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«Es gibt nicht den einen Paukenschlag, mit dem alles vorbei ist»

Die deutsche Bundeskanzlerin Merkel verteidigt ihr schrittweises Vorgehen in der Schuldenkrise und warnt vor politischen Schnellschüssen. Inzwischen hat sich auch US-Präsident Obama eingeschaltet.

In engem Kontakt mit Barack Obama: Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel.
In engem Kontakt mit Barack Obama: Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Keystone

Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama haben sich nach Angaben der Bundesregierung in einem Telefonat über die jüngsten Entwicklungen in der Eurokrise ausgetauscht. Die beiden Politiker hätten in ihrem Gespräch am Freitag «erneut bekräftigt», dass sich beide Länder «eng abstimmen werden, um die Weltwirtschaft auf einen starken, nachhaltigen und ausgewogenen Wachstumspfad zu führen», teilte Regierungssprecher Steffen Seibert in der Nacht zu Samstag mit. Thema der Unterredung sei auch der anstehende G-20-Gipfel der Staats- und Regierungschefs Anfang November im französischen Cannes gewesen.

Nach Angaben des Weissen Hauses in Washington vereinbarten Merkel und Obama zudem, im Vorfeld des Treffens weiterhin in «engem Kontakt» zu bleiben. Washington befürchtet wegen der europäischen Schuldenkrise Risiken auch für die US-Wirtschaft. Zur Eurokrise und zur Vorbereitung des G-20-Gipfels begann am Freitag in Paris ein Treffen der G-20-Finanzminister.

Keinen Paukenschlag

Merkel verteidigte zuvor ihr schrittweises Vorgehen in der Schuldenkrise. «Es gibt nicht den einen Paukenschlag, mit dem alles vorbei ist», sagte die Kanzlerin. Sie merke, dass vor dem EU-Gipfel am 23. Oktober bereits wieder solche Sehnsüchte entstünden. «Beinahe schon euphorisch» würden manche von einem Schuldenschnitt für Griechenland reden. Sie rate da aber zu «grosser Umsicht». Wenn überhaupt, dürfe ein Schuldenschnitt nur gewagt werden, wenn er nach bestem Wissen und Gewissen vorbereitet wäre. Als «letzte Patrone» wäre er verantwortungslos, sagte Merkel.

Die Lösung der Schuldenkrise sei ein «langer anstrengender Prozess, ein Prozess von noch vielen Schritten und Massnahmen, die jeweils so ausgesucht werden müssen, dass sie zum Zeitpunkt der Entscheidung mehr Vorteile als Nachteile bringen», sagte Merkel. Auch Eurobonds seien ihrer Meinung nach kein Wundermittel. Sie sei der tiefen Überzeugung, dass Eurobonds unter den jetzigen Bedingungen nicht weiter helfen.

Merkel will Finanztransaktionssteuer

Zuvor hatte die Bundeskanzlerin die USA und Grossbritannien aufgefordert, die Einführung einer weltweiten Finanztransaktionssteuer zu unterstützen. Es könne nicht sein, dass sich diejenigen, die die Euro-Länder «immer wieder von aussen zum umfassenden Handeln auffordern, gleichzeitig gemeinsam der Einführung einer Finanzmarkttransaktionssteuer umfassend verweigern», sagte Merkel am Freitag auf dem Gewerkschaftstag der IG Metall in Karlsruhe. «Ich halte das für nicht in Ordnung.»

US-Präsident Barack Obama hatte Europa vergangene Woche zum schnellen Handeln in der Schuldenkrise aufgefordert. Die besonders von Deutschland und Frankreich forcierte Finanztransaktionssteuer lehnen aber sowohl Washington als auch London ab.

AFP/jak

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