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Der Papst will die absolute Treue

Zum Abschluss seines Besuchs hat Papst Benedikt XVI. vor der menschlichen und seelischen Verarmung gewarnt. Sein Auftreten während der Deutschlandreise sorgt für reichlich Kritik.

Papst Benedikt XVI.bei seiner Abschlussmesse in Freiburg. (24. September 2011)
Papst Benedikt XVI.bei seiner Abschlussmesse in Freiburg. (24. September 2011)
Reuters
Papst Benedikt XVI. zelebriert  in Freiburg auf dem Flughafen City-Airport eine Messe. (24. September 2011)
Papst Benedikt XVI. zelebriert in Freiburg auf dem Flughafen City-Airport eine Messe. (24. September 2011)
Reuters
Die letzten Vorbereitungen laufen auf Hochtouren (Olympiastadion in München). (21. September 2011)
Die letzten Vorbereitungen laufen auf Hochtouren (Olympiastadion in München). (21. September 2011)
Reuters
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Zum Abschluss seiner Deutschlandreise hat Papst Benedikt XVI. vielfach als unnachgiebig kritisierte Haltungen des Vatikans in Grundsatzfragen bekräftigt. Bei einer Messe mit rund 100'000 Besuchern in Freiburg rief er die deutschen Katholiken am Sonntag zu absoluter Papsttreue auf.

Bereits am Samstag beklagte er dort bei einem Treffen mit Vertretern katholischer Laien eine «Krise des Glaubens» in der westlichen Welt. «Die Kirche in Deutschland wird für die weltweite katholische Gemeinschaft weiterhin ein Segen sein, wenn sie treu mit den Nachfolgern des heiligen Petrus und der Apostel verbunden bleibt», sagte Benedikt bei der Messe in Freiburg.

Aktuelle und künftige Herausforderungen werde sie nur bestehen können, wenn Geistliche und Laien in Treue zu ihrer jeweiligen Berufung zusammenarbeiteten. Im Gespräch mit Vertretern des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken sagte der Papst am Abend zuvor, es gebe «bei uns einen Überhang an Strukturen gegenüber dem Geist». Trotz seines Wohlstandes sei Deutschland dabei, menschlich und religiös zu verarmen.

Kein Dialog

Kirchliche Reformgruppen zeigten sich vom Papst enttäuscht. Vom ihm sei keinerlei Unterstützung für den von den Bischöfen eingeleiteten Dialogprozess in der unter einem rasanten Mitgliederschwund leidenden Kirche gekommen, sagte Christian Weisner von der «Kirchenvolksbewegung» der Nachrichtenagentur Reuters.

Das Wort Dialog sei kein einziges Mal gefallen. «Dass er dies so ignoriert, ist keine grosse Hilfe für die katholische Kirche in Deutschland.»

Kritik an Treffen mit Missbrauchsopfern

Bereits am späten Freitag traf Benedikt in Erfurt fünf von der Deutschen Bischofskonferenz bestimmte Männer und Frauen, die von Geistlichen sexuell missbraucht worden waren, und sprach ihnen laut einer Mitteilung sein «tiefes Mitgefühl und Bedauern» aus.

Das Treffen wurde von unberücksichtigten Opferverbänden scharf kritisiert. Das internationale Netzwerk SNAP sprach von einer schönen aber «bedeutungslosen Geste». Der Papst müsse Kinder schützen, weigere sich aber dies tun. Zudem müsse er härter gegen «Verbrecher-Priester» vorgehen.

Der Vorsitzende des Netzwerks Betroffener von sexualisierter Gewalt, Norbert Denef, sprach von einem neuen Treffen nach dem Muster «Verleugnen, Verschweigen und Vertuschen».

In einer Messe auf dem Erfurter Domplatz würdigte Benedikt am Samstagmorgen vor knapp 28'000 Menschen den Beitrag der ostdeutschen Christen zum Mauerfall. Zugleich beklagte der Papst, dass viele Ostdeutsche «mittlerweile fern vom Glauben an Christus» lebten.

Treffen mit Kohl

Nach seiner Ankunft in Freiburg traf das Oberhaupt der katholischen Kirche mit Altbundeskanzler Helmut Kohl (CDU) zusammen.

Bei einem Treffen mit Repräsentanten der orthodoxen und orientalischen Kirchen äusserte Bendedikt XVI. die Hoffnung, dass es bald zu gemeinsamen Abendmahlfeiern mit ihnen kommen werde. «Unter den christlichen Kirchen und Gemeinschaften steht uns die Orthodoxie theologisch am nächsten», sagte der Papst.

Hingegen hatte der Papst zum Bedauern der Evangelischen Kirche in Deutschland bei einem Treffen am Freitag Hoffnungen auf eine baldige Annäherung gebremst. Am Abend sprach er zehntausenden Jugendlichen auf dem Messegelände der Stadt Mut zu. «Christus achtet nicht so sehr darauf, wie oft ihr im Leben strauchelt, sondern wie oft ihr wieder aufsteht», sagte er.

Bevölkerung von Besuch abgeschnitten

Sowohl in Erfurt als auch in Freiburg blieb die Bevölkerung von dem Besuch Benedikts weitgehend abgeschnitten. In beiden Städten trafen die Behörden massive Sicherheitsvorkehrungen.

Vatikansprecher Federico Lombardi sagte dazu, die erfolgten Massnahmen seien von den lokalen Behörden angeordnet worden. Der Vatikan habe keine entsprechenden Wünsche geäussert.

Benedikt war am Donnerstag in Berlin eingetroffen. Tags darauf reiste er nach Erfurt weiter. Sein Besuch soll am Sonntagabend nach einer akademischen Ansprache vor engagierten Katholiken im Freiburger Konzerthaus enden.

SDA/pbe

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