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Der Harem des Cavaliere

Für Silvio Berlusconi wirds immer ungemütlicher. Der Sex-Skandal um die junge Ruby offenbart neue pikante Details aus dem Partyleben des italienischen Regierungschefs.

Mit einer Videobotschaft ist der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi am Wochenende an die Öffentlichkeit getreten. Er dementierte, mit einer minderjährigen Prostituierten verkehrt zu haben. Und er widersprach Medienberichten, wonach in seiner Villa in Arcore bei Mailand ausschweifende Sex-Partys mit käuflichen Frauen stattgefunden haben. Die Ermittlungen der Mailänder Staatsanwaltschaft liefern allerdings ein ganz anderes Bild von den Freizeitaktivitäten des Cavaliere.

Party-Frauen wohnen im gleichen Stadtteil

Gemäss italienischen Medienberichten hatte Berlusconi ein Harem. Mindestens 14 junge Frauen soll er sich für seine inzwischen berühmt-berüchtigten «Bunga-Bunga»-Partys auf Abruf gehalten haben. Bei diesen Frauen führten die Ermittler am Wochenende Hausdurchsuchungen durch. Diese Frauen wohnen alle in Luxus-Appartements an der Via Olgettina 65 in «Milano due» – einer stadtähnlichen Siedlung bei Mailand, die ab den Siebzigerjahren entstanden ist. Der Bauherr war – Berlusconi. Bevor er zum Medienmogul wurde, hatte der heutige Ministerpräsident als Bauunternehmer viel Geld gemacht.

Wohnung, Geld und Schmuck als Belohnung

Den Ermittlungen zufolge stellte Berlusconi die Luxus-Appartements den 14 Frauen mietfrei zur Verfügung. Ausserdem sollen sie mit Geld und Schmuck für ihre sexuellen Dienstleistungen bei den Berlusconi-Partys bezahlt worden sein. Ein weiteres pikantes Detail: Eine Mailänder Regionalabgeordnete von Berlusconis Partei steht im Verdacht, dass sie eine Art Kontrolle über den Harem in «Milano due» ausgeübt haben soll. Zum Harem des Cavaliere gehörte auch «Ruby Rubacuori» («Diebin der Herzen»). Die heute 18-jährige Marokkanerin, die bürgerlich Karima el-Marough heisst, soll als Minderjährige im Frühling 2010 mindestens acht Mal an Berlusconi-Partys in Arcore teilgenommen haben. Gemäss Medienberichten arbeitete sie damals als Prostituierte.

«Ruby» steht auch im Fokus des neuesten Sex-Skandals, in den Berlusconi verwickelt ist. Die Mailänder Staatsanwaltschaft beschuldigt Berlusconi, seine Stellung genutzt zu haben, um Ende Mai 2010 von der Polizei die Freilassung von «Ruby» zu fordern, die wegen Diebstahls festgenommen worden war. Berlusconi habe vertuschen wollen, «Kunde einer minderjährigen Prostituierten während zahlreicher Wochenenden in seiner Villa» gewesen zu sein. Für Sex mit Minderjährigen drohen in Italien Gefängnisstrafen von bis zu drei Jahren. Die Ermittlungen laufen auch gegen Berlusconi-Freunde, darunter den Model-Manager Lele Mora und den Chef von Berlusconis TV-Sender Rete 4, Emilio Fede, wegen Begünstigung der Prostitution.

Ermittler haben Zeugenaussagen und Beweise

Die Mailänder Staatsanwaltschaft hat inzwischen Berlusconi zum Verhör geladen. Sie will wissen, was in den Frühlingsnächten mit «Ruby» passiert ist. Den Medienberichten zufolge können die Ermittler Zeugenaussagen und Beweise – zum Beispiel abgehörte Telefongespräche – vorlegen. In Interviews verteidigte «Ruby» den italienischen Premier. Von Berlusconi habe sie lediglich Geschenke und 7000 Euro in bar erhalten, aber keinen Sex mit ihm gehabt, sagte die 18-jährige Frau, die in Genua wohnt. Berlusconi habe ihr Geld gegeben, weil sie in finanziellen Nöten war. Ausserdem habe sie über ihr Alter gelogen. Die Staatsanwaltschaft wird nun klären müssen, ob «Ruby» die Wahrheit sagt oder mit ihren Aussagen nur ihren Gönner Berlusconi schützt will.

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