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Der Abhörskandal trifft Piers Morgan

Der Nachfolger von Larry King auf CNN war einst Chefredaktor bei zwei britischen Boulevardblättern. Damit wird auch er zur Zielscheibe von Politikern – im jüngsten Fall zu Unrecht.

Der britische Abhörskandal scheint keinen der ehemaligen Chefredaktoren der mittlerweile eingestellten «News of the World» zu verschonen. Eine Bemerkung der Abgeordneten Louise Mensch während der parlamentarischen Anhörung hat nun auch Piers Morgan, den Nachfolger von Larry King bei CNN, ins Scheinwerferlicht gerückt. Der 46-jährige Brite war Anfang der 1990er-Jahre der jüngste Chefredaktor von «News of the World». Später wechselte er zum Boulevard-Konkurrenten «Daily Mirror».

Die konservative Abgeordnete verwies auf ein Zitat in Morgans Buch «Insider: The Private Diaries of Scandalous Decade», worin er geprahlt haben soll, mit einem kleinen Abhörtrick für den «Daily Mirror» die Geschichte des Jahres über den ehemaligen englischen Fussballnationaltrainer Sven-Göran Eriksson hervorgebracht zu haben. Hier schreibe ein ehemaliger Chefredaktor des «Daily Mirror» ganz offen über Abhörtechniken, sagte Mensch. Es sei daher an der Zeit, auch Piers Morgan zur Affäre zu befragen.

Die Antwort von Morgan

Piers Morgan reagierte prompt. In einer heftigen verbalen Auseinandersetzung auf CNN warf er per Telefonkonferenz Louise Mensch vor, «unverschämte Lügen» über ihn zu verbreiten. Es seien «lächerliche Anschuldigungen». Er habe dies nie so geschrieben. Er habe auch nie von Abhörmethoden Gebrauch gemacht. Vielmehr sei er Opfer einer Abhörattacke geworden.

Tatsächlich muss sich Mensch verlesen haben. BBC und die «Washington Post» haben nachgelesen. Piers Morgan verweist in seinem Buch aus dem Jahr 2005 einzig darauf, wie einfach es offensichtlich sei, die Combox von anderen abzuhören, wenn man den vorgegebenen Sicherheitscode nicht ändere. «Ich werde meinen nun ändern, frage mich aber, wie viele Berühmtheiten sich bewusst über diesen kleinen Abhörtrick sind», steht weiter.

Die parlamentarische Immunität

Auf CNN forderte der entrüstete Piers Morgan von Louise Mensch eine öffentliche Entschuldigung. Die konservative Abgeordnete weigerte sich jedoch. Piers Morgan wisse genau, dass ihre Äusserungen während der Anhörung parlamentarische Immunität genössen. In der Öffentlichkeit wolle sie sich nicht wiederholen. «Denn Mr. Morgan ist ein sehr reicher Mann.» Sie sei aber ganz zufrieden mit ihren Äusserungen im Parlament, betonte sie zum Schluss.

Die bestimmte Reaktion von Piers Morgan zeigt, welche Dimension der Abhörskandal inzwischen erreicht hat und mit welcher Heftigkeit die Affäre auch schon bald die USA erfassen könnte. In seiner CNN-Show «Piers Morgan Tonight» wiederholte Morgan, dass er stets gemäss dem Gesetz gehandelt habe. Von seinem ehemaligen Arbeitgeber will er sich nicht distanzieren. Er nahm Murdoch gar in Schutz. Es sei unmöglich zu glauben, dass Murdoch über diese gesetzeswidrigen Praktiken Bescheid wusste, geschweige denn, dass er diese stillschweigend geduldet habe.

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