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Berlusconis Wiederauferstehung

15 Monate ist es her, seit Silvio Berlusconi unter Jubel seinen Hut nahm. Bei den Wahlen könnte dem Cavaliere nun die Wiederwahl als Italiens Ministerpräsident gelingen. Seine Partei hat offenbar kräftig aufgeholt.

Bald wieder Italiens Ministerpräsident? Silvio Berlusconi bei einer Wahlveranstaltung.
Bald wieder Italiens Ministerpräsident? Silvio Berlusconi bei einer Wahlveranstaltung.
Reuters

Ostern ist nicht mehr fern, und in Italien bahnt sich eine Wiederauferstehung an: In den letzten Umfragen lagen die Silvio Berlusconi unterstützenden Mitte-rechts-Parteien nur noch zwischen 2,5 und 4,5 Prozentpunkten hinter dem Mitte-links-Bündnis des sozialdemokratischen Spitzenkandidaten Pier Luigi Bersani.

Gestartet war das Bündnis um die Partei Volk der Freiheit (PdL) des ehemaligen Regierungschefs bei 18 Prozent – einem Sieg der Linken schien nichts im Wege zu stehen. Nun scheint möglich, dass der 76-jährige Berlusconi bei der Wahl am Sonntag und Montag erneut einen Sieg einfährt - und womöglich als Minister in einer neuen Regierung die Strippen zieht.

Berlusconis Ego hat gelitten

Es ist gerade einmal 15 Monate her, dass der Medienmilliardär seinen Hut nahm. Italien ächzte im November 2011 unter der Schuldenkrise und drohte, als eine der grössten EU-Volkswirtschaften das ganze Euro-Europa mit in den Abgrund zu reissen. Unter dem Jubel der Strasse kündigte Berlusconi damals seinen Rücktritt an.

Im Land und international war der Druck auf Berlusconi immer grösser geworden. Sein Ego litt deutlich, als Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der damalige französische Präsident Nicolas Sarkozy beim Brüsseler EU-Gipfel Ende Oktober 2011 auf die Frage nach einem Treffen mit Berlusconi nur ironisch lächelten. Europa machte Druck, bezweifelte aber seine Bereitschaft zur Haushaltssanierung.

Karriere in der Braubranche

Während nicht nur die Bundesregierung dem italienischen Wahlkampf-Schauspiel mit wachsendem Unbehagen zusieht, hat der geliftete Multimilliardär seinen selbstgefälligen Humor wiedergefunden. Vor seinen Anhängern feixte Berlusconi dieser Tage: «Ich habe heute Morgen in den Spiegel geschaut (...) und gedacht: Spiegel sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.»

Selbstzweifel sind dem sagenhaft reichen Italiener eher fremd. Der Herrscher über ein krakenhaftes Medienimperium wurde 1936 in der norditalienischen Wirtschaftsmetropole Mailand als Sohn eines Bankangestellten und einer Hausfrau geboren. Schon früh zeigte sich sein Talent als Entertainer. Der Fan des Jazz-Musikers Nat King Cole erzählte während seines Jurastudiums in Bars und auf Kreuzfahrtschiffen Witze und sang im Stile eines Crooners.

Das Fundament seines Reichtums legte er mit einer Karriere in der Baubranche. Sein Talent als Geschäftsmann öffnete ihm die Türen zur Chefetage der Bank seines Vaters, die er für Investitionen in ein Projekt gewinnen konnte. 1978 gründete Berlusconi seine Holding Fininvest, unter deren Dach er seine Spielzeuge versammelte: darunter das Medienunternehmen Mediaset mit drei nationalen Fernsehkanälen ebenso wie den Fussballklub AC Mailand.

Fluchen gegen Spardiktat

Für seinen politischen Aufstieg war seine mediale Omnipräsenz das beste Treibmittel: Einer kurzen Premiere als Regierungschef im Jahr 1994 - damals noch an der Spitze der PdL-Vorgängerpartei Forza Italia (Vorwärts Italien) - folgte die Wiederwahl 2001. Rund 15 Millionen italienische Haushalte erhielten damals ein Gratisbuch über seine Erfolge. 2006 musste er vorübergehend die Macht wieder abgeben, um sie 2008 erneut für drei Jahre zurückzuerobern – bis zum November 2011.

Schlagzeilen machte Berlusconi statt mit erfolgreichem Regieren eher mit seinen Sexaffären sowie mit Gerichtsverfahren wegen Korruption und Steuerbetrugs. Mit einem 2009 vom Verfassungsgericht gekippten Immunitätsgesetz wollte sich Berlusconi gleich mehrerer Prozesse entledigen. In anderen Verfahren gelang es ihm, sich durch geschicktes Taktieren in die Verjährung zu retten. Mehrere Verfahren gegen ihn laufen noch, darunter der «Rubygate-Prozess» um Sex mit einer minderjährigen marokkanischen Tänzerin.

Wenig Sympathien trugen Berlusconi auch seine geschmacklosen Äusserungen ein, wonach er den Regierungschef in seiner Freizeit gebe und Italien - dieses «Scheissland» - bald verlassen wolle. Im Wahlkampf wetterte der Populist gegen das deutsche Spardiktat und stellt zugleich eine Amnestie für Steuersünder in Aussicht - im Gegenzug darf er offenbar auf eine nationale Amnesie hoffen.

AFP/wid

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