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Dioxin-Skandal weitet sich aus

Der Dioxin-Skandal durch verseuchtes Futtermittel in Deutschland weitet sich aus. Rund 3000 Tonnen mit Dioxin belastetes Futterfett wurden an Hennen und Schweine verfüttert.

Verschärfte Kontrollen: Eine Labormitarbeiterin im deutschen Oldenburg untersucht die Dioxinwerte in Lebensmitteln.
Verschärfte Kontrollen: Eine Labormitarbeiterin im deutschen Oldenburg untersucht die Dioxinwerte in Lebensmitteln.
Keystone
Gefährdet: Kontrolle im Fleischversorgungszentrums in Mannheim.
Gefährdet: Kontrolle im Fleischversorgungszentrums in Mannheim.
Keystone
Die für das Futterfett verwendete Mischfettsäure selbst stammt von einer Biodiesel-Anlage der Petrotec AG.
Die für das Futterfett verwendete Mischfettsäure selbst stammt von einer Biodiesel-Anlage der Petrotec AG.
Keystone
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Am Dienstag hatte das schleswig-holsteinische Landwirtschaftsministerium angegeben, es seien rund 500 Tonnen verdächtiges Futterfett in Umlauf gebracht worden. Weiter unklar blieb, wie das Umweltgift, das Krebs auslösen kann, in das Fett gelangte. Hinweise auf Fahrlässigkeit seien wenig plausibel, sagte ein Sprecher des Ministeriums.

Deshalb untersuchte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch den Betrieb des schleswig-holsteinischen Futterfettherstellers Harles und Jentzsch in Uetersen. Die Staatsanwaltschaft Itzehoe habe einen entsprechenden richterlichen Beschluss erwirkt, sagte ein Sprecher. Parallel gab es eine Razzia bei einer Tochterfirma im niedersächsischen Bösel.

Bereits am Dienstag hatte die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen die Verantwortlichen des Unternehmens aufgenommen. Demnach besteht der Anfangsverdacht eines vorsätzlichen Verstosses gegen die Vorschriften.

Auch Niederlande betroffen

Am Mittwoch blieben in ganz Deutschland mehr als 1000 Höfe für den Handel gesperrt, die meisten davon in Niedersachsen. Die Behörden versuchten mit Hochdruck in den betroffenen Bundesländern das Ausmass der Gefahr für die Konsumenten zu klären.

Bei den in Bayern sichergestellten Eiern bestätigte sich der Verdacht auf Dioxin. Ein Grosshändler hatte rund 410'000 Eier von einem Betrieb in Niedersachsen erhalten. Ein grosser Teil davon wurde von den Behörden sichergestellt. Der Verbleib von 22'000 Eiern war allerdings noch ungeklärt.

Nordrhein-Westfalen veröffentlichte Kennnummern, anhand derer die Konsumenten dioxinbelastete Eier erkennen können. Sie sind jeweils auf die Schale gestempelt. Am Dienstagabend waren in dem Bundesland vorsorglich 139 weitere Betriebe gesperrt worden.

Vom deutschen Dioxin-Skandal sind inzwischen auch die Niederlande betroffen. Aus Sachsen-Anhalt wurden 136'000 belastete Eier an eine niederländische Firma geliefert. Dioxin-belastetes Futterfett wurde nicht ausgeführt, wie das Bundeslandwirtschaftsministerium der EU- Kommission mitteilte.

Verunsicherung unter den Konsumenten

Auf die Frage nach der Gefahr von dioxinverseuchten Lebensmitteln für die Konsumenten in Deutschland sagte der Sprecher des Landwirtschaftsministeriums, es bestehe keine akute Gesundheitsgefahr. Wer Eier gegessen habe, müsse sich nicht um seine Gesundheit sorgen.

Auch der Lebensmittelhandel war bemüht, die Kunden zu beruhigen. «Eine akute Gesundheitsgefahr besteht nicht. Deswegen ziehen die Unternehmen auch nicht flächendeckend Ware aus dem Verkehr», erklärte ein Sprecher des Handelsverbands Deutschland (HDE).

Konsumentenschützer warnen

Konsumentenschützer raten hingegen vorübergehend vom Verzehr von Eiern und Geflügelfleisch ab - Bioprodukte ausgenommen. Der Verkauf von Hühnereiern sei schon «spürbar» gesunken, berichtete die landwirtschaftliche Marktberichterstattungsstelle MEG. Das genaue Ausmass werde aber erst in ein paar Wochen bekannt sein.

Die Politik reagiert auf den Skandal mit dem Ruf nach schärferen Zulassungsbedingungen für Betriebe, die Futterrohstoffe liefern. Auch wird darüber nachgedacht, die Produktion von technischen Fetten und Futterfetten örtlich zu trennen. Agrarministerin Ilse Aigner will darüber laut ihrem Ministerium Mitte Januar mit ihren Länderkollegen beraten.

sda/dapd/jak, pbe

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