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«Europa ist eine tickende Zeitbombe»

Der Top-Ökonom Nouriel Roubini fordert einen mindestens viermal grösseren Euro-Rettungsschirm, um einen globalen Börsen-Crash abzuwenden. Und Investor George Soros lanciert einen Drei-Punkte-Plan.

«Europa muss viel entschiedener handeln. Uns läuft die Zeit davon», sagt der amerikanische Ökonom Nouriel Roubini im Gespräch mit der Zeitschrift «Stern». «Der Euro-Rettungsschirm ist viel zu klein. Die 440 Milliarden reichen höchstens bis Ende des Jahres.» Es brauche einen raschen, radikalen Schuldenschnitt für Griechenland. Gleichzeitig sei der Rettungsfonds auf mindestens zwei Billionen Euro zu erweitern.

«Europa muss eine ‹Brandmauer› um die beiden hochverschuldeten Länder Spanien und Italien ziehen», sagt der Wirtschaftswissenschaftler, der als Crash-Prophet respektive «Dr. Doom» Berühmtheit erlangte, weil er den Zusammenbruch des US-Immobilienmarkts vorausgesehen hatte. Spanien und Italien hätten jetzt schon grosse Probleme, ihre Staatskassen zu füllen und die Gläubiger zu bedienen.

«Wenn Europa implodiert, werden die USA mit in den Abwärtssog gezogen»

«Es hängt jetzt alles an Deutschland», sagt Roubini. «Wenn Deutschland jetzt rasch vorangeht und einer Erweiterung des Rettungsschirms zustimmt, werden andere folgen.» Ein weiteres finanzielles Engagement könnte nach Einschätzung von Roubini zwar dazu führen, dass die Bonität Deutschlands herabgestuft wird. «Aber jetzt geht es nur noch darum, zwischen dem kleineren und grösseren Übel zu entscheiden. Wenn Deutschland rasch handelt, gibt es eine gute Chance auf Erfolg.»

Schliesslich macht Roubini klar, dass es nicht nur um die «tickende Zeitbombe» Europa gehe. «Wenn Europa implodiert, werden die USA mit in den Abwärtssog gezogen.» Letztlich drohten ein globaler Crash der Finanzmärkte und eine globale Depression, warnt Roubini im «Stern».

100-köpfige Gruppe um Georges Soros fordert einen Drei-Punkte-Plan

Mit dem Investor George Soros hat sich eine weitere prominente Stimme zu Wort gemeldet. «Die Eurokrise muss sofort gelöst werden», heisst es in einem offenen Brief an die europäischen Regierungen, wie das «Handelsblatt» berichtet. Mitunterzeichner des Soros-Schreibens sind rund 100 Politiker und Ökonomen, Unternehmer und Manager aus ganz Europa. Sie betonen, dass die derzeitigen Massnahmen nicht ausreichend seien, zu spät kämen und weltweit auf den Finanzmärkten Verwerfungen auslösten.

Soros und Co. fordern die Gründung eines Finanzinstituts, das ähnlich wie ein Finanzministerium finanzielle Mittel für die Eurozone als Ganzes beschaffen und für Haushaltsdisziplin in den Mitgliedsländern sorgen kann. Zudem brauche es eine stärkere Überwachung und Regulierung des Finanzsystems. Schliesslich müsse eine Angleichung wie auch ein Wachstum der Wirtschaft im Euroraum angestrebt werden. «Der Euro braucht eine europäische Lösung.»

EU-Wirtschaftskommissar sieht gute Chance bei entschlossenem Handeln

Zu den Unterzeichnern des offenen Briefs gehören zahlreiche Prominente, so zum Beispiel die ehemaligen deutschen Minister Joschka Fischer und Hans Eichel, der frühere Aussenbeauftragte der EU Javier Solana, der britische Historiker Timothy Garton Ash, zwei ehemalige Ministerpräsidenten von Italien und Belgien, Massimo D'Alema und Guy Verhofstadt, sowie der ehemalige französische Aussenminister Bernard Kouchner.

Auch EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn drängt auf gemeinsame, entschlossene Anstrengungen im Kampf gegen die Euro-Schuldenkrise, wie «Welt online» berichtet. «Dann haben wir eine gute Chance, nicht nur eine Finanzkatastrophe abzuwenden, sondern auch Europa auf den Weg einer anhaltenden Erholung zurückzubringen.»

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