baldiges Abkommen und deutete an, dass Italien dem nordafrikanischen Land bei der Finanzierung seiner Grenzposten unter die Arme greifen könnte.

Seit dem Sturz des langjährigen tunesischen Machthabers Zine el-Abidine Ben Ali Mitte Januar sind rund 23.000 Flüchtlinge - zum überwiegenden Teil arbeitslose Tunesier - nach Lampedusa gekommen. Ben Ali war gegen Menschenschmuggel hart vorgegangen, die Übergangsregierung schaut bislang weg.

Treffen mit Staatspräsident Mebazaa

Berlusconi traf zunächst in Karthago mit Staatspräsident Fouad Mebazaa und dann in Tunis mit Ministerpräsident Beji Caid-Essebsi zusammen. Er verwies darauf, dass derzeit 6000 Tunesier auf Lampedusa seien, das eine Bevölkerung von 5000 habe. Viele Flüchtlinge würden auf das italienische Festland gebracht, es kämen aber stetig neue an.

«Wir sind in einem freundschaftlichen Land, um das Flüchtlingsproblem zu lösen», sagte Berlusconi vor Journalisten in Tunis. «Das Klima der Freundschaft, der Zusammenarbeit und Kooperation ist gut.» Beide Seiten seien an einer Lösung interessiert.

Ben Ali war hart gegen Menschenschmuggler vorgegangen

Der Flüchtlingsstrom nach Italien hat seit dem Sturz des langjährigen Präsidenten Zine El Abidine Ben Ali Mitte Januar zugenommen. Ben Ali war hart gegen Menschenschmuggler vorgegangen, die Flüchtlinge nach Italien brachten. Die neue Führung macht das bislang nicht.

Allein im März sind 78 Flüchtlingsboote in Lampedusa eingetroffen. Schmuggler verlangen von Flüchtlingen rund 1000 Euro für die Überfahrt. Berlusconi lässt inzwischen hunderte Flüchtlinge aus dem überfüllten Aufnahmelager aufs italienische Festland bringen. Er hat auch EU-Mitgliedstaaten gebeten, Italien zu helfen. Frankreich, einstige Kolonialmacht Tunesiens, weist aber tunesische Flüchtlinge zurück, die von Italien aus einreisen wollen.

Auch Deutschland hat erklärt, keine Flüchtlinge aufnehmen zu wollen. Bundeskanzlerin Angela Merkel empfahl, die EU sollte Tunesien dabei helfen, seine wirtschaftliche Lage zu verbessern und so den Flüchtlingsstrom zu stoppen.

dapd/pbe

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